Verkehr : Linienstraße wird zur Fahrradzone

Angesichts des stark zunehmenden Fahrradverkehrs in der Stadt will der Senat den Autofahrern Teile des Straßennetzes streitig machen. So etwa in der Linienstraße in Mitte - dort dürfen nur noch Anwohner Auto fahren.

Jörn Hasselmann
linienstraße
Im Reich der Radler. In der Linienstraße in Mitte haben jetzt Radfahrer das Sagen. -Foto: David Heerde

„Wir müssen den Platz künftig anders verteilen“, sagte die Staatssekretärin der Bauverwaltung, Maria Krautzberger. Es könne nicht angehen, dass Autofahrer den öffentlichen Raum als „ihr selbstverständliches Vorrecht betrachten“. Die SPD-Politikerin gab gestern die erste „Fahrradstraße“ in der Innenstadt für den Verkehr frei. „Wir wollen das Rad als umweltfreundliches Verkehrsmittel fördern“, sagte Krautzberger.

Die Linienstraße, die in Mitte parallel zur Torstraße verläuft, ist nun auf zwei Kilometern Länge Radfahrern und Anliegern vorbehalten. Autofahrer müssen dort mit „mäßiger Geschwindigkeit“ (Tempo 25 bis 30) fahren, Radler dürfen nebeneinander rollen. Die Staatssekretärin gab zu, dass viele Autofahrer diese Regeln noch nicht kennen: „Das muss sich erst rumsprechen.“

„Wir hoffen, dass dieses gute Beispiel Schule macht“, sagte die ADFC-Vorsitzende Sarah Stark. Was Heribert Guggenthaler, der für den Radverkehr zuständige Experte beim Senat, gestern bestätigen konnte: So werden demnächst unter anderem die Max-Beer-Straße und die Choriner Straße in Mitte, die Bergmannstraße in Kreuzberg (zwischen Südstern und Marheinekeplatz) sowie die Prinzregentenstraße in Wilmersdorf als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Alle werden bereits stark von Radlern frequentiert, um parallele Hauptstraßen zu umgehen.

Sicherer soll der Verkehr auch durch mehr Radspuren und eigene Abbiegespuren auf Kreuzungen werden. So werden in diesem Jahr etwa 16 Kilometer Radspuren mit weißer Farbe auf der Fahrbahn von Hauptstraßen markiert. Diese Spuren sind nach Angaben der Polizei deutlich sicherer als die früher üblichen Radwege auf dem Bürgersteig, auf denen Radler oft übersehen werden und zudem den Fußgängern gefährlich nahe kommen. Markiert werden derzeit Abschnitte der Müllerstraße, der Chausseestraße, der Perleberger Straße und von Alt-Moabit.

Von den alten Radwegen sind nur noch 20 Prozent benutzungspflichtig, also ausgeschildert mit dem blauen runden „Fahrrad“-Verkehrsschild. Bei den anderen 80 Prozent haben Radler seit der Änderung der Straßenverkehrsordnung im Jahr 1998 die Wahl, ob sie die meist zu schmalen und holperigen Radwege oder die Fahrbahn benutzen. Auch dies ist vielen Autofahrern immer noch unbekannt, sagte der Fahrradbeauftragte des Senats, Benno Koch. Er kritisierte, dass immer noch Kreuzungen ohne Rücksicht auf Radfahrer umgebaut werden. Ein Beispiel sei der Rosenthaler Platz in Mitte, der gerade eine neue Ampelschaltung bekommen hat und dennoch von Radfahrern kaum regelgerecht gequert werden könne. Aus Platzmangel weichen viele Radfahrer auf den Gehweg aus. Zudem sei die Einfahrt in den Weinbergsweg auch für Radfahrer verboten – was täglich tausendfach missachtet wird, wie Koch beobachtet hat.

Zwölf Prozent aller Wege werden in Berlin mit dem Rad zurückgelegt, in der City ist der Anteil weit höher. Dennoch ist die Zahl der bei Unfällen verletzten Radler in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben.

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