Airportbranche : Flughafen BBI: Jobs im Anflug

Rund um den neuen Großflughafen BBI ist wenig von der Krise zu spüren. Das Geld reicht sogar für den Bau eines neuen S-Bahnhofes. Aber nicht nur das, so rechnen die Betreiber vor: Seit 2006 seien in der Airportbranche der Region durchschnittlich zwei Arbeitsplätze am Tag entstanden.

Klaus Kurpjuweit,Claus-Dieter Steyer
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Buddeln fürs Fliegen. Die Flughafenbranche sichert in der Region rund 18 000 Arbeitsplätze. Foto: ddp

Die Wirtschafts- und Finanzkrise macht rund um den Flugverkehr in Berlin und die Großbaustelle für den Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld offenbar einen großen Bogen. „Wir spüren keinerlei Zurückhaltung von Investoren“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, Udo Haase. Und die Flughafengesellschaft meldet, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Schönefeld und Tegel seit 2006 um 2266 auf 17 785 gestiegen ist – durchschnittlich 2,25 pro Tag. Eine aktualisierte Prognose der Universität Köln bescheinigt zudem, dass ihre Vorhersage von 2005, wonach durch den BBI insgesamt rund 73 000 Arbeitsplätze entstehen können, wahrscheinlich übertroffen wird. Enthalten sind hier aber auch die Stellen, die in Tegel wegfallen.

„Wenn ich aus meinem Bürofenster schaue, sehe ich nur Bagger und Kräne“, sagt Haase. Ein Klotz wachse neben dem anderen buchstäblich aus der Erde – Gewerbehallen, ein Umspannwerk, Bürogebäude und Wohnhäuser. „Wir haben inzwischen mehr Arbeitsplätze als Einwohner“, sagt der Bürgermeister zufrieden. 13 500 Menschen sind in Schönefeld gemeldet, 8500 mehr als vor der Wende. In den nächsten 15 bis 20 Jahren soll die Zahl auf 35 000 steigen. Die Neu-Schönefelder ziehen teilweise in unmittelbare Nähe der Start- und Landebahnen. Im Unterschied zu den entfernt gelegenen An- und Abflugsschneisen sind die Lärmbelastungen hier geringer.

Als „untrügliches Zeichen“ für den wachsenden Wohlstand dank des Flughafens wertet der Bürgermeister die Grundsteinlegung für eine Schwimmhalle Mitte Juni. Rund sechs Millionen Euro lässt sich die Gemeinde das Schmuckstück kosten, wovon die meisten anderen Brandenburger Kommunen wegen ihrer angespannten Haushaltslage nicht einmal träumen dürfen.

1700 Firmen bringen Gewerbesteuern in die Kasse. Etwa 80 Prozent der rund zwei Milliarden Euro umfassenden Bauaufträge für den Großflughafen gehen an Unternehmen aus der Region.

Auch mit dem Bau eines S-Bahnhofes auf eigene Kosten fällt Schönefeld aus dem Rahmen. Die Station entsteht im Ortsteil Waßmannsdorf entlang der acht Kilometer langen Neubaustrecke vom derzeitigen Endpunkt im Bahnhof Schönefeld bis zum unterirdischen Bahnsteig im Flughafenterminal. Er soll bei der Vermarktung der dortigen Gewerbegebiete mit rund 450 Jobs helfen und eine gute Anbindung zur künftigen Austragungsstätte der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) garantieren. Kosten von 3,7 Millionen Euro kommen dabei auf die Gemeinde zu.

Auch für den Vorstandsvorsitzenden der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Klaus-Dieter Licht, ist die Anziehungskraft des Großflughafens für Investoren im Flughafenumfeld ungebrochen. Seit der Baugenehmigung im März 2006 habe die ILB in der Flughafenumgebung bereits für 338 gewerbliche Projekte Förderzuschüsse in Höhe von 99 Millionen Euro zugesagt. Damit seien Investitionen in Höhe von 366 Millionen Euro sowie fast 1500 neue Arbeitsplätze verbunden. „Seit dem Zeitpunkt der letzten Erhebung im August 2008 – noch vor der derzeitigen Krise – habe die Brandenburger Wirtschaft bis heute 100 Projekte mit Investitionen von knapp 160 Millionen Euro zugesagt“, sagt Licht. Allein das ILB-Produkt „Brandenburg-Kredit für den Mittelstand“ sei in den vergangenen drei Jahren für 57 Projekte am neuen Flughafen mit Investitionen von 41 Millionen Euro angenommen worden.

Die Erwartungen würden sich aber nur erfüllen, wenn außerhalb der Kernruhezeit von 0 Uhr bis 5 Uhr auch nachts Flugverkehr möglich sei, vor allem zwischen 22 Uhr und 24 Uhr, sagt Herbert Baum von der Universität Köln, der die wirtschaftlichen Effekte des neuen Flughafens berechnet hat. Komme es zu einem ausgedehnten Nachtflugverbot, könnten bis zu 20 000 der vorhergesagten 73 000 Arbeitsplätze verloren gehen.

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