Verkehr : Zehlendorf bleibt ohne Regionalbahnhof

Das Ergebnis ist eindeutig: Die 175 Millionen Euro für den Wiederaufbau der sogenannten Stammbahn als Strecke für Regionalbahnen - über Griebnitzsee, Dreilinden (Europarc), Zehlendorf, Potsdamer Platz bis hin zum Hauptbahnhof - lohnen sich nicht.

Peter Könnicke

Der Kosten-Nutzen-Faktor liegt bei 0,7. Erst bei einem Wert von 1,0 wäre die Investition gerechtfertigt. Zu diesem Resultat kommen die Gutachter der Münchner Intraplan Consult GmbH, die im Auftrag von Berlin und Brandenburg die Wirtschaftlichkeit der Reanimation der ersten preußischen Eisenbahnstrecke untersucht haben.

Das Ergebnis bleibt nicht unwidersprochen. So moniert im Vorfeld einer Präsentation der Studie am Montag im brandenburgischen Infrastrukturministerium der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jens Klocksin, „handwerkliche Fehler“. Die Gutachter würden sich auf Prognosen für Bevölkerungszahlen in Berlin und das südliche Umland stützen, die heute schon erreicht seien. Für den Chef des Europarcs Dreilinden ist die Studie eine Katastrophe. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Stammbahn kommt“, so Walter Brümmer. Der Europarc gilt als attraktiver Gewerbestandort, die Ebay-Europazentrale hat sich angesiedelt und einen Großteil der 2100 Arbeitsplätze geschaffen. 6000 Arbeitsplätze könnten bis zum Jahr 2020 entstehen, doch dafür bräuchte man den Anschluss ans Schienennetz. Dass die Gutachter von 4500 Beschäftigten im Europarc ausgehen, sei nicht nachvollziehbar. „Die Stammbahn“, meint auch Kleinmachnows Bürgermeister Wolfgang Blasig (SPD), „ist wichtig für die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung der Region.“

Für Utz Senger von Intraplan Consult spricht das Gutachten eine klare Sprache. „Wir sind Lichtjahre von der 1,0-Hürde entfernt.“ Das sei für den Bund, der den Wiederaufbau finanzieren müsste, das entscheidende Kriterium. Allerdings ist der Bund selbst in Vorleistung gegangen, als er beim Bau des Nord-Süd-Tunnels unter dem Tiergarten der Bahn 26 Millionen Euro für ein Bauwerk zur Verfügung stellte, über das die Züge der Stammbahn in den Tunnel fahren könnten. Doch war der Vorschuss an eine Bedingung geknüpft: Wird die Strecke nicht wieder aufgebaut, müsste das Geld an den Bund zurückgezahlt werden.

Die Stammbahn wurde im Krieg zerstört. Die S-Bahn verkehrte nur auf Berliner Stadtgebiet zwischen Zehlendorf und Düppel, später zu West-Berliner Zeiten mit Zwischenhalt in Zehlendorf-Süd. Dieser Stummel wurde 1980 stillgelegt. Peter Könnicke

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