Ausbau : Spandau will S-Bahnstrecke mindestens bis zur Stadtgrenze

Seit zehn Jahren rollen die Züge zur Altstadt Spandau. Die Trasse soll verlängert werden Es gibt aber Streit: Der Senat fordert eine kurze Linie, der Bezirk bis ins Umland

Klaus Kurpjuweit
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Vor zehn Jahren, am 30. Dezember 1998, ist die S-Bahn nach Spandau zurückgekehrt und nach Ansicht der Verantwortlichen ein Erfolgsmodell geworden. Bei einer möglichen Verlängerung der Gleise gen Westen soll es nach dem Willen des Bezirksamts aber keine „halbe Lösung“ geben. Der neu zu bauende S-Bahnhof Hackbuschstraße dürfe auf keinen Fall zur Endstation werden, sagte Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). „Entweder es wird wenigstens bis Albrechtshof gebaut – oder gar nicht.“

Ziel bleibe es aber, die S-Bahn bis Falkensee oder noch weiter zu verlängern. Vorgesehen ist, neben den bestehenden Fernbahngleisen ein weiteres für die S-Bahn zu bauen. Dann würde es auch Lärmschutzwände für die Anwohner an der Strecke geben, hofft Röding.

Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung hat, wie berichtet, ergeben, dass eine Verlängerung der Gleise mit den neuen Stationen Nauener Straße und Hackbuschstraße auf Spandauer Gebiet doppelt so wirtschaftlich wäre wie bei einem Bau bis Falkensee. Auf Brandenburger Gebiet würden nach der Untersuchung Fahrgäste aufs Auto umsteigen, weil es nach dem Bau der S-Bahn weniger Verbindungen mit schnellen Regionalzügen geben würde. Deshalb wird jetzt beim Senat erwogen, zunächst nur den besonders wirtschaftlichen Abschnitt bis zur Hackbuschstraße zu bauen.

Dagegen wehrt sich aber das Bezirksamt. Für einen Endbahnhof sei die Station Hackbuschstraße der „denkbar ungeeignetste“ Standort, sagte Röding. In der denkmalgeschützten Gartenstadt gebe es keinen Platz für die Autos von Pendlern, die dort in die S-Bahn umsteigen würden. Die Gleise sollten deshalb mindestens bis zum Bahnhof Albrechtshof an der Stadtgrenze gebaut werden.

Die Verlängerung der S-Bahn, die auch von der Geschäftsleitung gewünscht wird, ist vor allem in Brandenburg umstritten. Dort gibt es eine Initiative, die das vollständige Angebot im Regionalverkehr erhalten will, weil dort die Züge durch die nur wenigen Halte das Zentrum schneller erreichen als die S-Bahn.

Spandau habe vom Wiederaufbau der S-Bahn vor zehn Jahren jedenfalls profitiert, ist Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) überzeugt. 75 Millionen Fahrgäste seien seither auf dem Abschnitt Westkreuz–Spandau, der schrittweise wieder in den Betrieb genommen worden war, mit der S-Bahn gefahren, sagte Technik-Geschäftsführer Ulrich Thon.

Am Bahnhof Spandau stiegen täglich bis zu 20 000 Fahrgäste aus oder in die Züge der Bahn – trotz den auch dort haltenden Zügen des Regionalverkehrs und der 1984 eröffneten U-Bahn-Linie U7. Die S-Bahn ist nach Rödings Ansicht verlässlicher als die Regionalbahn, die sich auf den dicht befahrenen Gleisen oft verspäte.

Im Bezirksamt hofft man aber nicht nur, dass die Bahn eines Tages auch aus Spandau ins Umland fährt, wie es im Norden, Osten und Süden der Stadt üblich ist. Auch den von der Bahn abgelehnten Einbau einer großen Uhr am Bahnhof neben dem Rathaus und den Bau eines überdachten Weges zwischen dem Bahnhof und dem Eingang zur U-Bahn hat man noch nicht aufgegeben.

Sollte die Bahn irgendwann einmal Flächen verkaufen wolle, die sie nicht mehr für den Bahnbetrieb brauche, werde man sich im Rathaus bei den städtebaulichen Verträgen mit der Bahn daran „erinnern“, dass deren Versprechungen am Bahnhof bisher nicht umgesetzt worden seien, sagte Röding. Und dann könne es vielleicht doch noch eine Uhr und ein Dach geben.

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