Blick zurück : Nach dem Krieg lief’s besser

Sicherheitsmängel an Schienenfahrzeugen sind nicht neu. Die S-Bahn litt auch schon früher unter Winterproblemen.

von und Manuel Jacob

Bereits vor dem Krieg musste eine ab 1927 gelieferte Serie von 300 Straßenbahn-Triebwagen wenige Jahre später stillgelegt und umgebaut werden. Falsch konstruierte Bremsen hatten zu zahlreichen Unfällen geführt. Damals hatte die BVG aber noch genügend Altfahrzeuge, die weiter fahren konnten. Das vorgesehene Ausmustern hat man einfach verschoben.

Im Krieg wurde dann auch an der Wartung gespart. So hatte die S-Bahn gegen Kriegsende die Frist zwischen zwei Hauptuntersuchungen von 100 000 zurückgelegten Kilometern auf 180 000 Kilometer fast verdoppelt; die Züge konnten so rund ein Jahr länger fahren, ehe sie in die Werkstatt mussten. Aber nur unter zwei Bedingungen: Die gesetzliche Untersuchungsfrist von unverändert drei Jahren durfte nicht überschritten werden und nach 90 000 Kilometern waren die Bremsen sowie Achsen und Räder zu kontrollieren.

Noch Anfang 1945 besaß die S-Bahn rund tausend Doppelwagen, intern Viertelzug genannt, von denen etwa zwei Drittel einsetzbar waren. Auf der Ringbahn kam bis 22 Uhr alle zehn Minuten ein Acht-Wagen-Zug. Heute müssen sich die Fahrgäste auf dem Ring in sechs Wagen quetschen.

Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 fuhr die erste S-Bahn bereits am 6. Juni. Bis April 1946 waren fast alle Strecken im 10- bis 30-Minuten-Takt in Betrieb. Von den ursprünglich vorhandenen 1000 Doppelwagen konnten immerhin rund 230 fahren. In der Winterkrise 2010/11 waren, in einem nun größeren Netz, zeitweise weniger als 250 Doppelwagen unterwegs – von 630 vorhandenen.

1946 herrschte Materialmangel und die Werkstätten waren größtenteils zerstört, deshalb standen wenig Wagen zur Verfügung. Und Ostern traf die S-Bahn noch ein besonderer Schlag: Die Rote Armee verlangte den Abtransport von rund 100 teilweise einsatzbereiten Doppelwagen, von denen 33 aus dem laufenden Betrieb genommen werden mussten. Heute mangelt es an Wagen, weil es technische Probleme gibt und die Wartung vernachlässigt wurde, um Kosten zu sparen.

Dabei litt die S-Bahn auch schon früher unter Winterproblemen. 1939/40 sollten jedoch schnell Konsequenzen gezogen werden. Flugschnee und Frost hatten Defekte bei der Steuerung, an Motoren und an Türen verursacht, was – wie heute – die Züge massenweise ausfallen ließ. Und – wie heute – fehlten Hallen, um die Züge vor der Reparatur auftauen zu können, so dass die Schäden nicht schnell genug beseitigt werden konnten. Damals wollte man schnell Hallenanlagen erweitern oder neue Schuppen bauen. Der Krieg verhinderte dies.

In den letzten Jahren hat die S-Bahn dagegen Hallen stillgelegt und zum Teil auch abgerissen. Nur die Werkstatt in Friedrichsfelde durfte den Betrieb wieder aufnehmen.

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