Bauarbeiten der Bahn : Streckensanierung bremst Züge nach Hannover aus

Die Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Hannover muss grundlegend saniert werden - der ICE braucht deshalb 40 Minuten länger. Auch im Nah- und Regionalverkehr geht die Buddelei weiter.

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Bitte zügig. Mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert die Bahn in ihr Streckennetz in der Region. Ein Großteil wird für die Sanierung der Gleise ausgegeben.
Bitte zügig. Mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert die Bahn in ihr Streckennetz in der Region. Ein Großteil wird für die...Foto: Peters

Berlin – Zwölf Jahre haben die Gleise gehalten – jetzt muss die im Herbst 1998 eröffnete Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Hannover grundlegend erneuert werden. Gut vier Monate werden die ICE-Züge rund 40 Minuten länger unterwegs sein, beim IC nach Amsterdam verlängert sich die Fahrzeit vorübergehend sogar um eine Stunde. Insgesamt will die Bahn rund 465 Millionen Euro in das Schienennetz von Berlin und Brandenburg stecken; weitere 105 Millionen Euro sind für die Sanierung oder den Umbau von Bahnhöfen vorgesehen.

BERLIN–HANNOVER

Die Arbeiten sollen am 11. April beginnen und bis zum 27. August dauern. Ausgetauscht werden nach Angaben des Berliner Bahnchefs Ingulf Leuschel 186 Kilometer Schiene, 130 000 Schwellen, 112 000 Tonnen Schotter sowie 32 Weichen. Auch die als besonders stabil gepriesene sogenannte Feste Fahrbahn, bei der die Schienen auf einer Betonschicht liegen, muss teilweise erneuert werden. Zudem ist der Neubau von Lärmschutzwänden vorgesehen. Gebaut wird jeweils an einem Gleis; auf dem anderen fahren die Züge mit reduzierter Geschwindigkeit.

Um im Verkehrsknoten Hannover wieder planmäßig ankommen und abfahren zu können, starten die ICEs nach Köln und Frankfurt (Main)/München in Berlin jeweils 40 Minuten früher als bisher, umgekehrt kommen sie 40 Minuten später hier an. Die ICs nach Amsterdam fahren entweder über Braunschweig, was die Fahrzeit um eine halbe Stunde verlängert oder über Magdeburg, was eine Stunde länger dauert.

Die längeren Fahrzeiten will die Bahn mit zusätzlichem Service wettmachen – mit Gratiszeitungen, kleinen Leckereien und mehr Personal.

BERLIN–COTTBUS

Hier verlängern sich die Bauarbeiten, wie berichtet, um sechs Wochen, weil Diebe an 57 Stellen Kupferkabel entwendet haben, was die Bahn erst vor drei Wochen bemerkt hatte. Da die Strecke zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau wegen der Bauarbeiten seit Mai 2010 außer Betrieb ist, war der Diebstahl zunächst nicht aufgefallen. Jetzt sollen hier vom 12. Juni an wieder Züge fahren.

CHARLOTTENBURG–WANNSEE

Der Abschnitt durch den Grunewald wird im Dezember für ein Jahr im Regionalverkehr gesperrt. Die Regionalexpress-Züge RE 1von Magdeburg nach Eisenhüttenstadt fahren dann über Golm und Spandau. Züge von Brandenburg (Havel) fahren bis Wannsee und zurück, nach Frankfurt (Oder) geht es von Charlottenburg aus. Auch die RE 7 (Dessau–Wünsdorf Waldstadt wird geteilt und fährt zwischen Dessau und Wannsee sowie Charlottenburg und Wünsdorf Waldstadt. Zudem soll die Linie RB 21 von Griebnitzsee in der Hauptverkehrszeit nicht nach Wustermark fahren, sondern bis zum Hauptbahnhof in Berlin verlängert werden. Die S-Bahn hat nach Leuschels Angaben zugesichert, in dieser Zeit alle zehn Minuten mit Acht-Wagen- Zügen nach Potsdam zu fahren.

S-BAHN

Größte Baustelle im Netz bleibt der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz. Derzeit wird der Bau der Halle für die Ringbahn vorbereitet. Sobald in ihr Züge halten werden, bekommt auch der benachbarte Regionalbahnsteig ein Dach, was ursprünglich nicht vorgesehen war. Der Bau wird nachträglich mit dem Geld finanziert, das der Senat der S-Bahn bei den Zuschüssen gekürzt hat.

Bis 2017 soll die S-Bahn auch ein neues Signalsystem erhalten, das den Betrieb sicherer macht. Begonnen wird im Nordabschnitt der S 1 im Bereich Frohnau, wo auch ein neues elektronisches Stellwerk entsteht. Vom 30. September bis 24. Oktober fahren deshalb keine Züge zwischen Wittenau und Schönholz; Fahrgäste müssen in Busse oder in Züge der U-Bahn-Linie U 8 umsteigen. An neuen Stellwerken wird auch auf dem Ostring und dem Abzweig zum Flughafen Schönefeld gebaut, was vorwiegend an Wochenenden zu Pendelverkehr oder Ersatz mit Bussen führen wird.

Weiter geht auch das Neubauprogramm für Brücken und der Umbau von Bahnhöfen; wie in Baumschulenweg, Schöneweide oder Wildau. Auch die Arbeiten zur S-Bahn-Verbindung S 21 vom Nordring zum Hauptbahnhof beginnen.

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