BBI : Flughafen-Manager wussten schon lange von Routenplänen

Mehrere Anwohner erwägen eine Klage gegen den Großflughafen BBI: Bereits bei der Planung der Flugrouten soll getrickst worden sein - vom ehemaligen Flughafenchef. Dieser kann sich nicht erinnern.

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Die Flugrouten für den neuen Airport BBI sind umstritten.
Die Flugrouten für den neuen Airport BBI sind umstritten.Foto: dpa

Haben die Flughafengesellschaft und die Politik bei der Routenplanung für den neuen Flughafen in Schönefeld Betroffene und das Bundesverwaltungsgericht bewusst getäuscht? Vier Einwohner aus Lichtenrade, Stahnsdorf, Teltow und Zeuthen sind davon überzeugt und wollen jetzt gerichtlich den 2006 vom Bundesverwaltungsgericht für gültig erklärten Planfeststellungsbeschuss zum Ausbau Schönefelds anfechten.

Dabei beziehen sie sich auf ein Schreiben des damaligen Flughafenchefs Götz Herberg aus dem Jahr 1998 an das Bundesverkehrsministerium, worin Herberg bittet, doch bei den alten Routen zu bleiben, die einen Geradeausflug nach dem Start vorsahen. Zuvor hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) schriftlich darauf hingewiesen, dass Maschinen, die gleichzeitig von beiden Startbahnen abheben, sofort um mindestens 15 Grad voneinander abknicken müssen. Unmittelbar nachdem die DFS Anfang September nun ein Konzept mit abknickenden Routen vorgelegt hatte, erklärte die Flughafengesellschaft noch, sie sei davon überrascht worden.

Herberg, der die Flughafengesellschaft Ende 2002 verlassen hat, kann sich an das Schreiben nicht erinnern, wie er dem Tagesspiegel sagte. Flughafensprecher Ralf Kunkel erklärte, „es macht keinen Sinn, einzelne Schreiben von vor x Jahren zu längst ausdiskutierten Sachverhalten zu kommentieren“. Begründet wird das damalige Schreiben intern damit, dass Änderungen an den Routenführungen das Planfeststellungsverfahren verzögert hätten. 1998 war man aber unter Zeitdruck, weil das Verkehrswege-Beschleunigungsgesetz, das juristische Verfahren auf eine Instanz begrenzte, auslaufen sollte. Es wurde dann aber doch verlängert. Die geradeaus führenden Starts blieben jedenfalls bis zuletzt in den Planfeststellungsunterlagen. Rechtlich verbindlich werden die Routen im Genehmigungsverfahren für den Flughafen allerdings nicht festgelegt. Und das Verkehrsministerium habe auch nach dem Schreiben keinen Einfluss auf die Routenplanung genommen, sagte Sprecher Sebastian Rudolph.

Ein Abknicken der Startrouten um mindestens 15 Grad, wie es internationale Vorgaben festsetzen, hätte weniger Betroffene mit Lärm belastet als bei Geradeausstarts, argumentieren die Planer heute. Bewusst habe man aber in der Planungsphase die größtmögliche Belastung gewählt, um spätere „Optimierungen“ vornehmen zu können. Dies habe die Flugsicherung auch lange akzeptiert. Erst in einem Schreiben vom Februar 2010 teilte die DFS dann mit, dass sich ihr Standpunkt in den letzten Wochen „leider“ verändert habe, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Ihre Routenvorschläge, die zum Teil ein Abknicken um insgesamt mehr als 40 Grad vorsehen, legte die Flugsicherung erst am 6. September vor.

Welchen Orte die Flugzeuge heute nach dem Start in Schönefeld überfliegen, hat das Brandenburger Infrastrukturministerium jetzt veröffentlicht. Eine solche Liste soll es auch noch für Tegel geben. Zudem soll die Flugsicherung solche Daten für den künftigen Flughafen prognostizieren.

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