Verkehr : Taxifahrer wollen höheren Fahrpreis

Fluggesellschaften verlangen ihn bereits seit langem, Ausflugsschiffe auf der Ostsee haben im Juni nachgezogen, und nun wollen ihn auch Berlins Taxifahrer haben: einen Zuschlag auf die Treibstoffkosten.

Hannes Heine,Klaus Kurpjuweit
Taxi
Schlechte Fahrgeschäfte. Taxiverbände befürchten, dass durch die gestiegenen Spritpreise viele Unternehmen in wirtschaftliche...Foto: Thilo Rückeis

Drei Taxiverbände haben, wie berichtet, bei der Senatsverkehrsverwaltung einen Antrag auf einen „Notzuschlag“ gestellt: Auf jede Taxifahrt für bis zu zehn Euro sollen die Fahrer pauschal 50 Cent draufschlagen dürfen, wer sich für mehr als zehn Euro durch die Stadt fahren lässt, soll einen Euro Zuschlag zahlen.

„Seitdem die zur Zeit gültige Taxitarifordnung am 07. März 2007 in Kraft getreten ist, sind die Kosten für Kraftstoffe um über 30 Prozent gestiegen“, heißt es im Antrag des Taxiverbandes. Den Zuschlag könnte man einfach per Knopfdruck zum regulären Grundfahrpreis addieren, der derzeit bei drei Euro liegt. Ausgenommen werden soll die Kurzstrecke – die zwei Kilometer sollen auch künftig pauschal 3,50 Euro kosten. Eine Preiserhöhung sei nötig, sonst drohe vielen Taxiunternehmern der Ruin. Aus dem Hause von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) heißt es zu dem Antrag nur: „Abwarten, wir prüfen.“ Die Taxifahrer wollen am 8. Juli gegen die hohen Spritpreise mit einem Korso demonstrieren.

Kritiker der untereinander häufig zerstrittenen Taxiorganisationen wenden dagegen ein: Das billigste am Taxifahren seien nach wie vor die Spritkosten – pro Kilometer weniger als elf Cent. Bei einer Zehn-Euro-Strecke, aus drei Euro Grundpreis und 4,5 Kilometern für je 1,58 Euro, sind nach Auskunft von Taxifahrern rund 50 Cent für Treibstoff enthalten. Außerdem verbrauche die Fahrweise vieler Droschkenkutscher oft mehr Sprit als nötig: Mit überhöhter Geschwindigkeit auf Rot zeigende Ampeln zuzusteuern und dann heftig zu bremsen, sei ebenso überflüssig, wie mit laufendem Motor an Halteplätzen zu warten.

Einen Zuschlag von 50 Cent oder einem Euro verlangt seit Anfang Juni die Reederei Adler für einige Fahrten ihres Ausflugverkehrs auf der Ostsee. Hierbei handele es sich nicht um eine Fahrpreiserhöhung, sondern um die Weitergabe des Teuerungszuschlages für Treibstoff, der auf die Dauer der aktuellen Hochpreisphase begrenzt sei, heißt es bei der Reederei.

Berliner Reeder wollen diesem Beispiel nicht folgen. Die Mehrkosten durch die gestiegenen Treibstoffpreise liegen bei der Stern- und Kreisschifffahrt nach Angaben von Geschäftsführer Jürgen Loch durchschnittlich zwar bei 40 Cent pro Fahrgast. Diese wolle man aber nicht vom Kunden fordern. Im Gegenteil: Ändere sich die Lage nicht noch dramatisch, werde es im nächsten Jahr nicht einmal eine Preiserhöhung geben, sagte Loch.

Auch Busunternehmen, die Stadtrundfahrten anbieten, halten von einem Spritzuschlag nichts. Überlegungen, diesen einzuführen, habe es zwar gegeben, sagte Hans-Jörg Schulze von der Berliner Bären Stadtrundfahrt. Die Kosten allein für neues Informationsmaterial seien aber wohl höher als die Erträge aus einem Zuschlag. Zudem seien die Unternehmen vertraglich meist an feste Preise gebunden, sagte Schulze.

Auch die BVG kann die Mehrkosten beim Dieselkauf in diesem Jahr nicht an die Kunden weitergeben. Veranschlagt hatte das Unternehmen nach Angaben seiner Sprecherin Petra Reetz Kosten von 41 Millionen Euro im Jahr; jetzt müsse man wohl 10 Millionen Euro drauflegen. Mehr Geld für die BVG gibt es erst nach der nächsten Tariferhöhung, die wahrscheinlich zum 1. April 2009 kommt. Und im nächsten Jahr wollen auch die Taxifahrer generell höhere Preise verlangen.

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