BBI : Großflughafen wird noch größer – und teurer

Öffentlich-rechtliche Banken finanzieren BBI in Schönefeld mit 2,5 Milliarden Euro. Die Kapazität wird auf 27 Millionen Passagiere erhöht.

Ralf Schönball
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Im Plan – der BBI-Airport soll im Herbst 2011 in Betrieb gehen. Foto: dpa

Größer und teurer als ursprünglich geplant wird der Airport Berlin Brandenburg International (BBI), aber die Finanzierung steht nun endlich. Acht Banken werden eine Summe von 2,4 Milliarden Euro für das „größte Europäische Infrastrukturprogramm“ in Schönefeld zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um öffentlich-rechtliche Geldhäuser oder Förderbanken. Der größte Teil der Summe, eine Milliarde Euro, kommt von der Europäischen Investitionsbank.

„Wir haben das Go von Europa für die Finanzierung“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der die Finanzierungsgenehmigung bei der Europäischen Union beantragt und innerhalb von nur einem Monat erwirkt hatte, nannte die Bereitstellung des Kapitals einen „Meilenstein“ für die Realisierung des Airports. Und Rainer Schwarz, Chef der Berliner Flughäfen, sagte: „Das Experiment, einen Flughafen ohne fremdes Kapital zu bauen, ist damit nach 1000 Tagen beendet.“

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Das Experiment wird allerdings auch teurer, als in der Öffentlichkeit bisher bekannt: Das Investitionsvolumen steigt von 2,2 auf 2,5 Milliarden Euro. Unter anderem werden die Flugbetriebsflächen und das Pier Süd erweitert. Flughafenchef Rainer Schwarz erklärte den zusätzlichen Aufwand mit der Erhöhung der BBI-Kapazität: Bis zu 27 Millionen Passagiere pro Jahr soll der Airport befördern können, der damit von Platz 15 in der europäischen Flughafenrangliste „in die Top Ten“ aufsteigen soll.

Die Erleichterung bei den Gesellschaftern des BBI-Airports – Bund, Berlin und Brandenburg – ist deshalb so groß, weil infolge der internationalen Finanzkrise fast alle Geschäftsbanken als Finanziers für die auf zehn bis 25 Jahre laufenden Kreditverträge ausgefallen waren. Dabei bürgen Bund und Länder in voller Höhe für das ganze Kapital. Wowereit sprach von einer „risikolosen Finanzierung“. Für diese Bürgschaft soll die Flughafengesellschaft ein „Entgelt“ bezahlen. Die beiden Länder und der Bund bringen außerdem 430 Millionen Euro eigenes Kapital in die Gesellschaft ein. Ein drittes Standbein der Finanzierung ist der eigene Anteil der Flughafengesellschaft, die sich selbst mit 440 Millionen Euro bis zum Jahr 2011 an dem Neubau beteiligt.

„Das Hochleistungs-Luftdrehkreuz im Osten ist Basis für die Internationalisierung der Region“, sagte Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Der Bau des Airports sei an sich ein „Konjunkturprogramm“, weil zahlreiche Bauaufträge an regionale Firmen gingen: In keiner anderen deutschen Gemeinde sei die Gewerbesteuer in den vergangenen Jahren so stark gestiegen wie in Schönefeld. Die Investitionsbank von Brandenburg beteiligt sich wie die Investitionsbank Berlins mit Krediten an der Finanzierung des Projektes.

Im November 2011, zum „Winterflugplan“, sollen die ersten Flieger vom BBI abheben. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee gibt dem Schönefelder Airport eine „herausragende Rolle“ im Flughafenkonzept der Bundesregierung. Bisher dominieren die Flughäfen in München und Frankfurt am Main den deutschen Luftverkehr. Diese Kräfteverhältnisse könnten sich verschieben, da BBI auch „interkontinentale Verbindungen“ stärker bedienen soll.  

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