BVG : Busse mit Nulltarif - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren gab es Schwierigkeiten mit den neuen Bussen der BVG. Mit der neuen Technik für den Fahrscheinverkauf im Bus konnten Fahrer nicht immer kassieren – und ließen Kunden dann gratis fahren. Was Klaus Kurpjuweit damals schrieb.

von
Umsteigeprobleme. Die BVG hat neue Busse gekauft und zugleich ein neues Kassensystem eingeführt. Das allerdings hat seine Tücken.
Umsteigeprobleme. Die BVG hat neue Busse gekauft und zugleich ein neues Kassensystem eingeführt. Das allerdings hat seine Tücken.Foto: dpa

Die BVG, die stets jammert, dass die Fahrpreise in Berlin zu niedrig seien, gewährt auf der anderen Seite Fahrgästen Freifahrten. Wer derzeit etwas Glück hat, muss zumindest bei der Mitfahrt in einem Bus nichts bezahlen – weil der Fahrer keinen Fahrschein drucken kann. Ein neu eingeführtes System hat seine Macken. Die BVG hat dem Hersteller jetzt nach Tagesspiegel-Informationen nochmals ein Ultimatum gesetzt. Unabhängig davon plant das Unternehmen zum 1. Juni eine weitere technische Umstellung, die den Fahrplan bei Bussen und Straßenbahnen durcheinanderbringen könnte, wie Insider vermuten. Die BVG aber ist überzeugt, das hier alles klappen wird.

Das Unternehmen hat seinen neuen Bussen, die derzeit angeschafft werden, gleichzeitig ein neues Fahrscheinverkaufssystem verpasst. Ein Vorteil unter anderem ist dabei, dass die Fahrer – elf Jahre nach der Gründung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) – jetzt auch im Bus Fahrscheine für das gesamte Verbundgebiet verkaufen können.

Zum Start gab’s zunächst jedoch öfter erst mal gar kein Ticket. Wer einen Fahrschein kaufen wollte, wurde dann vom Fahrer einfach durchgewinkt; mit einer mehr oder weniger originellen Bemerkung. („Sehen Sie hier eine Kasse?“) wie zuletzt am Wochenende in einem Bus der Linie 170 (Rathaus Steglitz–Baumschulenstraße). Auch in Spandau sind mehrfach solche Fälle gemeldet worden.

Nach Tagesspiegel-Informationen versagten die Geräte häufig; zudem hat in der Startzeit ein Teil der Karten nicht funktioniert, mit denen sich die Fahrer an dem Gerät anmelden müssen. Auch bei der aufwändigen Schulung der Fahrer für das Bedienen der Geräte war man dem Vernehmen nach nicht nachgekommen. So wurden Busse in den Einsatz geschickt, deren Fahrer die neue Technik nicht nutzen konnten. Die Fahrt zum Nulltarif für die einsteigenden Fahrgäste war garantiert. Hohe Einnahmeausfälle habe es aber nicht gegeben, versicherte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Im Gegenteil: Insgesamt habe man mehr Geld einbgenommen, weil die Zahl der Fahrgäste insgesamt gestiegen sei.

Die BVG hatte versucht, Fahrzeuge, bei denen die Geräte nicht bedient werden konnten, auf nachfrageschwachen Linien oder im Schülerverkehr einzusetzen, bei dem es kaum einen Barverkauf gibt. Rund 140 dieser mit solchen Geräten ausgestatteten Eindecker sind bei der BVG und von ihr beauftragten privaten Unternehmen bisher unterwegs; rund zehn Prozent der Flotte. Auch die alten Busse sollen später das neue System erhalten.

Bei einem Systemabsturz, der nie auszuschließen sei, starte das Gerät in drei bis fünf Minuten automatisch neu. Inzwischen seien auch genügend Fahrer mit den Karten ausgestattet, sagte Reetz.

In Wiesbaden hatten die Verkehrsbetriebe vor wenigen Jahren ebenfalls ein Verkaufssystem dieses Herstellers angeschafft. Nach vielen Pannen war man dann auf eine andere Firma umgestiegen.

Die BVG will aber nicht nur den Fahrscheinverkauf modernisieren; auch für das Erstellen des Fahrplans, den Einsatz der Mitarbeiter und die Disposition der Fahrzeuge ist ein neues System vorgesehen, Microbus genannt, das bei der U-Bahn bereits funktioniert und jetzt auch beim Bus und der Straßenbahn kommen soll. Reetz zeigte sich optimistisch, dass die Umstellung am 1. Juni klappen wird. „Wir wiederholen ja im Prinzip nur, was bereits bei der U-Bahn geklappt hat“, sagte die Sprecherin.

Insider verweisen jedoch darauf, dass es auch bei diesem System noch zahlreiche Probleme gebe, an deren Lösung weiter intensiv gearbeitet werden müsse – beim Bus und bei der Straßenbahn. Klappt die Umstellung nämlich nicht, kann der ganze Betrieb zusammenbrechen. Freifahrten gibt’s dann auch nicht.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

18 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben