BBI : Von Prognosen beflügelt

Der Großflughafen BBI wird für bis zu 25 Millionen Passagiere geplant. Aber noch ist kein Bauauftrag vergeben.

Rainer W. During

Die Flughafengesellschaft hält daran fest, den Großflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) für die geplante Summe von rund zwei Milliarden Euro zu errichten. Dabei soll das Terminal 630 Millionen Euro kosten – inklusive zweier Flügel für die Abfertigung von Billigfliegern. Flughafensprecher Ralf Kunkel bestätigte gestern einen Bericht des Tagesspiegels, demzufolge entschieden worden sei, das Zentralgebäude des Airports von vornherein aus drei Teilen zu bauen, um dem erwarteten Fluggastaufkommen gerecht zu werden. Nach der für Ende 2011 geplanten Eröffnung des BBI wird mit zunächst 22 bis 25 Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet.

Die beiden Terminal-Flügel oder „Schenkel“ für die Billigflieger werden einfacher gestaltet als das Hauptgebäude. Vor allem stehen den Reisenden keine Fluggastbrücken zur Verfügung; sie müssen zu Fuß zu den Maschinen laufen. In den Ausschreibungen für den BBI-Bau sind beide Flügel bereits enthalten, sagt Kunkel. Mehrkosten entstünden nicht. Nach Tagesspiegel-Informationen rechnen Fachleute mit einer Erhöhung der Gesamtkosten von weniger als 50 Millionen Euro durch den dritten Flügel.

Die ersten beiden Baulose für das BBI-Terminal – der Rohbau und die Gepäckförderanlage – sind bereits ausgeschrieben, ebenso das Baustellenmanagement. Wie berichtet, soll eine externe Firma die Arbeiten koordinieren. Das war notwendig geworden, nachdem der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH im Herbst das laufende Vergabeverfahren aufgehoben und eine Neuausschreibung beschlossen hatte. Grund war die Tatsache, dass die Angebote für den Bau des Terminals mit rund einer Milliarde Euro deutlich über dem Ansatz von 630 Millionen Euro in der BBI-Finanzplanung lagen. Die Vergabe erfolgt jetzt wie berichtet nicht mehr im Paket, sondern in sieben Einzellosen. Die Flughafengesellschaft sei personell „so aufgestellt, dass wir das gut abwickeln können“, sagte Kunkel.

Die Ausschreibung der ersten beiden Lose läuft seit Ende November. Bis Mitte Dezember konnten Firmen ihr Interesse signalisieren, in der zweiten Phase werden jetzt die am geeignetsten scheinenden Unternehmen zu konkreten Angeboten aufgefordert. Zu Einzelheiten der laufenden Vergabeverfahren macht die Flughafengesellschaft aus rechtlichen Gründen keine Angaben. In der zweiten Jahreshälfte soll bereits mit den Arbeiten begonnen werden, damit der Zeitplan eingehalten werden kann.

Die Hochtief AG klagt inzwischen vor dem brandenburgischen Oberlandesgericht gegen die Neuausschreibung. Wann die Richter entscheiden werden, ist noch offen. In Branchenkreisen heißt es, die Neuausschreibung in Einzellosen beinhalte eine wesentlich größere Unsicherheit bei der Termin- und Finanzplanung.

Nach den neuesten Prognosen geht man davon aus, dass das Passagieraufkommen in den kommenden Jahren nicht mehr so rasant wachsen wird wie in der jüngsten Vergangenheit. Wie berichtet, gab es im vergangenen Jahr erstmals mehr als 20 Millionen Passagiere auf den drei Berliner Flughäfen zusammen. Wenn es nach der Eröffnung des BBI doch eng werden sollte in Schönefeld, sieht die Planung den Bau von zwei weiteren, vorgelagerten Flugsteigriegeln vor. Das sei aber noch „Zukunftsmusik“, sagt Kunkel. „Darüber haben wir uns ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht.“

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus Rainer Ueckert fürchtet dagegen bereits, dass der BBI bereits in der ersten Baustufe „ganz sicher nicht“ dem Bedarf entsprechen werde. Gerade deshalb fordere seine Partei, Tempelhof für kleine Maschinen offen zu halten, sagte er gestern.

Christian Gaebler, der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Abgeordnetenhausfraktion, sagte, es sei zwar wichtig, die Passagierprognosen zu verfolgen, damit der BBI bei seiner Eröffnung und in den ersten Betriebsjahren dem Bedarf tatsächlich entspricht. Die gegenwärtige Kapazitätsdebatte halte er aber für „instrumentalisiert zugunsten der Offenhaltung von Tempelhof“. Rainer W. During

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