Berlin : Verkaufsoffener Sonntag: "Wie beim Sommerschlussverkauf"

Katharina Körting

Das Publikum kam in Scharen, und die Geschäftsleute waren zufrieden. Die Fußgängerzone der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg, die sonst an Sonntagen ziemlich verlassen wirkt, bot gestern ein überraschendes Bild: Punkt zwölf Uhr mittags öffneten sich die Ladentüren aller großen und vieler kleiner Geschäfte. Vor manchen Läden standen schon vorher Schlangen. Bis 17 Uhr konnte gekauft werden.

Verkaufsstände und Mini-Karussells im Freien trugen zum Eindruck eines Straßenfestes bei. "Die stehen hier alle vor den Türen", mokierte sich sogar eine junge Frau, "wie beim Sommerschlussverkauf". Tatsächlich bildeten sich schon eine halbe Stunde vor der Öffnung der Läden große Trauben vor Karstadt, Sinn Leffers, Peek & Cloppenburg und C&A. Beim ersten verkaufsoffenen Sonntag in der Wilmersdorfer Straße, zu dem sich die AG Wilmersdorfer Straße im Rahmen der "7 Shopping Weekends" entschlossen hatte, war das Interesse jedenfalls groß. Das schöne Herbstwetter hielt offenbar kaum jemanden vom Gang in die Kaufhäuser zwischen S-Bahnhof Charlottenburg und Schillerstraße ab. "Es ist zu kalt für einen Ausflug ins Grüne", meinte eine 16-Jährige , die extra aus Reinickendorf gekommen wart, "mir gefällt es, wenn ich sonntags einkaufen kann, sonst ist das immer so ein langweiliger Tag". Gemeinsam mit ihrer Freundin wühlte sie sich bei Leffers durch die Angebote für junge Mode. "Es ist ruhiger", sagt eins der Mädchen. Die rote Rose, die alle Kunden am Eingang in die Hand gedrückt bekommen, lugt aus ihrer Einkaufstüte. Auch Antje Heusinger, mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn aus Wedding angereist, hat etwas dafür übrig, dass es "weniger hektisch" zugeht. Denn ganz so viele Kunden wie an einem Sonnabend drängelten sich nicht in den Geschäften. "Aber wir sind sehr zufrieden", sagt Jörg Nielbock, Geschäftsführer von Leffers, das noch bis zum 10. November sein 100-jähriges Bestehen feiert - mit 20 Prozent Nachlass auf alle Waren. Die "Kundenfrequenz" sei so groß wie an einem Schlussverkaufstag. Zu Leffers kamen rund 5000 aktive - also kaufende - Kunden. An einem langen Sonnabend besuchen rund 10 000 Kaufwillige das Kleidungsgroßgeschäft.

Der verkaufsoffene Sonntag soll dazu beitragen, das Image-Problem der Fußgängerzone zu lösen. "Die Straße gilt als Billigmeile", sagt Nielbock, "davon wollen wir weg". Im kommenden Jahr sind weitere Aktionen geplant. Angesichts von rund vier Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche in Berlin - "ein Überangebot" - müssten sich die Händler etwas einfallen lassen.

Bei Karstadt ist man optimistisch, dass der Ruf der Straße aufpoliert werden kann. "Der verkaufsoffene Sonntag ist ein Erfolg", meint Karstadt-Geschäftsführer Fred Lehmann. Das Warenhaus hat sich am 31. Oktober nach neun Monaten Renovierung bei laufendem Betrieb in neuem Ambiente präsentiert. "Da passt so ein Tag gut in unsere Eröffnungswoche", meint Lehmann. Knapp 10 000 Käufer kamen in den fünf Stunden Sonderöffnungszeit. An einem normalen Tag seien es rund 15 000. "Das muss ein Highlight bleiben", meint Nielbock, "sonst würde der Sonntag wie jeder andere Tag, und das rentiert sich nicht."

Eine ältere Frau, die bei Karstadt an den Büchertischen nach einem Krimi sucht, ist ganz seiner Meinung. "Ich lege überhaupt keinen Wert darauf, sonntags einzukaufen ", betont sie, "ich bin nur zufällig vorbeigekommen." Einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag wird es in diesem Jahr in der Wilmersdorfer Straße nicht mehr geben.

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