Bus und Bahn : An der Grenze lauern schon die Kontrolleure

Bis 2008 lag Schönefeld noch im Tarifgebiet AB. Seither wird kräftig kassiert, wenn ein Fahrgast mit dem falschen Ticket erwischt wird.

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Wer mit der S-Bahn unterwegs ist, sollte den Fahrplan im Kopf haben. Oft ist es nicht nur für Touristen schwer, den Durchblick zu behalten.
Wer mit der S-Bahn unterwegs ist, sollte den Fahrplan im Kopf haben. Oft ist es nicht nur für Touristen schwer, den Durchblick zu...Foto: dapd

Teurer Irrtum: Weil eine Familie, bestehend aus drei Erwachsenen, für die Fahrt mit der S-Bahn vom Ostkreuz nach Schönefeld versehentlich ein falsches Ticket gekauft hatte, kostet die Fahrt jetzt zusammen 120 Euro zusätzlich. Die Ortsunkundigen hatten jeweils Fahrscheine fürs Stadtgebiet AB zum Preis von je 2,10 Euro gekauft; da Schönefeld aber im Tarifgebiet C liegt, hätten sie ein ABC-Ticket zum Preis von 2,80 Euro lösen müssen. Deshalb wurde die Familie bei einer Kontrolle als Schwarzfahrer eingestuft, was zu dem „erhöhten Beförderungsentgelt“ von jeweils 40 Euro führt.

Dabei lag Schönefeld sogar bis zum 1. April 2008 im Tarifgebiet AB, um die Fahrt zum Flughafen attraktiv zu machen. Auf Betreiben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) und der Verkehrsunternehmen war die Ausnahmeregelung für Schönefeld dann aber aufgehoben worden. Seither wird kräftig kassiert, wenn ein Fahrgast mit dem falschen Ticket erwischt wird.

Kontrolleure nutzen solche Fallen im Tarifsystem gern aus. Mit Vorliebe fragen sie auf dem kurzen Abschnitt zwischen der Stadtgrenze und dem Bahnhof Schönefeld nach dem Fahrschein – wie auch bei Fahrten nach Potsdam, wo die Kontrolleure besonders gern in Griebnitzsee einsteigen, dem ersten Bahnhof auf Brandenburger Gebiet, der ebenfalls im Tarifbereich C liegt. Hier angeln sich die Kontrolleure vornehmlich Touristen, die gen Potsdam unterwegs sind.

Auf den Netzübersichten sind die Tarifzonen nur durch unterschiedliche Grautöne als Bereiche A, B und C markiert. Wer nicht genau hinschaut, kann die feinen Unterschiede leicht übersehen. Das ABC-System sei einfach und übersichtlich, meint Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Dass die Stadtgrenze auch eine Tarifgrenze sei, sei logisch und gerecht, findet auch VBB-Sprecherin Elke Krokowski. An Änderungen sei nicht gedacht. Hinweise per Ansage auf ein Überqueren der Tarifgrenze gibt es in den Bahnen und Bussen nicht.

Einfacher wäre es für Fahrgäste, wenn der Tarifbereich AB über die Stadtgrenze hinaus bis zu den Endbahnhöfen der S-Bahn erweitert würde. Allerdings würde dann wohl der Preis steigen, weil die Unternehmen den Einnahmeausfall kompensieren wollten. Der Preis fürs AB-Ticket wird am 1. Januar ohnehin von 2,10 Euro auf 2,30 Euro erhöht, der ABC-Fahrschein kostet dann 3 Euro statt wie bisher 2,80 Euro.

Allerdings könnte auch die Umwelt von einem erweiterten Tarifgebiet profitieren. Pendler aus dem Umland fahren oft mit dem Auto zum ersten S-Bahnhof auf Berliner Gebiet, um die Kosten fürs ABC-Ticket zu sparen – vornehmlich, wenn dabei nur ein Bahnhof auf Brandenburger Gebiet übersprungen wird – wie in Hennigsdorf, Erkner, Schönefeld oder Teltow. Beim Einstieg auf diesen Stationen kostet die ABC-Monatskarte derzeit 88,50 Euro, das AB-Ticket vom nächsten Bahnhof in Berlin dagegen nur 72 Euro. Gälte hier generell der niedrigere Preis, gäbe es wohl weniger Autofahrten und damit auch einen geringeren CO2-Ausstoß.

Kompliziert würde eine Ausweitung des AB-Bereichs im Busverkehr, wo die Tarifgrenzen besonders schwer zu erkennen sind. Doch auch schon heute ist es nicht einfach. Sechs Linien der BVG, die in Berlin beginnen und enden, führen durch Brandenburger Straßen. Für die Fahrt von Berlin nach Berlin ist deshalb auch hier ein ABC-Ticket notwendig. Eine Ausnahme gibt es nur für Schüler aus Mahlsdorf, die mit der Linie 395 auch zum Stadttarif im C-Gebiet fahren dürfen. Die BVG muss ihnen dafür einen „Betretungsausweis“ ausstellen.

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