Verkehr : Fragen und Antworten zur Umweltzone

Was ist die Umweltzone? Wie kann ich herausfinden, welche Plakette mein Auto bekommt? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Plakettenpflicht, die zur Jahreswende beginnt.

Stefan Jacobs
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Höchste Zeit zum Kleben. Ohne Plakette an der Scheibe ist die Innenstadt ab 2008 tabu. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Was ist die Umweltzone?



In der Umweltzone dürfen ab dem Jahresbeginn 2008 nur noch solche Autos und Lastwagen fahren, die bestimmte Abgasnormen erfüllen. Sie umfasst das Gebiet innerhalb des S-Bahn-Rings – mit Ausnahme der teilweise im Ring liegenden südlichen Stadtautobahn. Die Zufahrtsstraßen sollen im Laufe des Dezembers beschildert werden. Mopeds und Motorräder sind nicht betroffen.

Wer darf ab Januar 2008 noch in die Innenstadt fahren?

Alle Fahrzeuge, in deren Frontscheibe eine Plakette klebt. Die wird entsprechend dem Abgasstandard zugeteilt, der Zustand des Autos spielt keine Rolle. Faustregeln: Autos mit Benzinmotor und geregeltem Katalysator, also etwa ab Baujahr 1988, bekommen grüne Plaketten. Dieselfahrzeuge müssen mindestens die Abgasnorm Euro 2 erfüllen, um eine rote Plakette zu erhalten. Eine gelbe gibt’s für Euro 3, eine grüne für Euro 4. Diesel mit Rußpartikelfilter werden jeweils eine Klasse besser eingestuft (also Euro 1 plus Filter gleich rote Plakette und so weiter).

Wo sind die Plaketten zu bekommen?

Gegen Vorlage des Fahrzeugscheins und Zahlung von fünf bis sechs Euro an rund 850 Orten in der Stadt. Das sind meist Autowerkstätten sowie Stützpunkte von Tüv und Dekra. Außerdem werden die Plaketten in den beiden Kfz-Zulassungsstellen (Ferdinand-Schultze-Straße 55 in Hohenschönhausen und Jüterboger Straße 3 in Kreuzberg) verkauft. Für in Deutschland zugelassene Autos können sie auch online bestellt werden, beispielsweise unter www.berlin.de/umweltzone oder unter www.umwelt-plakette.de.

Kann ich selbst herausfinden, welche Plakette mein Auto bekommen müsste?

Ja, anhand einer Nummer im Fahrzeugschein, aber das ist nicht einfach. Auch können Einträge in der Zulassung irritieren, weil zum Beispiel „Schadstoffarm E2“ nicht „Euro 2“ bedeuten muss. Im Zweifel weiß die Werkstatt mehr. Und die Liste der Schlüsselnummern steht online unter www.berlin.de/umweltzone.

Gibt es eine Chance, alte Autos „plakettentauglich“ zu machen, und was kostet das?

Oftmals ja, indem Diesel mit Rußpartikelfiltern nachgerüstet werden. Ob das im konkreten Fall möglich ist, weiß die Fachwerkstatt. Wenn ja, kostet die Nachrüstung eines Pkw 600 bis 700 Euro. Im Gegenzug gibt’s vom Staat eine Steuergutschrift über 300 Euro. Bei Lkw sind die Chancen auf Nachrüstsätze schlechter und die Kosten meist deutlich höher.

Gelten die Plaketten nur in Berlin? Und wie lange?

Die Plaketten gelten auch in Umweltzonen anderer Städte und sind für die jeweilige Autonummer unbefristet gültig. Außer Berlin wollen auch Köln und Hannover zum Jahreswechsel Umweltzonen einrichten. Weitere Städte werden im Laufe des Jahres 2008 folgen.

Was ist mit „Stinkern“, die keine Plakette bekommen?

In der Regel müssen sie draußen bleiben. In Einzelfällen werden Ausnahmegenehmigungen erteilt. Wer ohne erwischt wird, riskiert 40 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg.

Wer hat Anspruch auf eine Ausnahme?

Pauschale Ausnahmen für Autos von Schwerbehinderten sowie für Krankenwagen, Arbeitsmaschinen, einige Sonderfahrzeuge und demnächst auch für Oldtimer (mit H-Kennzeichen) sind bundesweit geregelt. Alle anderen können bei einem (beliebigen) Bezirksamt allenfalls eine auf höchstens 18 Monate befristete Einzelausnahme beantragen. Die gibt es nur, wenn die Nachrüstung nicht möglich, die Nutzung von Bus und Bahn unzumutbar und der Kauf eines neueren Autos existenzgefährdend teuer wäre, also beispielsweise einen Handwerksbetrieb ruinieren würde. Für Fuhrparks von Firmen gelten Quotenregelungen.

Wie hoch sind die Gebühren für Ausnahmegenehmigungen?

Die Spanne reicht von 25 bis 1000 Euro, wobei Pkw billiger sind als Lkw und Ablehnungen billiger als Zusagen. Die genauen Kosten sind bei den Bezirksämtern zu erfahren, einige grundsätzliche Infos finden sich unter www.berlin.de/umweltzone.

Wann sollte man sich um Plakette oder Ausnahmeantrag kümmern?

Um Ausnahmegenehmigungen lieber heute als morgen: Zurzeit werden sie binnen weniger Tage geprüft. Da die Ämter aber Tausende erwarten, ist ein Chaos zum Jahresende zu befürchten. Für alle anderen gilt: Der Kauf einer Plakette lässt sich beispielsweise beim nächsten Werkstattbesuch nebenbei an der Kasse erledigen.

Welche Regeln gelten für Berlin-Besucher?

Die Plaketten sind Pflicht für alle. Laut Kfz-Innung sind sie bundesweit in allen Werkstätten zu haben, die Abgasuntersuchungen anbieten. Ausländische Autos werden über deren Papiere eingestuft - anhand von Datum der Erstzulassung und Kraftstoffart.

Warum werden manche Kleinwagen ausgesperrt, während spritfressende Geländewagen kein Problem bekommen?

Dahinter steckt der Unterschied zwischen Umwelt- und Klimaschutz: Ein alter Kleinwagen bläst viel mehr giftige Abgase in die Luft als ein neues Dickschiff. Der neue Spritfresser dagegen emittiert zwar massenhaft Kohlendioxid, aber dieser Klimakiller ist nicht direkt giftig.

Warum gibt es drei Plakettenfarben?

2010 werden auch Autos mit roten und gelben Plaketten ausgesperrt. Das trifft vor allem Lkw und Busse; teils sogar solche, die erst Anfang 2006 zugelassen wurden. Die Verschärfung hängt mit einer EU-Richtlinie zu Stickoxiden zusammen, die der seit 2005 verbindlichen Feinstaub-Richtlinie ähnelt und 2010 verbindlich wird. Stickoxide sind ein typisches Dieselabgas - und giftig beim Einatmen. Außerdem befördern sie die Bildung von Ozon ("Sommersmog"). Die künftigen Grenzwerte für Stickoxide werden an vielen Berliner Straßen zurzeit weit stärker überschritten als die für Feinstaub.

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