Chaos : S-Bahnen seit zehn Jahren mit fragwürdiger Zulassung?

Der Berliner S-Bahn-Skandal hat möglicherweise weiterreichende Ursachen als bisher bekannt. Wie die ARD am Montag berichtet wird die Hauptflotte der S-Bahn seit rund zehn Jahren auf Grundlage einer fragwürdigen Zulassung betrieben.

Den Informationen zufolge ist die Bremsanlage der Baureihe 481 konstruktionsbedingt zu schwach ausgelegt. In einem Dokument aus dem Bahnkonzern würden „Mängel in der Zulassungsdokumentation“ beklagt, wodurch möglicherweise „die ganze Baureihe nicht zulassungsfähig war“.

Der Hersteller bestreitet Unregelmäßigkeiten. Das für die Zulassung zuständige Eisenbahnbundesamt betont, es habe die Unterlagen damals auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft. Der für den Personenverkehr zuständige Vorstand der Deutsche Bahn AG, Ulrich Homburg, sagte, der gesamte Zulassungsprozess der Fahrzeuge sei Gegenstand interner Ermittlungen. Untersuchungen gebe es auch zur „Mangelhaftigkeit der Bremsanlage“.

Bei der Wartung der Bremsen soll die S-Bahn Sicherheitsgrenzen missachtet haben. Während der Bremssand der Fahrzeuge nach einem internen Dokument nur für etwa 16 Tage reicht, wurden die Fristen zwischen den Wartungen auf bis zu 21 Tage ausgeweitet.

Mangelnder Sand gehörte zu den Ursachen für ein schweres Unglück am Bahnhof Südkreuz im Jahr 2006, bei dem 35 Menschen verletzt wurden. (jg/ddp)

ARD, 21.00 Uhr, „Endstation Chaos. Die Bahn auf gefährlichem Kurs“

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