Berlin : Chaos kostet S-Bahn täglich 250.000 Euro

Die Probleme bei der Berliner S-Bahn gehen beim Mutterkonzern Deutsche Bahn ordentlich ins Geld. Etwa 90 Millionen Euro soll die Pannenserie aufs Jahr gerechnet kosten. Die Bahn will ihre Kunden noch einmal entschädigen.

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Das Desaster der Berliner S-Bahn bringt dem Unternehmen täglich ein Minus von mehr als 250 000 Euro. Das sagte Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr der S-Bahn-Mutter Deutsche Bahn, am Montag bei einer Anhörung vor dem Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Homburg war für Bahn-Chef Rüdiger Grube vor dem Ausschuss erschienen.

Auf das gesamte Jahr gerechnet beträgt der Verlust damit mehr als 90 Millionen Euro. 2008 hatte die S-Bahn noch einen Gewinn in Höhe von 56 Millionen ausgewiesen. In diesem Jahr sollte er nach ursprünglichen Plänen auf 125 Millionen Euro steigen. Wann die S-Bahn wieder normalen Betrieb anbieten wird, ließ Homburg offen. „Keine Frage“ sei es aber, dass das Unternehmen die Fahrgäste nochmals entschädige. Einzelheiten will die Bahn Ende Januar mitteilen.

Allein die gewährten Gratisfahrten im vergangenen Dezember haben das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 55 Millionen Euro gekostet. Zudem wird der Senat seinen Zuschuss für das vergangene Jahr um rund 50 Millionen Euro kürzen. Gravierend sind auch die Verluste bei den Einnahmen, die nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) um rund 20 Prozent zurückgegangen sind. Zusätzlichen Finanzaufwand verursachen die erweiterten Sicherheitskontrollen an den Fahrzeugen, die nach dem Bruch eines Rades, wodurch im vergangenen Mai ein Zug entgleist war, vom Eisenbahn-Bundesamt angeordnet worden waren. Um die Auflagen erfüllen zu können, sind zwei Werkstätten, die schon vor Jahren geschlossen worden waren, wieder geöffnet worden. Weil das Unternehmen inzwischen erkannt hat, dass es seine Fahrzeugreserve zu stark reduziert hat, werden außerdem 20 zum Teil seit Jahren abgestellte Fahrzeugeinheiten wieder betriebsfähig gemacht. Auch dies kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Da die Werkstätten der S-Bahn diese Arbeit nicht schaffen, wird der Auftrag ausgeschrieben. Auch ein Teil der üblichen Revisionsarbeiten müssten von anderen Firmen vorgenommen werden, sagte Homburg. Auch dies führt zu zusätzlichen Kosten. Da außerdem bei den jetzt vorgenommenen gründlichen Kontrollen der Fahrzeuge weitere „Probleme“ erkannt worden seien, müsse die S-Bahn auch hier „einiges“ investieren, um wieder einen verlässlichen Betrieb anbieten zu können.

VBB-Chef Hans-Werner Franz sagte, derzeit sei die S-Bahn so unzuverlässig, dass sie bei einer Ausschreibung des Betriebs wahrscheinlich schon von der Teilnahme am Wettbewerb ausgeschlossen werden würde. Das Eisenbahn-Bundesamt hat die ausgelaufene Betriebsgenehmigung zunächst nur für dieses Jahr verlängert. Der Senat prüft derzeit, ob ein Teil des Netzes für die Zeit nach dem Auslaufen des Verkehrsvertrags Mitte Dezember 2017 ausgeschrieben werden soll. Die Entscheidung soll 2011 fallen.

Die Fehler seien „vom Management“ gemacht worden, nicht von den Mitarbeitern, gab Homburg zu. Personelle Konsequenzen sollen Ende Februar mitgeteilt werden. Dem Vernehmen nach wird dann der DB-Aufsichtsratsvorsitzende Hermann Graf von der Schulenburg seinen Job verlieren. Schulenburg ist auch Chef des Bereichs Stadtverkehr, zu dem die S-Bahn gehört.

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