BVG : 100 Passagiere flüchten aus brennendem Bus

Am Donnerstagabend fing in Schöneberg bereits der vierte BVG-Bus in Serie Feuer - diesmal ein Gelenkfahrzeug. Aus einem Bus der Linie M 76 züngelten am S-Bahnhof Priesterweg kleine Flammen.

Christoph Stollowsky
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100 Fahrgäste konnten in Sicherheit gebracht werden, weil der Busfahrer den Brand frühzeitig bemerkte. -Foto: Meyer

Berlin Die Brandserie bei den BVG-Bussen nimmt kein Ende: Gestern Nachmittag traf es einen vollbesetzten Bus der Metrolinie M76 in Schöneberg. Als dieser auf dem Prellerweg unterwegs war, drang plötzlich dichter Qualm aus dem Auspuff und Motorraum, Flammen züngelten empor. Der Fahrer stoppte und alarmierte die Feuerwehr, alle rund hundert Passagiere flüchteten aus dem Fahrzeug. Der Brand war etwa nach einer Viertelstunden gelöscht.

Verletzt wurde niemand. In diesem Jahr haben schon vier BVG-Busse Feuer gefangen, zuletzt am vergangenen Dienstag auf der Linie 283 in Marienfelde. Bei den bisherigen Brandfällen handelte es sich immer um Eindeckerbusse des Typs "Mercedes Citaro". Gestern war dagegen ein anderes Modell betroffen - ein Gelenkbus der polnischen Firma "Solaris".

Kurz vor 17.30 Uhr hatte ein Warnblinker auf dem Armaturenbrett des Fahrers aufgeleuchtet. Ein Sensor im Motorraum signalisierte eine Überhitzung. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Bus auf dem Prellerweg in Höhe Sembritzkistraße. Der Fahrer forderte die Passagiere auf, den Bus zu verlassen. Danach versuchte er den Brand selbst zu löschen, das gelang ihm aber bis zur Ankunft der Feuerwehr nur teilweise.

Unterdessen zog dichter Qualm über den Prellerweg, der wenig später von der Polizei komplett gesperrt wurde. Die aufgeregten Fahrgäste warteten am Straßenrand, bis sie in einen herbeigerufenen Ersatzbus einsteigen konnten. Der betroffene Busfahrer überwandt den ersten Schrecken schnell. Er setzte seinen Dienst am frühen Abend in einem anderen Metrobus der gleichen Linie fort.

Nach ersten Ermittlungen der BVG war der Brand aus noch ungeklärter Ursache im Auspuffrohr des Busses entstanden. Von dort hatten die Flammen auf den Motorraum übergegriffen. Der Innenraum des Fahrzeuges blieb unversehrt, weil das Feuer schnell genug gelöscht werden konnte. Es sei kein allzugroßer Schaden entstanden, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Am vergangenen Dienstag brannte der betroffene Eindeckerbus hingegen komplett aus.

Die BVG-Flotte der polnischen Solaris-Gelenkbusse ist recht neu, die meisten Fahrzeuge wurden erst vor vier Jahren angeschafft. In der Werkstatt werde man nun untersuchen, weshalb sich im Auspuff ein Feuer entwickeln konnte, so Petra Reetz. Bei den bisherigen Fällen waren die Brände im Motorraum entstanden. Als Ursache wurden verstopfte Filter ermittelt, beschädigte Isolierungen an einem Abgasrohr oder verkokte Druckluftrohre, wie Verschmutzungen im Gutachter-Jargon heißen. Weshalb der Anfang dieser Woche betroffene Mercedes-Citaro brannte, ist noch ungeklärt. Der Bericht eines Gutachters soll erst in der kommenden Woche vorliegen, hieß es am Mittwoch.

Der Hersteller Mercedes und die BVG sind inzwischen in Streit geraten, ob die bisher untersuchten Brände durch Produktionsfehler oder Wartungsmängel entstanden sind. Für die BVG ist dies von großer finanzieller Bedeutung, weil die Versicherungen bei nachgewiesenen Werkstattfehlern nicht für den Schaden aufkommen. Aus Sicht des Bundesverbandes der Deutschen Versicherer geraten Busse "in Dreivierteln aller Fälle" wegen Wartungsmängeln in Brand. Zugleich gehören Busse aber nach Einschätzung des Technischen Überwachungsvereines (Tüv) zu den weitaus sichersten Verkehrsmitteln.

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