Berliner Flughäfen : Im Tiefflug Richtung BBI

Die Flughafengesellschaft hat einen Plan entwickelt, wie sie den Neubau von BBI in Schönefeld finanzieren will.

Stefan Jacobs

Bei der Präsentation der Jahresbilanz 2008 sagte Flughafenchef Rainer Schwarz, dass ein bereits bewilligter Überbrückungskredit über 350 Millionen Euro bis zum nächsten Jahr verdoppelt werden könne. Damit existiert ein Plan B für den Fall, dass die EU-Kommission die 100-prozentige Bürgschaft der Gesellschafter – Berlin, Brandenburg und Bund – für den eigentlichen BBI-Kredit über 2,4 Milliarden Euro nicht genehmigen sollte. Angesichts der Vorprüfungen und mit Blick auf vergleichbare Fälle gehe er aber von der Zustimmung der europäischen Wettbewerbsprüfer aus, sagte Schwarz. Mit der öffentlichen Bürgschaft im Rücken käme die Flughafengesellschaft deutlich leichter an das Geld, das sie für die Finanzierung von BBI benötigt. Über die erste Milliarde sei man sich mit der Europäischen Investitionsbank als Geldgeber bereits weitgehend einig. Schwarz rechnet mit einer Entscheidung der EU-Kommission etwa zur Jahresmitte.

Der Optimismus des Flughafenchefs speist sich auch daraus, dass die Berliner Flughäfen die Krise bisher relativ gut überstanden haben. Der Rückgang der Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum habe sich im März „deutlich abgeschwächt“ und liege voraussichtlich zwischen drei und vier Prozent. Fürs Gesamtjahr erwarten die Flughäfen ein Minus von 2,5 Prozent – während die Branche bundesweit mit drei Prozent Rückgang rechnet. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Passagierzahl bundesweit fast stagniert, während die Berliner Flughäfen ein Plus von sieben Prozent verzeichneten. 21,4 Millionen Menschen flogen demnach von und nach Berlin und verschafften der Flughafengesellschaft einen Jahresüberschuss von 25 Millionen Euro. Aber: „Bei den Passagieren, die wir noch haben, spüren wir deutliche Kaufzurückhaltung“, sagte Schwarz. Vor allem der sogenannte Non-Aviation-Bereich, der sich besonders aus Läden und Werbeflächenmieten speist, leide darunter.

Die Antwort darauf heißt „Herkules 2009“ und steht für ein zehn Millionen Euro umfassendes Sparprogramm. Abstriche gebe es bei Schulungen und Dienstreisen ebenso wie bei der Wartung von Anlagen in Tegel und Schönefeld, sofern sie nicht der Sicherheit dienen. Die Ausstattung an den heutigen Flughäfen müsse ohnehin nur noch knapp drei Jahre durchhalten: Als Termin für die BBI-Eröffnung gilt weiter der 30. Oktober 2011. Am Terminal wird neuerdings im Dreischichtbetrieb gearbeitet.

Gebaut wird aber auch in Tegel: Das Terminal C, das vor allem Umsteigern nützen soll, werde aus Kapazitätsgründen wie geplant erweitert – ungeachtet der Schließung von Tegel 2012 und ungeachtet der von Hauptnutzer Air Berlin an diesem Montag verkündeten düsteren Jahresprognose. Denn in Berlin wachse Air Berlin noch immer. Stefan Jacobs

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