BBI : Alles auf Start bei den Flugrouten

Die von der Deutschen Flugsicherung vor kurzem vorgeschlagenen Routen für den neuen Flughafen in Schönefeld sind vom Tisch. Wie geht es nun weiter?

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Die Proteste haben gewirkt. Die von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgeschlagenen Routen für den neuen Flughafen in Schönefeld werden nicht kommen. Jetzt wird neu geplant – auf Basis der ursprünglichen Vorgaben.

Wer wird nun vom Krach am Himmel verschont?

Wenn auf der Basis der alten Planungen, die einen Geradeausflug nach dem Start vorsehen, die künftigen Routen festgelegt werden, bleiben im Westen Nord-Mahlow, Lichtenrade, Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf und auch Wannsee vom extremen Krach verschont. Im Osten gäbe es keine Flüge über Zeuthen. Die startenden Maschinen können aber trotzdem noch zu hören sein. Für Fachleute würde dies dann eine Belästigung, aber keine Belastung darstellen.

Wer bekommt stattdessen den Lärm ab?

Voll in den Flugschneisen liegen vor allem die Bewohner von Blankenfelde- Mahlow im Westen. Im Osten überfliegen die Maschinen den nördlichen Teil von Eichwalde, den südlichen Bereich von Bohnsdorf sowie Müggelheim, wo die bisherige Lärmschutzzone endet. Ein Überfliegen von Blankenfelde-Mahlow hatte die Flugsicherung bisher als „unzumutbar“ bezeichnet.

Sind erneut Änderungen an der Planung möglich?

Ja. Die Flughafenplaner hatten die ihrer Ansicht nach im Flughafenbereich größte denkbare Belastung für die Bevölkerung angenommen und den Lärmschutz darauf ausgerichtet. Routen können jetzt aber so modifiziert werden, dass weniger Menschen belastet werden, als ursprünglich angenommen. So ist es durchaus möglich, dass Flugzeuge beim Start von der südlichen Bahn Blankenfelde umfliegen, was die Flugsicherung bisher im Süden und Norden vorgesehen hatte.

Wo gibt es noch Probleme?

Während im Westen wenigstens ein Teil von Blankenfelde umkurvt werden könnte, ist eine ähnliche Lösung im Osten schwieriger. Ein Geradeausflug nach dem Start, wie es im Genehmigungsverfahren für den Flughafen vorgesehen war, ist nach internationalen Vorgaben nicht möglich, wenn beide Startbahnen unabhängig voneinander betrieben werden sollen. Genau das fordert der Flughafen. Damit Flugzeuge sich bei einem zeitgleichen Start nicht gegenseitig gefährden, müssen sie nach dem Abheben bei diesem sogenannten unabhängigen Betrieb sofort um mindestens 15 Grad voneinander abknicken. Dann würden sie über Zeuthen fliegen müssen, falls es nicht möglich ist, sie noch vor dem dicht bebauten Siedlungsgebiet abbiegen zu lassen. Ob dieser Vorschlag verwirklicht werden kann, wird noch geprüft.

Braucht der Flughafen parallele Starts?

Während Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) überzeugt ist, dass es zumindest vorläufig dafür keinen Bedarf gibt und deshalb nach den ursprünglich vorgesehenen Plänen nach dem Start geradeaus geflogen werden könne, gibt es nach Angaben der Flughafengesellschaft den Prognosen zufolge bereits bei der Eröffnung des Flughafens zwei oder drei Spitzenzeiten, in denen parallele Starts erforderlich sind.

Rechtfertigt sich dadurch die Belastung der Bevölkerung?

Nach derzeitigem Stand sind unabhängige Starts, die zwischen den Fluglotsen nicht abgestimmt werden müssen, zumindest in den ersten Betriebsjahren nur jeweils vielleicht zehn Minuten am Tag erforderlich. In der übrigen Zeit könnte dann geradeaus geflogen werden. Fachleute verweisen darauf, dass es durchaus möglich ist, für jede Betriebssituation exakt vorgegebene Routen festzulegen. Auch für die Nacht. Dies bedeutet aber mehr Arbeit für die Lotsen, die seit Jahren unter einem Personalmangel leiden und auch deshalb Lösungen suchen, die sie möglichst wenig belasten.

Was passiert jetzt als Nächstes?

Am 8. November tagt die Lärmschutzkommission, in die jetzt auch Berliner Bezirke und weitere Brandenburger Kommunen, die bei den Plänen der Flugsicherung ebenfalls betroffen gewesen wären, aufgenommen worden sind. Maximal wird die Kommission damit 34 Mitglieder haben; bisher waren es 17. Die Kommission kann keine Entscheidungen treffen, aber Vorschläge machen.

Gefährdet das Zurückdrehen der Pläne den Terminplan?

Dies ist unwahrscheinlich. Die Flugsicherung hatte ihren Terminplan so aufgestellt, dass es Zeit gibt, Änderungen bei den Routen einzuarbeiten. Und intern war die Flugsicherung dem Vernehmen nach bereits darauf vorbereitet, dass die Kommission den bisherigen Routenvorschlag ablehnen wird. Endgültig festgelegt werden die Routen vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, das direkt dem Bundesverkehrsminister untersteht.

Gehen die Proteste jetzt zu Ende?

Nein. Die meisten der nach eigenen Angaben mehr als 30 Initiativen gegen die bisherigen Routen wollen zumindest so lange weiter demonstrieren und Druck auf die Politik machen, bis verbindlich feststeht, dass die Flugsicherung ihren Vorschlag zurücknimmt. Erst wenn schriftlich zugesichert werde, dass die Politik alles daransetze, die neuen Routen nicht über bewohnte Gebiete zu führen, die dafür im Planfeststellungsbeschluss nicht aufgeführt waren, werde man die Proteste aussetzen, sagt Matthias Schubert von der Initiative in Kleinmachnow. Auflösen werden sich die Initiativen jedenfalls nicht. Man könne nicht wissen, was noch komme, zeigte sich Schubert skeptisch. Schließlich habe man sich auch nicht auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts verlassen können, in dem von Flügen über den südlichen Kommunen keine Rede gewesen sei.

Wie reagieren die jetzt weiter vom Krach Betroffenen?

Der Bürgerverein Brandenburg-Berlin, der sich von Anfang an gegen den Standort Schönefeld gewehrt hat, werde auf jeden Fall gegen die Routen klagen. Das kündigte der Ehrenvorsitzende Ferdi Breidbach an. Die jetzige Entscheidung habe er so erwartet.

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