Ärger am Flughafen : Schönefeld: Alles andere als easy

Hunderte Passagiere konnten am Sonnabend nicht in den Urlaub starten. Die Fluggesellschaft Easyjet strich auf mehreren Strecken Maschinen. Es soll Probleme mit dem Personal geben.

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Schneller einchecken. Wohl denen, die ihre Reise antreten können. Am Sonnabend blieben etliche Maschinen am Boden, die Passagiere verärgert zurück.
Schneller einchecken. Wohl denen, die ihre Reise antreten können. Am Sonnabend blieben etliche Maschinen am Boden, die Passagiere...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Schönefeld - Seinen Urlaub hat sich Patric Schott anders vorgestellt. Eigentlich wollte er am Sonntag mit seiner Freundin in Neapel auf ihren Geburtstag anstoßen. Stattdessen sitzt er heute stinksauer in Berlin. Schon am Freitag wollte er nach Italien fliegen, da ist die Easyjet-Maschine nicht abgehoben. Dann, am Sonnabend, wieder das gleiche Bild auf dem Flughafen Schönefeld. "Um mich herum stehen unzählige aufgebrachte Fluggäste. Keiner weiß was, keiner kann einem etwas sagen." Junge Italiener schimpfen aufgebracht, ältere Damen zücken die Taschentücher und weinen. Die Polizei muss besänftigend einwirken.

Chaos in Schönefeld, wieder einmal. Nein, diesmal ist nicht der isländische Vulkan schuld. Und auch nicht das Bodenpersonal der Flughäfen, das zuletzt für bessere Arbeitsbedingungen streikte. Die Abendschau berichtete am Sonnabend, dass nicht genügend Piloten zur Verfügung gestanden haben. Fluginsider bestätigen das. Die Fluggesellschaft Easyjet habe Probleme, die Crews für ihre Flüge zusammenzustellen, schon in den vergangenen Woche habe es immer mal eine Maschine gegeben, die nicht starten konnte.

Zum Wochenende waren gleich fünf Flugziele, Passagiere hüben wie drüben betroffen. Gestern blickten Fluggäste in Berlin, in Neapel, in Pisa und in Venedig, in Athen, in Malaga und in Nizza mit dem Kopf im Nacken vergebens auf die Anzeigetafeln. Wie der Sprecher der Berliner Flughäfen, Ralf Kunkel, bestätigte, waren mehrere hundert Fluggäste betroffen.

"Die Maschine sollte am Sonnabend um 18:50 Uhr starten", klagt Patric Schott aus Friedrichshain. Dann hieß es: verspätet, verschoben. Abflug um 19:20 Uhr. Schließlich: Der Flug ist gestrichen. "Ich bin stinksauer und traurig zugleich", sagt der 38-Jährige. Weil er ja eigentlich schon Freitag starten sollte und das auch schon nicht klappte, hatte er im nahe beim Flughafen gelegenen Hotel übernachtet. Am Sonnabend dann das gleiche Spiel. "Und Easyjet erreicht man nicht. Die Leute hier am Schalter sind ja von einer anderen Firma." Man könne höchstens beim Callcenter anrufen, eine deutsche Vertretung gebe es ja nicht. "Aber das kostet rund einen Euro pro Minute." Der Pressesprecher von Easyjet war für den Tagesspiegel nicht zu erreichen.

Aufgebracht war gestern auch Olaf Adam. Der 56-Jährige aus Wilmersdorf hatte seine Bekannte Sabine Hillebrecht zum Flughafen gebracht. Destination: Pisa. Eigentlich. Sie ist Lehrerin, versuchte noch am Flughafen verzweifelt, ihr Hotel zu erreichen, das Zimmer abzubestellen. In einer Telefonzelle, während die anderen draußen Schlange standen. "Am Sonntag sollte sie von einem Shuttle in die Toscana gebracht werden, das haben wir jetzt noch nicht erreicht", sagt Adam zwischen unzähligen Passagieren, die nach Taxis rufen, schnell noch ein Hotelzimmer in Berlin suchten. Laut Flughafen-Seelsorger Klaus Scholz aus Eichwalde bekamen die Betroffenen gestern Essensmarken.

Easyjet macht mit seinen rund 30 Destinationen derzeit rund 50 Prozent aller Flugbewegungen auf dem künftigen Großflughafen aus. Wie Flughafensprecher Kunkel sagte, gelten in einem Fall wie gestern die europäischen Fluggastrechte. Easyjet machte auf seiner Internetseite auf Kostenrückerstattung aufmerksam - und auf Gratis-Umbuchungen. Doch Olaf Adam, der noch nach Alternativen suchte, meint: "Alles voll, ausgebucht."

Wie es zu den Problemen kam, war gestern Abend nicht abschließend zu klären. Insider wissen, dass Easyjet nach Italien expandierte, viele Piloten und Flugbegleiter wechselten wegen der besseren Arbeitsbedingungen dorthin. Dann gab es Diskussionen um einen Betriebsrat. Die Arbeitstage sind lang im Cockpit. Die Arbeitszeiten würden aber auch bei einem Billigflieger streng kontrolliert, wie die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen. Die zumeist neuen A 319 würden in Schönefeld von Lufthansa-Mechanikern gecheckt, sagt Flughafensprecher Kunkel.

Noch am Sonnabend meldete sich ein anderer Tagesspiegel-Leser: Guido Lambeck, Architekt aus Charlottenburg. Er berichtete über eine Easyjet-Odyssee im April. "Crew Sickness" war die Begründung: kranke Crew. Vom Flughafen Gatwick ging es per Bus nach Luton, eine Strecke quer durch London. Sabine Hillebrecht könnte für 800 Euro mit der Lufthansa nach Pisa fliegen. "Wer zahlt das?" Und Patric Schotts erste Chance, zu seiner Freundin zu kommen, wäre am Donnerstag.

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