BVG : Eine Frau lenkt ab Oktober die Verkehrsbetriebe

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden ab Oktober 2010 von einer Frau geführt. Neue Vorstandschefin soll die 41-jährige promovierte Psychologin Sigrid Nikutta werden. Der Aufsichtsrat muss aber noch zustimmen

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Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), der den BVG-Aufsichtsrat leitet, bestätigte dies am Donnerstag. „Ich bin glücklich, für die Verkehrsbetriebe eine Top-Managerin gefunden zu haben, die in Sachen Personalführung, Produktion und Technik hohe Kompetenzen besitzt.“ Wenn der Aufsichtsrat dem Vorschlag am 28. Mai zustimmt, ist die BVG nach der Berliner Stadtreinigung (BSR) das zweite Landesunternehmen, in dem eine Frau der Boss ist. Die BSR wird seit 2007 von Vera Gäde-Butzlaff gemanagt.

Die künftige BVG-Chefin stammt aus dem polnischen Ortelsburg (ehemals Ostpreußen), wuchs in Westfalen auf und studierte in Bielefeld Psychologie. Im Juli 2009 erwarb sie in München den Doktortitel. Das Thema: Mit 60 im Management – Vorstand oder altes Eisen? Coaching, interne Unternehmenskommunikation und moderne Managementmethoden sind Nikuttas Spezialgebiete. Zwischen Studium und Promotion war sie im Dienstleistungszentrum der Deutschen Bahn für die Aus-, Fort- und Weiterbildung zuständig, bevor sie Personalleiterin der regionalen Güterverkehrsniederlassung in Duisburg wurde.

2004 ging Nikutta nach Mainz, drei Jahre später übernahm sie dort die Produktionsleitung des Bereichs Ganzzugverkehr – mit 6700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Im vergangenen Jahr wechselte die Managerin zur Güterverkehrstochter der Bahn, DB Schenker Rail Polska in der Nähe von Katowice. Ihre endgültige Zusage, nach Berlin zu kommen, gab sie erst am Mittwoch. Bahnchef Rüdiger Grube hatte noch versucht, sie mit einem verbesserten Gehaltsangebot im bundeseigenen Konzern zu halten. Als Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe wird Nikutta aber auch nicht hungers sterben. Das Jahreseinkommen beträgt 387 000 Euro.

Dem BVG-Aufsichtsratschef Nußbaum ist es nun im zweiten Anlauf gelungen, für den wichtigen Job eine weibliche Besetzung zu finden. Noch im April wurde die Personalagentur gewechselt, denn sie fand keine geeignete Kandidatin. Der Vertrag des bisherigen BVG-Chefs Andreas Sturmowski läuft im Oktober aus und wird nicht verlängert. Die nachhaltig schlechte Wirtschaftslage des öffentlichen Unternehmens, der umstrittene Umzug der BVG-Zentrale von Schöneberg in das Triasgebäude in Mitte, eine üppig besetzte und teure Führungsetage und verlustreiche Finanztransaktionen ließen nicht nur bei SPD und Linken, sondern auch bei Grünen und FDP große Zweifel an den Führungsqualitäten Sturmowskis aufkommen.

Während Sturmowski 2005 vom damaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) in einer Nacht- und Nebelaktion berufen wurde, musste die Nachfolge öffentlich ausgeschrieben werden. Vor allem die SPD-Frauen hatten im vergangenen Jahr Druck gemacht, um die Zahl der weiblichen Manager in landeseigenen Unternehmen zu erhöhen. Bei gleicher Qualifikation sollen Bewerberinnen bevorzugt und Führungspositionen oberhalb der Besoldungsgruppe A 9 in jedem Fall ausgeschrieben werden.

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