Dauerstaus : 50 Straßenbaustellen bremsen den Verkehr in Mitte

Der ADAC drängt den Senat, die Bauarbeiten in Berlin-Mitte effektiver zu koordinieren. Besonders problematisch ist der Ost-West-Verkehr. Die Verwaltung verspricht erneut Besserung.

von
Gefürchtete Schilder. Wo diese Zeichen stehen, ist der Stau oft nicht weit.
Gefürchtete Schilder. Wo diese Zeichen stehen, ist der Stau oft nicht weit.Foto: Tsp

Bauen, bauen, bauen. Stauen, stauen, stauen. Wenn in Berlin auf oder an Straßen gebuddelt wird, geht oft nichts mehr. Eng bleibt es vor allem im Bezirk Mitte. Allein dort hat der Automobil-Club ADAC fast 50 Baustellen ausgemacht, die den Verkehr jetzt oder demnächst mehr oder weniger behindern. Die Verkehrsinformationszentrale (Viz) nennt im Internet derzeit stadtweit rund 120 Straßenbaustellen. Seit Jahren verspricht die Verwaltung, dass die Arbeiten besser koordiniert werden sollen. Den vielen Ankündigungen müssten jetzt endlich Taten folgen, fordert nun der ADAC.

Baustellen so einzurichten, dass der Verkehr nicht gleich auf mehreren nebeneinander liegenden Routen behindert wird, müsse möglich sein, sagt Jörg Becker vom ADAC. Auch in einer großen Stadt. Besonders problematisch sei der Ost-West-Verkehr, für den es in Mitte nur drei Haupttrassen gebe: die Invalidenstraße, den Straßenzug Unter den Linden und Straße des 17. Juni mit der Umfahrung des Brandenburger Tores und die Leipziger Straße.

Mindestens zwei Jahre ist derzeit die Invalidenstraße stauträchtig. Zwischen Gartenstraße und Hessischer Straße wird der Verkehr Richtung Moabit über Nebenstraßen umgeleitet, um Gleise für die Straßenbahn bauen zu können. Danach geht es jeweils einspurig weiter fast bis zum Hauptbahnhof. Vor dem Hauptbahnhof stoppen die Arbeiten für den S-Bahn-Anschluss an den Nordring den Verkehr. Autofahrer berichten, dass sie länger als eine halben Stunde im Stau standen und nicht vom Fleck kamen.

Wenn auch noch die Straße des 17. Juni, auf der gern Feste gefeiert werden, dichtgemacht wird, drohe der Ost-West- Verkehr zusammenzubrechen, befürchtet Becker. Baustellen mit zum Teil erheblichen Einschränkungen gibt es unter anderem bereits auf der Wilhelmstraße, der Dorotheenstraße, der Schadowstraße, der Behrenstraße, der Friedrichstraße sowie der Rathausstraße und der Spandauer Straße. Auch Unter den Linden und auf der Leipziger Straße gibt es abschnittsweise nur zwei statt drei Spuren.

Man arbeite daran, die Koordination der Baustellen zu verbessern, sagte der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, Mathias Gille. Dies hatte Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zuletzt im Februar versprochen, als sie das Anti-Schlagloch-Programm für dieses Jahr verkündete. Auch diese Arbeiten führten dazu, dass die Zahl der Baustellen stieg.

Genehmigt werden die Arbeiten für die übergeordneten Straßen von der Verkehrslenkung, die zur Stadtentwicklungsverwaltung gehört. Sie legt zusammen mit der Polizei auch fest, ob und wie der Verkehr zu regeln ist. Für die anderen Straßen sind die Bezirke zuständig. Immer wieder kommt es vor, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere plant. Und plötzlich reiht sich Baustelle an Baustelle, und alle Beteiligten geben sich dann überrascht. In der Regel wird dann überall weitergebaut, weil auch Verträge mit den ausführenden Firmen eingehalten werden müssen.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Am künftigen Umweltministerium an der Stresemannstraße in Mitte, für dessen Um- und Neubau seit weit mehr als einem Jahr zwei Fahrstreifen gesperrt sind, ziehen die Arbeiter bald ab. Die Einschränkungen können aufgehoben werden.

49 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben