BBI-Flugrouten : 10.000 unterschreiben aus Wut über möglichen Fluglärm

Im brandenburgischen Teltow brodelt es. Die überraschend geänderten Flugrouten des künftigen Hauptstadtflughafens BBI aktivieren die Bürger.

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Teltow - Drei Stunden lang nahmen Fluglärmgegner den Brandenburger Verkehrsstaatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) in die Mangel. „Betrug!“, schimpften sie im Teltower Rathaus. Und: „Verbrecher!“ Oder: „Wir wurden hier zwölf Jahre lang verarscht!“ In der vor vier Wochen von den BBI-Flugrouten überraschten Region brodelt es. Etwa 400 Protestler kamen ins Rathaus, um ihrem Unmut Luft zu machen. Und nicht nur dort ist der Ärger groß: Mehr als 10 000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“ nach eigenen Angaben gesammelt; am 21. Oktober seien in Kleinmachnow und am 24. Oktober in Teltow weitere Proteste geplant.

Staatssekretär Bretschneider wird eine Schlüsselrolle im Planfeststellungsverfahren für den Flughafen zugeschrieben: Bürger warfen ihm bei der Veranstaltung in Teltow vor, die Region über die neuen Flugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen getäuscht zu haben. Im Gegensatz zu den bisher aus den Planfeststellungsbeschlüssen bekannten Routen müssen Einwohner demnach mit stärkerem Luftverkehr und mehr Lärm rechnen. Statt an Teltow vorbei sollen die Flugzeug über die Stadt und ihre Nachbarkommunen Richtung Wannsee hinwegdonnern.

Vor einigen Wochen hatte Bretschneider zugegeben, 1998 – während des Planfeststellungsverfahrens – von der Flugsicherung über nötige Routenänderungen informiert worden zu sein. Damals hätte man nicht wissen können, dass die Routen über Teltow verlaufen, sagte Bretschneider und wies daraufhin, dass die endgültigen Luftkorridore erst kurz vor Flughafeneröffnung feststünden. Deshalb sei jetzt die Flugsicherung gefragt, die derzeit an zwei bis drei neuen Flugrouten-Varianten arbeitet. Diese sollen in der Fluglärmkommission mit den Kommunen abgestimmt werden.

„Ich will ihnen nichts verheimlichen“, sagte Bretschneider dem wütenden Publikum und stellte klar: Die Teltower werden keinen Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen haben. Die Flugzeuge würden allerdings auch nicht wie an einer „Perlenschnur“ immer über dieselben Häuser fliegen. Die Flugkorridore seien zwei Kilometer breit. Tobias Reichelt

Die Bürgeriniative im Netz unter

www.kfberlin.de

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