Verkehr : Spandauer Damm wird zum Nadelöhr

07.05.2008 00:00 UhrVon Klaus Kurpjuweit
spandauer damm Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Die Bagger sind schon da. Der Neubau der Spandauer Brücke wird in den nächsten drei Jahren viel Geduld von Autofahrern fordern. - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Jetzt wird's eng: An der Spandauer-Damm-Brücke werden die Rampen zur Stadtautobahn gesperrt. Dann gibt es in jeder Richtung nur noch eine Fahrspur. Das bringt Verkehrsprobleme bis 2011.

Am Mittwoch Abend gegen 20 Uhr werden an der Spandauer-Damm-Brücke die Rampen zur Stadtautobahn gesperrt, von morgen an gibt es dann auf der Brücke nur noch eine Fahrspur je Richtung. Die Ost-West-Verbindung über den Spandauer Damm in Charlottenburg wird damit jahrelang zum Nadelöhr. Die Arbeiten für den Abriss und Neubau der Spandauer- Damm-Brücke dauern bis Mitte 2011. Auch mehrere Vollsperrungen auf dem Spandauer Damm, sowie der darunterliegenden Stadtautobahn und der S-Bahn sind erforderlich; erstmals im August.

Die Stadtautobahn wird in diesem Jahr zwar 50 Jahre alt, doch daran liegt es nicht, dass sie schon mehrere Großreparaturen hinter sich hat.

Baumängel waren die Hauptursache – wie jetzt auch bei der Spandauer-Damm-Brücke. Sie ist zwar auch schon 1963 eröffnet worden, doch bei der damals neuen Spannbetonkonstruktion waren die Abdichtungen noch nicht perfekt. Eindringendes Tausalz hat das Bauwerk dann mürbe gemacht. Eine Sanierung war 2003/2004 gescheitert, rund eine Millionen Euro verpulvert.

Jetzt entsteht für rund 35 Millionen Euro ein Neubau; der Bund und Berlin übernehmen jeweils die Hälfte der Kosten, wobei der Landesanteil zu 90 Prozent von der EU gefördert wird.

Widerstand der Anwohner

Ursprünglich wollten die Planer den Verkehr Richtung Spandau zweispurig weiter über die Baustelle führen, Richtung Zentrum waren Umleitungen auch durch Wohnstraßen vorgesehen. Dies ist am Widerstand von Anwohnern gescheitert. Jetzt führt der gesamte Verkehr über die Baustelle; dafür aber nur einspurig je Richtung. Die Stadtentwicklungsverwaltung rät, den Bereich weiträumig zu umfahren. Fußgänger und Radfahrer können die Brückenbaustelle ebenfalls passieren.

Beeinträchtigt sind auch Fahrgäste im Nahverkehr, weil zuerst auf der Nordseite der Brücke und später dann auf der südlichen die Zugänge zum S-Bahnhof Westend gesperrt werden; die Haltestellen der BVG-Busse vor den Eingängen zum Bahnhof entfallen.

Abgesehen von den wahrscheinlich sechs Vollsperrungen in der Bauzeit soll der Verkehr auf der Stadtautobahn unter der Brücke fast ungehindert weiter rollen können; nur die Fahrspuren werden enger. Dafür müssen Autofahrer am Flughafentunnel Tegel weiter mit Stau rechnen; die seit 18 Monaten laufenden Sanierungsarbeiten haben sich verzögert. Statt Ende Mai wird der Verkehr nun am 13. Juni wieder freigegeben.

Einbau moderner Sicherungstechnik

Weitere Großbaustellen auf der Stadtautobahn sind bereits geplant. Im nächsten Frühjahr gibt es eine Grundinstandsetzung auf dem Abschnitt zwischen Charlottenburg und der Seestraße sowie auf der Avus. Und 2010 ist dann im Rathenautunnel unter dem Kurfürstendamm der Einbau moderner Sicherungstechnik vorgesehen.

Nach 2012 kann es ganz dick kommen, weil dann wahrscheinlich auch die Rudolf-Wissell-Brücke am Dreieck Charlottenburg neu gebaut werden muss. Mit 930 Metern ist sie eine der längsten Brücken Berlins. Auch sie ist bereits 1962 eröffnet worden und hat die "Kinderkrankheiten“ des damaligen Spannbetonbaus. Ihr Zustand wird ständig überprüft. Neu gebaut werden mussten bereits die Schmargendorfer Brücke in den 80er Jahren sowie später die Hohenzollerndammbrücke.

Indirekt zum Autobahn-Programm gehört zudem der Neubau der Freybrücke im Verlauf der Heerstraße. Die Planer hoffen hier, dass das brüchige Bauwerk noch bis zum Ende der Arbeiten an der Spandauer-Damm-Brücke halten wird. Sonst gäbe es auf der Ost-West-Verbindung zeitgleich zwei Großbaustellen.

Umfahrungen der Baustelle

Stadteinwärts wird empfohlen, vom Spandauer Damm über die Reichsstraße zum Kaiserdamm auszuweichen. Wer Richtung Spandau unterwegs ist, sollte über die Bismarckstraße und den Kaiserdamm oder über den Tegeler Weg zum Jakob-Kaiser-Platz und weiter über den Siemensdamm fahren, rät die Stadtentwicklungsverwaltung. Entsprechende Hinweisschilder sollen aufgestellt werden.

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