Berliner Flughäfen : Für Tempelhof lernen

Was wird nun wirklich aus Tempelhof? Auch ein gutes halbes Jahr vor dem vom Senat beschlossenen Ende des Flugbetriebs gibt es bisher nur vage Ideen für die Zukunft des riesigen Geländes. Ein Symposium sucht nach einer Lösung.

Klaus Kurpjuweit
Tempelhof
Flanieren statt fliegen. Die Stadtentwicklungsverwaltung könnte sich Wohnungen und Gebäude auf dem Flughafen-Gelände vorstellen. -Foto: ddp

Auch ein weiteres "Internationales Symposium zum Tempelhofer Feld mit seinem Raum für kreative Stadtentwicklung" hat gestern gezeigt: Sicher ist nur, dass es kein Patentkonzept gibt - weder für das Gebäude noch für das Gelände.

Lernen kann Berlin dabei durchaus von anderen Städten, wie Symposien auch schon in der Vergangenheit gezeigt haben. "Eins zu eins können wir die Erfahrungen aber nicht auf Tempelhof übertragen", sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern bei der von ihrem Haus im Flughafen Tempelhof organisierten Veranstaltung. Unabhängig vom bevorstehenden Volksentscheid am 27. April, bei dem die Berliner abstimmen können, ob Tempelhof ein Verkehrsflughafen bleiben soll, hat die Stadtentwicklungsverwaltung vor kurzem ihr Grobkonzept vorgelegt.

Demnach soll es insgesamt fünf Teilräume geben: Das Gebäude, das "Tempelhof Forum THF" soll sich zu einer Adresse für die Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft entwickeln. Am Tempelhofer Damm in Richtung Autobahn ist ein "Stadtquartier Tempelhof für Zukunftstechnologien" geplant. Das Columbia-Quartier am Columbiadamm ist für "innovatives Wohnen" vorgesehen. Und im Stadtquartier Neukölln soll "städtisches Wohnen am Park" möglich sein. Geprägt werden sollen diese neuen Stadtteile durch die unmittelbare Lage an der Parklandschaft Tempelhof, dem neuen Grünraum des Berliner Südens, schwebt den Planern vor.

Was aber ist etwa innovatives Wohnen? Der Zürcher Architekt Patrick Gmür, der gestern eingeladen war, um über "innovatives und nachhaltiges Wohnen" zu referieren, verblüffte die zahlreichen Zuhörer mit seiner Bemerkung, dass Innovationen im Wohnungsbau kaum noch möglich seien. "In einer Küche wird gekocht; in einem Wohnzimmer gewohnt und in einem Schlafzimmer geschlafen", sagte er. Daran werde sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Spielen können Architekten aber immer noch bei den Grundrissen, zeigte Gmür dann an von ihm entworfenen Beispielen.

Solche Wohnungen können aber überall entstehen; spezifisch für Tempelhof wären sie nicht. Das zeigte auch der Kopenhagener Architekt Carsten Lorenzen mit seinen Beispielen von Stadthäusern - aus Hamburg und Osnabrück. Stadthäuser wie sie jetzt mit viel Erfolg am Außenministerium in Mitte entstanden sind, seien auch für die neuen Wohngebiete am Rand des Tempelhofer Feldes möglich, sagte Junge-Reyer. Hier müsse sich dann zeigen, ob sich auch Bezieher von einem mittleren Einkommen solche Wohnungen leisten können. Auch das wäre eine Innovation, denn die Vorbildbauten am Außenministerium waren noch sehr teuer.

Dass große Freiflächen in der Innenstadt ein "Geschenk" für Stadtentwickler seien, wie Junge-Reyer stets betont, bestätigte ihr gestern auch der Kulturunternehmer Martin Heller, der sich damit beschäftigt, wie ein Standort "kreativ" werden kann. Hier gebe es in Europa positive und negative Beispiele - meist aber nicht in der Größenordnung von Tempelhof. Ein Erfolg seien etwa die Docklands in London, denen die "Verslumung" gedroht habe und die zu einem "Boomquartier" geworden seien. Ähnliches gelinge Hamburg mit der Hafencity.

Wie große Pläne aber auch scheitern könnten, habe Bremen gezeigt. Dort wollte man auf einem ehemaligen Werften-Gelände einen überdachten Freizeitpark mit Themen aus der Raumfahrt schaffen, verbunden mit einem Einkaufszentrum. Eröffnet wurde der Park im Februar 2004; bereits im September war er wieder zu, weil Besucher ausgeblieben waren.

Die Lösung für Tempelhof soll deshalb auf Dauer tragfähig sein. Da immerhin ist man sich einig.

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