Berliner Großflughafen : BBI-Eröffnung: Mit Sicherheit verspätet

Die Flughafengesellschaft will in den nächsten Tagen Konsequenzen aus dem Verzug beim Ausbau in Schönefeld ziehen und sich erneut mit der Terminplanung beschäftigen. Die Schuld am Planungsrückstand gibt sie unter anderem neuen Vorschriften der Polizei.

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Die Flughafengesellschaft will in den nächsten Tagen Konsequenzen aus dem Verzug beim Ausbau in Schönefeld ziehen und sich erneut mit der Terminplanung beschäftigen. Planer befürchten, dass sich der Bau um bis zu ein Jahr verzögern kann. Nach Tagesspiegel-Informationen sind erst rund 20 Prozent der erforderlichen Planungsleistungen für den Innenausbau des Terminals erbracht. Ins Stocken gerät der Bau zudem durch neue Vorgaben der EU und daraus folgend der Bundespolizei für die Sicherheitskontrollen der Passagiere im neuen Terminal.

Die Details seien Erkenntnisse der vergangenen paar Tage, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Sonntag. Vorher habe es lediglich Gespräche über mögliche Auswirkungen gegeben.

Dass es Schwierigkeiten mit der Terminplanung gibt, war allerdings seit März bekannt. Damals hatte, wie der Tagesspiegel berichtete, die Ingenieurgesellschaft Kruck (IGK) Insolvenz angemeldet. IGK plante seit 2004 gemeinsam mit den Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) sowie JSK den Terminalneubau. Dessen Rohbau steht, der Innenausbau dagegen ist noch nicht in die Gänge gekommen. Der Tagesspiegel hatte am 17. April berichtet, der Terminplan wackele deshalb, doch Flughafenchef Rainer Schwarz bestritt dies vehement.

Das für die Projektsteuerung zuständige Unternehmen CBP hat nach Tagesspiegel-Informationen der Geschäftsführung des Flughafens am 19. Mai die Warnung geschickt, dass aus seiner Sicht und unter diesen Umständen der vorgesehene Eröffnungstermin 30. Oktober 2011 stark gefährdet sei. Auch ein Gutachten, das die Flughafengesellschaft in Auftrag gegeben hatte, um die Folgen der IGK-Insolvenz auszuwerten, ist demnach erst vor wenigen Tagen eingetroffen und enthält Zweifel am Terminplan. Die Aussagen müssten jetzt bewertet und die Folgen dann mit den Gesellschaftern besprochen werden, sagte Kunkel.

Das Einhalten des ursprünglichen Termins wäre nach Angaben von Experten nur mit einem außerordentlich hohen Aufwand zu schaffen. Selbst bei der Flughafengesellschaft gibt es jedoch dem Vernehmen nach Zweifel, ob diese Ausgaben gerechtfertigt wären, weil man nicht ausschließen könne, dass es zu weiteren Problemen kommt, die den Termin dann wiederum platzen lassen könnten.

Unklar ist derzeit auch, wie die neuen Vorgaben der Bundespolizei, die nach Tagesspiegel-Informationen in der vergangenen Woche mitgeteilt wurden, umgesetzt werden können. Weil die Europäische Union von 2013 an wieder Flüssigkeiten wie Getränke im Handgepäck zulassen will, sind größere Prüfgeräte als die heutigen erforderlich.

Der Platz im neuen Terminal ist jedoch so knapp berechnet, dass es keine Reserveflächen gibt. Um Kosten zu sparen, wollte die Flughafengesellschaft an keiner Stelle auf Vorrat bauen. Nun muss geprüft werden, ob es erforderlich ist, die Zahl der Sicherheitsschleusen zu reduzieren, was die Kapazität einschränkt, oder ob der Bau vielleicht bereits jetzt erweitert werden muss. Diese Möglichkeit ist immerhin bereits einkalkuliert, würde aber wiederum zusätzliche Zeit erfordern. Klaus Kurpjuweit

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