BBI : Ryanair will nicht mehr in Schönefeld landen

Der irische Billigflieger Ryanair will weg aus Schönefeld und setzt auf den bisherigen Verkehrslandeplatz Eberswalde-Finow. Dessen Betreibergesellschaft, die Tower Finow GmbH, klagt vor dem Verwaltungsgericht und bei der EU-Kommission gegen die Ablehnung des für eine Betriebserweiterung notwendigen Planfeststellungsverfahrens.

Rainer W. Durin
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Im August vorigen Jahres habe man einen Vertrag mit Ryanair unterzeichnet, sagt Tower-Geschäftsführer Reinhard Wolk. Darin habe sich der Billigflieger verpflichtet, in Finow eine Basis einzurichten und vier Flugzeuge dort zu stationieren, sobald die Genehmigungen vorliegen. Ryanair befürchtet laut Wolk, am BBI die kurzen Bodenzeiten von nur 20 Minuten für eine optimale Ausnutzung der Flugzeuge nicht realisieren zu können. Außerdem wären die Gebühren in Finow niedriger.


Die Obere Luftfahrtbehörde Berlin- Brandenburg hatte vor Jahresfrist den Antrag auf ein Planfeststellungsverfahren für die Erlaubnis zum Betrieb größerer Maschinen in Finow mit der Begründung abgelehnt, dass alle Starts und Landungen von Flugzeugen mit mehr als 14 Tonnen Gewicht auf dem BBI als Single-Flughafen der Hauptstadtregion konzentriert werden sollen. Nun klagen die Finow-Betreiber gegen die Ablehnung und somit auch gegen den Landesentwicklungsplan, der den BBI privilegiert. Denn 2007 war selbst das vom Brandenburger Wirtschaftsministerium geleitete EU-Luftfahrtprojekt Europlane in einer Resolution an die EU-Kommission zum Schluss gekommen, dass es nicht zu akzeptieren sei, wenn der Staat seine Genehmigungsbehörden dazu benutzen würde, die eigenen Flughäfen vor Wettbewerb zu schützen.

Indessen zeichnen sich nach der Schließung von Tempelhof und der jetzt begonnenen Verdrängung von kleineren Maschinen aus Schönefeld Engpässe bei der Unterbringung der allgemeinen Luftfahrt ab. Dazu zählen nicht nur die Sportflieger, sondern vor allem kleinere Geschäftsreise- und Frachtflugzeuge. „Wir können derzeit nicht alle Flieger aufnehmen“, sagt Klaus-Jürgen Schwahn, Geschäftsführer des Flugplatzes Schönhagen. 67 Prozent der 52 000 jährlichen Flugbewegungen am größten Verkehrslandeplatz in den neuen Bundesländern sind gewerblich. Auch am Flugplatz Strausberg wird es eng, sagt dessen Chef Andreas Gagel. Beide planen den Bau weiterer Hallen und beklagen die mangelnde Unterstützung des Landesregierung.

Die Verkehrslandeplätze, die eine Betriebspflicht haben, sehen sich als dritte Startbahn des BBI. Die staatliche Betreibergesellschaft des Hauptstadt-Airports befreie man durch die Übernahme des unwirtschaftlichen Teils des Luftverkehrs von jährlichen Einnahmeverlusten in Höhe von 60 bis 100 Millionen Euro, sagt Schwahn. Denn jede Flugbewegung einer kleinen, langsamen Maschine blockiere bis zu drei Slots für große Verkehrsflugzeuge, die deutlich höhere Gebühren zahlen. Dennoch bekommen die kleinen Plätze keine Landeszuschüsse mehr und haben Schwierigkeiten, ihrer wachsenden Bedeutung gerecht zu werden.

So ist nur für Schönhagen die Einrichtung eines Instrumentenlandeverfahrens genehmigt, das den Flugbetrieb auch bei schlechtem Wetter erlaubt. Auf den Kosten von 2,2 Millionen Euro wird man wohl sitzen bleiben.  

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