BBI-Anbindung : Zum neuen Flughafen? Bitte umsteigen

Wenn der BBI in Schönefeld öffnet, gibt es für Berliner und Brandenburger nur wenige Direktverbindungen.

Klaus Kurpjuweit
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Schönefeld - Die Bahn kommt. Im Juli übergibt die Flughafengesellschaft den von ihr errichteten Rohbau des Bahnhofs am Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) an die Bahn. Sie setzt dann den Innenausbau der Station fort, die mit der Eröffnung von BBI Anfang November 2011 in Betrieb gehen soll. Die Bahn ist auch optimistisch, bis dahin mit dem östlichen Bahnanschluss fertig zu werden. 636 Millionen Euro werden nach derzeitigem Stand allein die Bahnbauten kosten. Doch die meisten Brandenburger – und auch mehr Berliner als heute – werden den Superbahnhof unter dem neuen Terminal nur erreichen, wenn sie umsteigen. Direktverbindungen sind rar.

Aus dem Zentrum Berlins wird der Flughafen im Endausbau per Bahn direkt und schnell nur mit dem Airport-Express erreichbar sein, der alle 15 Minuten vom Hauptbahnhof über Potsdamer Platz und Südkreuz zum Flughafen fahren soll – bei einer Fahrzeit von maximal 20 Minuten. Voraussetzung ist allerdings der Ausbau der Dresdner Bahn durch Lichtenrade, für den es keinen Termin gibt. Vor 2015 wird hier kein Airport-Express entlang- rauschen. Die Fahrt soll nach derzeitigen Plänen knapp 10 Euro kosten, um ohne öffentliche Zuschüsse auszukommen.

Wer’s billiger haben will, kann im Zentrum nur auf die langsamere S-Bahn ausweichen, die ebenfalls im neuen Flughafenbahnhof halten wird. Die heutigen Regionalbahnen über die Stadtbahn zum Flughafen wird es im Endausbau nicht mehr geben.

Regionalbahnen zum üblichen Tarif fahren aus Potsdam und Königs Wusterhausen zum BBI. Vom Hauptbahnhof in Potsdam geht es dabei zunächst Richtung Westen bis Golm, von dort fahren die Züge dann wieder nach Osten zum Flughafen. Einen anderen Verkehr lassen die Gleisanlagen nicht zu.

Neu ist eine Direktverbindung von Eberswalde über Berlin-Lichtenberg und Berlin-Ostkreuz zum Flughafen und weiter nach Wünsdorf Waldstadt. Um so fahren zu können, müssen die derzeitigen Arbeiten an der Strecke in Berlin sowie an der Ostanbindung des Flughafens fertig sein. Beide Regionalbahnen werden nur stündlich fahren.

Aus allen anderen Bereichen des Landes erreichen die Passagiere den Flughafen per Bahn nur nach einem Umsteigen. Der Vorschlag des Fahrgastverbandes Igeb, auf den Airport-Express zu verzichten und stattdessen mehrere Regionallinien umsteigefrei aus dem Umland über den Flughafen zu führen, ist nicht aufgegriffen worden. So müssen auch Fluggäste aus dem Raum Cottbus in Königs Wusterhausen umsteigen und auf einen guten Anschluss hoffen.

Ob Fernzüge hier Direktverbindungen schaffen, ist ungewiss. Die Bahn hat hierfür noch kein Betriebsprogramm vorgestellt. Der Senat in Berlin will zwar, dass zumindest die ICEs, die in Berlin enden, bis zum Flughafen verlängert werden. Doch hier ziert sich die Bahn, weil sie für diese Verbindung derzeit kein ausreichendes Fahrgastpotenzial sieht.

Besser als auf der Schiene dürfte der Flughafen für viele Brandenburger auf der Straße zu erreichen sein. Die direkte Abfahrt an der neuen A 113 soll 2010 fertig sein, die meisten Bundesstraßen wie die B 96 und die B 96a sind bereits ausgebaut. Auch der Berliner Ring ist zum größten Teil schon auf je drei Fahrspuren erweitert.

Ob die Flughafengesellschaft ihr Ziel erreicht, nach dem rund die Hälfte der Passagiere und Mitarbeiter mit der umweltfreundlichen Bahn zum Flughafen fahren, ist deshalb ungewiss. Fest steht allerdings, dass die Bahnbauten sehr teuer werden.

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