1000 defekte Motoren : Konstruktionsfehler oder mangelhafte Wartung?

Über tausend Störungen hat es nach Angaben der S-Bahn in diesem Winter bisher gegeben. Experten streiten über die Ursache der Ausfälle.

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Die Ursache ist klar: Marode Wicklungen und eine unzureichende Schutzlackierung sind die Hauptgründe für den haufenweisen Ausfall der Motoranlagen bei den modernsten Fahrzeugen der S-Bahn. Über tausend Störungen hat es nach Angaben der S-Bahn in diesem Winter bisher gegeben; weit über 200 Motoren seien bereits ausgetauscht worden.

Etwa 150 Antriebe hätten inzwischen eine neue Wicklung sowie die erforderliche Lackierung erhalten, sagte ein Bahnsprecher. Das Programm laufe weiter. Es ziehe sich aber in die Länge, weil jeder Motor dafür ausgebaut werden müsse, was zum tagelangen Ausfall der Fahrzeuge führe. Diese Schwachpunkte waren bereits im vergangenen Winter erkannt worden.

Ob ein Konstruktionsfehler vorliegt, ist strittig. Die S-Bahn neigt zu dieser Annahme. Die Fahrzeuge waren in ihrem Auftrag Anfang der 90er Jahre entwickelt worden. Hersteller Bombardier weist diesen Vorwurf zurück. Bei Gesprächen vor dem Ablauf der Gewährleistungsfristen seien Probleme mit den Motoren nicht angeführt worden, sagte Bombardiersprecher Heiner Spannuth. Die Garantie war 2007 ausgelaufen; drei Jahre nach dem Abliefern des letzten der bestellten 500 Doppelwagen. Der Auftrag hatte einen Wert von rund 1,2 Milliarden Euro.

Insider führen die Ausfälle eher auf eine mangelhafte Wartung zurück, die in den vergangenen Jahren stetig reduziert worden sei. Überall habe man gespart, auch an Teilen, die nur wenig kosten. So musste im vergangenen Herbst ein Großteil der Fahrzeuge aus dem Verkehr genommen werden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass entgegen den Empfehlungen des Herstellers bei der regelmäßigen Wartung ein billiges Teil der Bremsanlage nicht ausgetauscht worden war. Ohnehin ist man bei der Instandsetzung schon vor Jahren dazu übergegangen, nur Teile auszuwechseln, die defekt sind. Anlassbezogene Instandhaltung heißt dies bei den Fachleuten. Früher waren Teile nach bestimmten Fristen erneuert worden, egal, in welchem Zustand die Anlagen waren. Bei diesem Verfahren sind die Kosten wesentlich höher; die S-Bahn hatte aber die Vorgabe, kräftig zu sparen.

Zwischen Bombardier und der S-Bahn gebe es zu allen Problemen regelmäßige Gespräche, sagten Sprecher beider Seiten. An einer Lösung seien schließlich alle interessiert. Die S-Bahn nutze auch die Prüfstände in den Bombardier-Werken, um neue Erkenntnisse gewinnen zu können, ergänzte ein Sprecher. Änderungen an den Fahrzeugen könnten nur gemeinsam erfolgen. Und hier gibt es noch ein großes Programm. Klaus Kurpjuweit

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