BBI-Streit : Ausnahmegenehmigung bei Flugrouten möglich

Im Bundesverkehrsministerium werden Starts ohne Abknicken, wie sie zum Beispiel am Flughafen München üblich sind, nicht ausgeschlossen. Noch wird aber vor zu hohen Erwartungen gewarnt.

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Anflug auf Schönefeld. Ausnahmegenehmigungen sind nicht ausgeschlossen.
Anflug auf Schönefeld. Ausnahmegenehmigungen sind nicht ausgeschlossen.Foto: dpa

Im Streit um die künftigen Flugrouten am neuen Flughafen in Schönefeld schließt man im Bundesverkehrsministerium Ausnahmeregelungen nicht aus. Die Erfahrungen anderer Flughäfen werde bei der Routenwahl berücksichtigt, sagte am Donnerstag Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle. Allerdings warnte er vor zu hohen Erwartungen. Von der Ausnahmeregelung würde Zeuthen im Osten des Flughafens profitieren.

Mit einer Ausnahmegenehmigung könnten Flugzeuge nach dem gleichzeitigen Start von beiden Pisten geradeaus fliegen – wie es viele Jahre lang in den für die Planfeststellung veröffentlichten Unterlagen angegeben war. Nach internationalen Vorschriften müssten die Piloten bei parallelen Starts nach dem Abheben um mindestens 15 Grad voneinander abknicken, wodurch die Route in geringer Höhe über das Zentrum von Zeuthen führen würde. Von dieser am 6. September vorgestellten Variante der Deutschen Flugsicherung (DFS) waren die Zeuthener völlig überrascht worden – wie im Westen die Anwohner in Lichtenrade, Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf und Wannsee.

Geradeausflüge bei gleichzeitigen Starts, bei denen die Lotsen sich nicht untereinander abstimmen müssen, gibt es – mit einer Ausnahmegenehmigung des Verkehrsministeriums – in München. So werden dort Bewohner von Freising vom Fluglärm verschont. Allerdings fliegen die Maschinen in München nur knapp zwei Kilometer geradeaus; danach knicken die auf der Südbahn gestarteten Flugzeuge scharf nach Süden ab. In Schönefeld müssten sie dagegen bis zum Abknicken mehr als zehn Kilometer geradeaus fliegen, um nicht über Zeuthen donnern zu müssen.

Die Flugsicherung hatte nach der Sitzung der Lärmschutzkommission am Montag bereits angekündigt, auch die Möglichkeiten einer Ausnahmegenehmigung für Geradeausflüge zu prüfen. Starts Richtung Osten gibt es durchschnittlich an rund 100 Tagen im Jahr, an denen der Wind aus Osten bläst.

Bei der Frage, ob es überhaupt parallele Starts geben müsse, wie es der Flughafen verlangt, wollte sich Scheurle nicht festlegen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte im vergangenen Jahr gefordert, die Geradeausflüge zur Basis der weiteren Planungen zu machen, da die Menschen sich darauf verlassen hätten. Zudem hatte Ramsauer bezweifelt, ob gleichzeitige Starts zwingend erforderlich seien. Dies hat der Flughafen inzwischen mehrfach betont und durch ein Gutachten bestätigen lassen.

Eine Ausnahme im Luftverkehr wäre auch die Variante, bei der die Maschinen fast unmittelbar nach dem Start Richtung Osten nach Süden abknicken, noch bevor sie Zeuthen erreicht haben. Im Westen spricht vieles dafür, dass nur von der Südbahn nach dem Start abgeknickt wird, während von der Nordbahn so wie heute geradeaus geflogen wird. Damit bliebe der Fluglärm auf den derzeitigen Bereich beschränkt. Allerdings sollen die Piloten, wie berichtet, auch beim Geradeausflug so frühzeitig nach Norden abknicken, dass Berlin überflogen wird – in einer Höhe, in der die Flugzeuge zu sehen und zu hören sind, wobei der Krach aber als nicht belastend eingestuft wird.

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