41,6 Millionen Euro Verlust : S-Bahn weiter in Schieflage

Die S-Bahn steckt finanziell weiterhin tief in der Krise, im vergangenen Jahr gab es erneut einen kräftigen Verlust. Doch für Fahrgäste und Mitarbeiter gibt es auch Grund zur Freude.

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In Schieflage. Die Krise hat die S-Bahn nach Angaben ihres Chefs Peter Buchner bisher rund 300 Millionen Euro gekostet. Foto: dapd
In Schieflage. Die Krise hat die S-Bahn nach Angaben ihres Chefs Peter Buchner bisher rund 300 Millionen Euro gekostet.Foto: dapd

Betrieblich fährt die S-Bahn weiter aus der Krise – finanziell steckt sie immer noch tief drin. 41,6 Millionen Euro Verlust weist die Bilanz für das vergangene Jahr aus. 2010 lag das Minus noch bei 222,2 Millionen Euro. Die Fahrgäste dagegen können sich freuen: Ab 4. Juni sollen auch wieder Züge auf der Linie S 85 (Waidmannslust–Grünau) fahren, die vor fast drei Jahren wegen des Fahrzeugmangels eingestellt worden war. Damit befährt die S-Bahn dann wieder alle Linien. Nur Verstärkerfahrten fallen auf mehreren Strecken weiter aus.

Die Verluste wegen der Krise haben sich nach Grubes Angaben inzwischen auf rund 360 Millionen Euro summiert. Und Bahnchef Rüdiger Grube steht dazu: „Es war richtig, die Probleme nachhaltig zu lösen“, sagte er am Freitag beim Umbaustart für die Werkstatt Friedrichsfelde. Hier investiert die S-Bahn weitere 15 Millionen Euro. Die nach Ausbruch der Krise im Sommer 2009 abgelöste Geschäftsführung hatte die Anlage 2006 geschlossen, um Kosten zu sparen. 2010 war sie – zunächst mit kleiner Belegschaft – wieder eröffnet worden; nun arbeiten dort rund 70 Mitarbeiter – fast so viele wie in der Werkstatt Wannsee.

Die Krise hat die S-Bahn nach Angaben ihres Chefs Peter Buchner bisher rund 300 Millionen Euro gekostet. Um rund 150 Millionen Euro habe der Senat die Zuschüsse gekürzt, weil die vereinbarte Leistung nicht erbracht werden konnte. Und weitere 150 Millionen Euro hat das Unternehmen für die gewährten Freifahrten aufgebracht. Hinzu kommen die betrieblichen Aufwendungen für das Sanierungsprogramm an den Zügen, deren Wartung von der alten Geschäftsführung vernachlässigt worden war. 106,7 Millionen Euro hat die S-Bahn im vergangenen Jahr in die Instandhaltung gesteckt, vor der Krise waren es lediglich knapp 50 Millionen Euro. Grube erwartet für nächstes Jahr wieder „schwarze Zahlen"; insgesamt ende der Verkehrsvertrag im Dezember 2017 aber mit einem Verlust für den Bahnkonzern. Trotzdem sehe er eine "gute Zukunft für das Unternehmen, sagte Grube. Strukturelle Mängel an den Fahrzeugen seien inzwischen fast alle beseitigt, sagte Buchner. Seit Anfang Mai ist, wie berichtet, auch die automatische Füllstandskontrolle des Bremssandes in den Behältern zugelassen; die aufwendige tägliche Prüfung durch Mitarbeiter ist nun entfallen. Dadurch stehen 17 Doppelwagen zusätzlich bereit.

Von 650 vorhandenen Doppelwagen konnte die S-Bahn am Freitag 502 einsetzen. Als Dank dafür spendierte Grube gestern den Mitarbeitern in Friedrichsfelde – nach Feierabend – Freibier und einen Imbiss. 529 Doppelwagen, Viertelzug genannt, braucht die S-Bahn, wenn am 4. Juni die S 85 wieder in Betrieb geht und einen Tag vorher der Verkehr am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld aufgenommen worden ist.

In diesem Jahr will die S-Bahn auf 546 einsetzbare Doppelwagen kommen – so viele waren es zuletzt im Normalbetrieb vor Ausbruch der Krise. Befürchtungen des Fahrgastverbandes Igeb, ab 2018 könnte es wieder einen Fahrzeugmangel geben, wies der S-Bahn-Chef nicht zurück. Dem Eisenbahn-Bundesamt habe man zugesagt, zu diesem Zeitpunkt die 70 Doppelwagen der Baureihe 485 aus dem Betrieb zu nehmen. Sie waren einst für die Reichsbahn entwickelt worden. Die „Biester“, wie Buchner sie nennt, machen schon heute großen Kummer. Noch immer ist die Wiederinbetriebnahme von 20 Doppelwagennicht abgeschlossen. Und die 80 Doppelwagen der Baureihe 480 könnten nur mit einem erheblichen Aufwand für ein neues Signalsystem umgebaut werden.

Neue Fahrzeuge sind nicht bestellt, weil unklar ist, wer nach 2017 den Betrieb übernimmt. „Wir haben den Kauf vorbereitet“, sagte Buchner. Jetzt warte man auf die Entscheidung des Senats.

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