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Verkehr in der Hauptstadt : Berlins Norden wird zur Großbaustelle

Berliner im Norden und Nordosten müssen starke Nerven behalten: Die S-Bahn wird unterbrochen, die Autobahn erneuert, die U-Bahn saniert.

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Gebremste Fahrt. Immer wieder gibt es Einschränkungen aus der 1987 eröffneten A 111.
Gebremste Fahrt. Immer wieder gibt es Einschränkungen aus der 1987 eröffneten A 111.Foto: Marc Tirl /dpa

Am Montag ist es so weit: Bis voraussichtlich 4. Dezember fahren zwischen Pankow und Karow wegen Bauarbeiten keine S-Bahnen. Die S 2 wird geteilt und fährt zwischen Blankenfelde–Pankow sowie Karow–Bernau. Die S8 verkehrt als S 85 von Grünau nach Waidmannslust und die S9 aus Schönefeld endet bereits an der Greifswalder Straße. Als Ersatz setzt die S-Bahn Busse ein.

Eine Expresslinie verbindet ohne Zwischenhalt mit einer Fahrt über die Autobahn A 114 Pankow mit Karow. Auch die S8 nach Birkenwerder wird durch Busse ersetzt, was die Fahrzeit um etwa 40 Minuten verlängert.

Und auch sonst kommt auf den Norden der Stadt ganz schön was zu: In den nächsten Jahren wird die Autobahn A 111 zur Großbaustelle, die BVG baut an der U-Bahn-Linie U 6 und die S–Bahn ist auch noch mit Arbeiten an der S 25 Richtung Tegel und Hennigsdorf dabei. Parallele Sperrungen ließen sich dabei nicht vermeiden, heißt es bei der Bahn.

Die Arbeiten an der Autobahn finden voraussichtlich nicht vor 2021 statt, teilte die Senatsverkehrsverwaltung jetzt auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen mit. Beginnen sollten sie ursprünglich 2014 und damit vor den Arbeiten bei der S- und U-Bahn abgeschlossen sein. Wegen der „angespannten Personalsituation“ in der Tiefbauabteilung habe die Planung von 2011 nicht fortgeführt werden können, erklärte Staatssekretär Jens-Holger Kirchner. Das Land habe deshalb 2015 die Fernstraßenplanungs- und Baugesellschaft Deges damit beauftragt.

Mehr als 13 Kilometer Autobahn werden erneuert

Derzeit laufe die Vorplanung. Dabei würden der bauliche Zustand und die verkehrlichen Randbedingungen der gesamten A 111 vom Dreieck Charlottenburg bis zur Stadtgrenze geprüft, teilte Kirchner weiter mit. Zu sehen sind bereits auf den Fahrbahnen angebrachte Messstellen. Gearbeitet wird dabei mit Lasertechnik auch vom fahrenden Auto aus. Bis 2018 soll „ein integriertes Verkehrs- und Baukonzept“ vorliegen, das auch Umleitungen über Stadtstraßen berücksichtigt, wenn auf der Autobahn abgerissen und neu gebaut wird. Und gebaut wird nach Angaben der Deges kräftig:

Auf 13,3 Kilometer müssen die vier Fahrstreifen saniert werden. Hinzu kommen 49 Brücken- Tunnel- und Trogbauwerke – dazu gehören unter anderem die Tunnel Beyschlagsiedlung, Forstamt Tegel und Tegel Ortskern. Ferner umfassen die Arbeiten 85 Verkehrszeichenbrücken sowie 93 Lärmschutz- und Stützwände entlang der Strecke. Die Baukosten sind bisher mit rund 750 Millionen Euro veranschlagt. Wie lang die Arbeiten dauern werden, könne man derzeit nicht seriös angeben, teilte Kirchner mit.

Wer die Fahrt durch die Großbaustelle geschafft hat, kann aber noch nicht aufatmen. Auf der anschließenden A 100 des Stadtrings folgen weitere. Nach 2021 muss die Rudolf-Wissell-Brücke abgerissen und neu gebaut werden. Weiter südlich wird zudem die Westendbrücke über den Bahngleisen neu gebaut.

CDU kritisiert Verzögerung im Zeitplan

CDU-Mann Zeelen reagierte „fassungslos“ auf den aktuellen Terminplan. Die Verzögerung von mindestens sieben Jahren sei nicht hinnehmbar, erklärte der Abgeordnete. Zumindest sollte in den Tunneln die Funkabdeckung für Radio- und Handyempfang umgehend modernisiert werden. Derzeit bricht der Empfang beim Einfahren immer noch ab; auch Verkehrsdurchsagen sind dann nicht mehr zu hören. Außerdem fordert Zeelen einen schnellen Austausch von Hinweisschildern, die zum Teil missverständlich seien, unter anderem bei der Ausschilderung der Fahrt Richtung Hamburg.

Wer die Staugefahr vermeiden und auf die Bahn umsteigen will, kann aber auch Pech haben – falls die Arbeiten an der Autobahn tatsächlich 2021 beginnen sollten. Die BVG will den U-Bahn-Verkehr von März 2020 bis Dezember 2021 von Alt-Tegel bis Kurt-Schumacher-Damm unterbrechen. Sie muss die oberirdische Dammstrecke der U6 zwischen den Bahnhöfen Borsigwerke und Kurt-Schumacher-Platz erneuern. Hier gibt es immer wieder Setzungen. Zudem muss die Brücke Seidelstraße „auf Grund konstruktionsbedingten Materialversagens“, wie Kirchner mitteilte, neu gebaut werden. Erste Ausschreibungen hat es bereits gegeben. Auch müssen Bahnsteige und Dächer der Stationen Scharnweberstraße und Holzhauser Straße saniert werden.

Behinderungen auch bei der S 25

Parallel dazu will die Bahn im Mai 2020 damit beginnen, die S 25 zwischen Schönholz und Tegel mit neuer Sicherungstechnik auszustatten. Im Herbst 2021 soll sie in Betrieb gehen. Gleichzeitige längere Sperrungen bei der S- und U-Bahn seien unvermeidbar, sagte ein Sprecher. Verschieben ließen sich die Arbeiten nicht. Anschließend soll noch ein zweites Gleis zwischen Schönholz und Tegel gelegt werden, was wiederum zu Einschränkungen im Betrieb führen wird. Auf zwei Gleisen können die Züge alle zehn Minuten bis Tegel fahren, was nach Angaben der Bahn frühestens 2026 der Fall sein wird. Vielleicht sind die Autobahn-Bauer dann bereits fertig.

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