BVG-Pläne : Zehlendorfer fürchten auf der Strecke zu bleiben

Senat lehnt BVG-Pläne für eine Stilllegung von U-Bahn-Linien ab. Doch die Zehlendorfer bleiben skeptisch. Nach mehreren Reparaturarbeiten in den letzten Jahren laufe der Betrieb endlich einmal normal - schon drohe neues Unheil.

C. van Lessen[K. Kurpjuweit]
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Verunsichert. Blumenhändlerin Patricia Richardt an der U-3-Station  Krumme Lanke.

Auch wenn der Senat gerade beruhigt hat und die Strecke nicht antasten will – in der Ladenstraße des Bahnhofs Onkel Toms Hütte in Zehlendorf ist die U3 auch am Sonnabend ein heiß diskutiertes Thema. Es geht um die Sorge, dass eine „Lebensader“, die Verbindung mit der Innenstadt, irgendwann doch gekappt wird. Ingo Rose aus der gleichnamigen Confiserie hat viel Kundenärger zu spüren bekommen. Anwohner liefen schon zum Bürgeramt, um nachzufragen, Bezirkspolitiker hätten gesagt, das glaubten sie alles nicht. „Die Grundstimmung ist irritiert.“

Die BVG hat wieder einen jener Steine ist Rollen gebracht, der längerfristig den Verkehr auf dieser Strecke infrage stellt. Solche Überlegungen gab es schon des Öfteren, auch mit dem Hinweis einer zu geringen Auslastung gerade auf den letzten Stationen in Zehlendorf. Wie berichtet, lässt die BVG derzeit prüfen, die U3 zwischen Nollendorfplatz und Krumme Lanke, aber auch die U4 zwischen Nollendorfplatz und Innsbrucker Platz einzustellen. Sie untersucht, ob eine Aufgabe etwa ab 2015 möglich ist. Alternativ untersucht die BVG auch, wie sich ein Zehn-Minuten-Verkehr auf beiden Strecken auswirken würde. Das Verkehrsunternehmen braucht in den kommenden Jahren 86 neue Wagen für die U-Bahn. Und weil der Vorstand nicht sicher ist, ob es für den Kauf das nötige Geld geben wird, spielt er Szenarien durch, welcher Betrieb mit weniger Wagen als benötigt noch möglich wäre. Da die Linien U1 (Warschauer Straße–Uhlandstraße) und U2 (Pankow–Ruhleben) nicht angetastet werden sollen, bleiben nur U3 und U4 übrig. Diese Linien aus der Anfangszeit der U-Bahn haben schmalere Fahrzeuge als die später gebauten U5 bis U9. Besteller des Verkehrs sei der Senat, der auch entscheide, welche Strecken betrieben werden, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland. Ein Aufgeben der Strecken komme nicht infrage. Den Vorstoß der BVG habe man erstaunt registriert; mit der Verwaltung sei es nicht abgestimmt gewesen. Der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Ekkehard Band (SPD), erklärte, die Stilllegung nur zu erwägen wirke wie ein Narrenstreich.

„Nicht nachvollziehen“ kann auch Fahrgast Fabian Behlau die Pläne für eine Stilllegung. Für den Zehlendorfer gibt es auf dem Weg zum Arbeitsplatz am Fehrbelliner Platz „keine Alternative zur U-Bahn“. Geschäftsmann Rose fragt sich auch, wie sich die BVG den Verkehr zur Freien Universität vorstellt. „Für uns wäre eine Stilllegung der Strecke furchtbar“, sagt Blumenhändlerin Patricia Richardt am Bahnhof Krumme Lanke. Sie erinnert daran, dass die BVG gerade die U3 in den letzten Jahren mehrmals für lange Zeit wegen Reparaturarbeiten stillgelegt hatte, das habe der Blumenladen arg zu spüren bekommen. Nun laufe der Betrieb auf der Strecke endlich einmal normal – schon drohe wieder Unheil.

Das Misstrauen ist jedenfalls spürbar. Die Händler der Ladenstraße Onkel Toms Hütte, die im Herbst 80 Jahre Bahnanschluss feiern wollen, sprechen schon ironisch von einem „tollen Geschenk“. „Hier wünschen sich die Leute sogar die Erweiterung der Strecke bis zum Mexikoplatz“, sagt Ingo Rose. Das war mal im Gespräch, aber davon will die BVG nun gar nichts wissen. Vor allem die U-Bahn-Linie 3 war schon öfter für höchst umstrittene Überlegungen gut. Im Gespräch war in den achtziger Jahren auch mal, wegen knapp werdender Wohnungsbauflächen Teile der unter freiem Himmel fahrenden „Einschnittbahn“ zwischen Dahlem-Dorf und Thielplatz für den Wohnungsbau zu deckeln. C. van Lessen, K. Kurpjuweit

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