BBI-Flurouten : Lärm-o-mat mit Macken

Am Flughafen Schönefeld kann man in einem Automaten die Lärmbelästigung durch den neuen Großflughafen BBI testen. Unser Autor Stefan Jacobs hat das gemacht und festgestellt: Die Routen sind nicht auf dem neuesten Stand.

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Hörprobe im Simulator.
Hörprobe im Simulator.Foto: Stefan Jacobs

Das Kabuff in der „Airportworld BBI“ am Flughafen Schönefeld erinnert an eine Kreuzung aus Telefonzelle und Bushaltestelle. Darin zwei Stühle, zwei Lautsprecherboxen, allerlei Wandkarten und ein Bildschirm zum Antippen, über dem steht: „Wie laut kann es auf meinem Grundstück werden?“ Diese Frage bewegt bekanntlich hunderttausende Süd- und Randberliner zwischen Wannsee und Dahme, seit durchgesickert ist, dass die Flugsicherung die Jets gleich nach dem Start in Richtung Stadt abbiegen lassen will.

Wie laut wird es also in, sagen wir, Teltow, wo erst am Sonntag 3000 Menschen gegen Fluglärm demonstriert haben? „Energieäquivalenter Dauerschallpegel unter 55 dB“, zeigt der Bildschirm, und die Lautsprecher bleiben stumm. Nicht der Rede wert, soll das offenbar bedeuten. Zehlendorf, Kleinmachnow und Stahnsdorf sind nicht einmal mehr auf der Karte drauf.

Für Lichtenrade, das nach dem neuen Stand der Dinge arg getroffen wird, zeigt der Bildschirm tagsüber 63 Dezibel. Dazu rauscht akustisch ein Flugzeug von links nach rechts durch die Kabine. Gerade noch leise genug, um ein normales Gespräch nicht zu unterbrechen. Der Haken ist nur: Die Prognose hätte sich mit den neuen Flugrouten erledigt. Lichtenrade würde eher dem laut der alten Planung besonders gebeutelten Mahlow ähneln: 76 Dezibel. Da unterhält man sich nicht mehr, sondern zieht die Stirn oder sogar die Nase in Falten. Beim Umschalten des Simulators von „Überflug“ auf „Start“ wird der Lärm subjektiv noch unangenehmer, weil das Flugzeug dann eher heult als rauscht.

Die furchteinflößenden Flugroutenpfeile aus den Zeitungsgrafiken haben es noch nicht bis in die „Airportworld“ geschafft. Sowohl am Simulator als auch online finden sich nur die überholten Karten mit ihren schnurgeraden An- und Abfluglinien, die nur Köpenick und das südöstliche Berliner Umland verlärmen. Die alte Planung sei bisher die einzig rechtsverbindliche, erklärt ein Flughafensprecher, die neuen Routen „nur ein Vorschlag“. Ob und wie man darauf hinweisen sollte, überlege man.

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