Verkehr : Airport-Express bleibt auf der Strecke

Neuer Großflughafen Schönefeld muss auf die Schnellbahn warten: Trasse wird erst vier Jahre später fertig

A. Conrad,K. Kurpjuweit

Neue Probleme für das Projekt Großflughafen: Wenn in Schönefeld der ausgebaute Airport Berlin-Brandenburg International (BBI) eröffnet wird, wird man auf die versprochene Schnellverbindung auf der Schiene noch jahrelang warten müssen. Die Flughafengesellschaft will den BBI-Betrieb Anfang November 2011 aufnehmen; die Bahn nennt jetzt als Fertigstellungstermin der Dresdner Bahn durch Lichtenrade, auf der der Airport-Express viertelstündlich in etwa 20 Minuten vom Hauptbahnhof bis unter das neue BBI-Terminal fahren soll, das Jahr 2015. So lange gäbe es dann auf einem der modernsten Flughäfen der Welt nur einen behelfsmäßigen Bahnanschluss.

Weil es Streit darüber gibt, wie die Gleise der Fern- und Regionalbahn durch Lichtenrade gelegt werden sollen, war das Projekt jahrelang blockiert. Anwohner und Senat wollen einen Tunnel, die Bahn plant dagegen, die Gleise ebenerdig zu legen, um Kosten zu sparen. Weil sich die Kontrahenten nicht einigen konnten, hatte der Senat jahrelang das Genehmigungsverfahren verschleppt. Der Genehmigungsbeschluss durch das Eisenbahn-Bundesamt lässt jetzt weiter auf sich warten; wahrscheinlich kommt er erst im nächsten Jahr. Sollte es dann bei der ebenerdigen Plänen bleiben, wollen Anwohner, die sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, klagen, was den Bau weiter verzögern kann.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte in der Vergangenheit immer versichert, die Dresdner Bahn werde „da“ sein, wenn der Flughafen fertig ist. Jetzt heißt es nur noch, die Gleise würden „zeitnah“ zur Eröffnung von BBI gelegt sein. Dass die Bahn den Bau weit nach hinten geschoben hat, zeigt auch ihr Finanzplan. Der Aufbau der beiden Gleise für den Fern- und Regionalverkehr neben den Anlagen der S-Bahn soll knapp 500 Millionen Euro kosten. In ihrem Bedarfsplan bis 2011 sind für die Dresdner Bahn aber lediglich 34,4 Millionen Euro vorgesehen.

Über Alternativen zur Anbindung des Flughafens auf der Schiene will der Senat aber erst nachdenken, wenn die Bahn offiziell mitteilt, wann die Dresdner Bahn fertig sein könnte. Und das kann noch dauern.

Auch die Flughafengesellschaft kalkuliert bislang mit der termingerechten Fertigstellung der Trasse des Airport-Express. „Wir gehen davon aus, dass die Bahnverbindung wie versprochen und zugesagt 2011 erfolgt“, sagte ihr Sprecher Eberhard Elie.

Ohne die Dresdner Bahn könnte der Express nicht wie geplant eingesetzt werden. Er müsste den längeren Weg durch Lichterfelde über die Anhalter Bahn nehmen. Dadurch würde sich nicht nur die Fahrzeit verlängern, sondern es müsste wohl auch der Fahrplan ausgedünnt werden, weil die Strecke ausgelastet ist. Eine zweite Alternative wäre die Fahrt wie heute über die Stadtbahn und den östlichen Außenring. Auch das würde aber die Fahrzeit verlängern. Und wegen der Umbauarbeiten am Ostkreuz wird auch die Anreise mit der S-Bahn unbequem.

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