Billig-Airlines : Geiz verleiht Flügel

Vor fünf Jahren landeten die ersten Billig-Airlines an Berlins Flughäfen Die Zahl der Passagiere hat sich seither verdoppelt – und nimmt weiter zu.

Rainer W. During
Germanwings
Check-In-Schalter auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. -Foto: ddp

Die Billig-Airlines fliegen auf Berlin – und die Flughäfen der Stadt profitieren von neuen Verbindungen und stetig wachsenden Passagierzahlen. Seit vor fünf Jahren die ersten Fluggesellschaften mit Niedrigpreis-Tickets auf den Markt drängten, hat sich das Passagieraufkommen an den Berliner Flughäfen um rund 50 Prozent erhöht. Heute ist hier jeder zweite Fluggast ein Low-Cost-Reisender, jährlich sind das mehr als neun Millionen. Immer neue Strecken werden eröffnet, manche auch wieder eingestellt. Nicht nur die Berliner profitieren davon, mit den Günstigangeboten kommt auch eine zunehmende Zahl von Besuchern in die Stadt.

Insgesamt zwölf Millionen Fluggäste zählten die drei Flughäfen Tegel, Schönefeld und Tempelhof, als 2002 die Erfolgsgeschichte der Billig-Airlines in Berlin begann. Damals führte der bisherige Ferienflieger Air Berlin seinen City-Shuttle ein, gleichzeitig starteten Germanwings und Hapag-Lloyd-Express (heute TUIfly) als neue Low-Cost-Carrier. 2003 nahm mit der irischen Ryanair der Vorreiter der europäischen Billigflieger die deutsche Hauptstadt in sein Streckennetz auf. 2004 erkor die britische Easyjet Schönefeld zur Hauptbasis auf dem Kontinent. 2006 wurden an den Berliner Flughäfen 18 Millionen Passagiere abgefertigt, in diesem Jahr bis Mai bereits 7,5 Millionen, ein erneuter Zuwachs von 6,7 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres.

Nach der aktuellen Flughafen-Statistik verbinden Berlin heute 14 Billig-Airlines mit 69 europäischen Städten. „Der Anteil der Low-Cost-Flüge liegt bei 52 Prozent“, sagt Flughafensprecher Eberhard Elie. In Schönefeld sind es sogar 84 Prozent. Auf dem ersten Platz landet dort Easyjet mit jährlich drei Millionen Passagieren und gegenwärtig 26 Zielen, gefolgt von Germanwings mit 17 Strecken, zwei neue Routen nach Brüssel und Lyon kommen ab Herbst hinzu.

In Tegel (Low-Cost-Anteil 38 Prozent) hat Air Berlin das Sagen. 48 Nonstop-Verbindungen stehen im Flugplan des Homecarriers, der damit das neugebaute Terminal C fast allein nutzt. Nicht alle Strecken gelten als klassische Billigflüge, 25 Ziele sind in der Flughafen-Statistik als Low-Cost-Routen erfasst. Auch bei TUIfly wird zwischen Ferien- und Low-Cost-Flügen differenziert. Hier gelten sieben der 26 Tegel-Strecken als Billiglinien, darunter die neue Route zum Allgäu-Flughafen Memmingen.

Im internationalen Verkehr der Billigflieger liegt London auf Platz 1, im innerdeutschen Verkehr ist es Köln/Bonn. Als weitere Top-Ziele werden Palma, Wien und Zürich (Air Berlin), Basel und Paris (Easyjet), München, Zweibrücken, Ibiza, Mykonos, Stockholm und Varna (Germanwings) sowie Klagenfurt, Salzburg und Venedig (TUIfly) genannt.

Obwohl die Luftverkehrsgesellschaften den Bedarf genau analysieren, bevor sie neue Strecken eröffnen, gab es auch Flops. So bewährten sich Flugverbindungen nach Polen entgegen allen Erwartungen nicht. Germanwings musste die Flüge nach Warschau ebenso wieder einstellen wie Easyjet die Route nach Krakau. Auch Bratislava und Ljubljana brachten nicht den gewünschten Erfolg. TUIfly nahm Neapel (wird noch von Easyjet bedient) und Olbia wieder vom Netz. Und zuletzt hat Easyjet im Januar die Flüge nach Maastricht eingestellt.

Nach der Gesamtzahl der jährlichen Low-Cost-Passagiere hält Berlin nach einer Statistik der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit neun Millionen Passagieren in der Bundesrepublik deutlich die Spitze vor Köln/Bonn (6,7 Millionen). Gemessen am Anteil zum Gesamtaufkommen an Reisenden liegt die Hauptstadt dagegen hinter Frankfurt-Hahn (100 Prozent Billigflieger), Köln/Bonn und Dortmund auf dem vierten Platz.

Nicht immer ist der Billigflug so günstig, wie es scheint. Bei vielen Airlines erhöht sich der Grundpreis noch um Gebühren, Steuern und Treibstoffzuschläge. Wer zuerst bucht, zahlt in der Regel am wenigsten. Generell sind die Preise seit dem Vorjahr gesunken. Gemessen am durchschnittlichen Endpreis pro Flugstrecke schnitt Ryanair mit 16,95 Euro in der bundesweiten Erhebung am günstigsten ab. Es folgen Hapag-Lloyd-Express (jetzt TUIfly) mit 36,16 Euro und Germanwings (37,73 Euro). Die inzwischen in der Air Berlin aufgegangene dba kommt auf 40,02, Easyjet auf 40,62 Euro. Für Air Berlin selbst ermittelten ADV und DLR einen Durchschnittspreis von 77,28 Euro.

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