Deutsche Bahn : Immer mehr Beschwerden über Berliner S-Bahn

Immer mehr Berliner beschweren sich über die S-Bahn. Die Zahl der Klagen ist um 36 Prozent gestiegen. Ex-Bahnchef Mehdorn hatte der S-Bahn Berlin einen extremen Sparkurs verordnet. Nach seinem Fortgang hoffen nicht nur Passagiere auf Verbesserungen. Wie ist Ihre Meinung zur S-Bahn?

Klaus Kurpjuweit
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Jetzt aber zügig. Die S-Bahn bekommt Ärger mit ihren Fahrgästen. -Foto: ddp

Die Bahn AG hegt große Hoffnungen: Mit einem neuen Mann an ihrer Spitze soll es auch mit der S-Bahn in Berlin wieder aufwärts gehen. „Im Vordergrund kann dann wieder der Fahrgast stehen und nicht mehr der Profit“, zeigt sich der Betriebsratsvorsitzende der S-Bahn, Heiner Wegner, optimistisch. Auch der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, wünscht sich, dass der neue Bahnchef Rüdiger Grube die S-Bahn wieder zu einem Vorzeigeunternehmen macht. Die S-Bahn Berlin ist eine Tochter des Bahn-Konzerns.

Der vom bisherigen Bahnchef Hartmut Mehdorn verordnete extreme Sparkurs bei der S-Bahn hat zu einer großen Unzufriedenheit unter Fahrgästen und Mitarbeitern geführt. Nach Angaben der S-Bahn ist die Zahl der Kundenbeschwerden erheblich gestiegen. Gab es 2007 noch rund 4700 Eingaben, stieg die Zahl 2008 auf über 6400 – eine Zunahme um 36 Prozent. Meist ging es um unpünktliche oder ausgefallene Züge. 2003 hatten sich noch lediglich 2700 Fahrgäste beschwert. Danach begann der Sparkurs.

Die S-Bahn musste demnach Jahr für Jahr einen steigenden Gewinn an den Mutterkonzern abführen; 2007 waren es rund 34 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr war die erwartete Summe dem Vernehmen nach noch höher. Ursprünglich sollte der Gewinn 2010 sogar auf 125 Millionen Euro klettern. Gleichzeitig wurden Investitionen stark gekürzt.

Um das vorgegebene Gewinnziel zu erreichen, strich die S-Bahn rigoros Stellen. Von einst mehr als 5000 Mitarbeitern sind heute noch knapp 3000 im Unternehmen beschäftigt. Auf vielen Bahnhöfen sind die Zugabfertiger bereits wegrationalisiert, obwohl die Technik für die Abfertigung durch die Triebfahrzeugführer bis heute nicht funktioniert. Personalmangel in den Werkstätten und das Schließen von Standorten führten dazu, dass Züge nicht mehr so schnell wie früher repariert werden konnten. Auch die Zahl der Fahrzeuge wurde in den vergangenen Jahren stark verringert; ausrangierte Züge wanderten auf den Schrott. Statt mit den möglichen acht Wagen setzt die S-Bahn auch auf nachfragestarken Strecken wie dem Ring nur noch Sechs-Wagen-Züge ein. Die Geschäftsführung prüft jetzt aber, ob bereits abgestellte Züge wieder in den Betrieb gehen können. Weil die S-Bahn die vertraglichen Vorgaben nicht voll erfüllt hatte, kürzte der Senat den Zuschuss fürs vergangene Jahr um fünf Millionen Euro.

„Qualität und Zuverlässigkeit“ bei der S-Bahn müsse das Ziel des neuen Bahnchefs sein, fordert Wegner. Nach einem solchen deutlichen Zeichen zögen dann sicher auch die Mitarbeiter mit, die zwischenzeitlich auf große Distanz zur Geschäftsführung gegangen seien.

Franz erwartet, dass der Neue den rigiden Sparkurs aufgibt und der S-Bahn wieder mehr Geld für Investitionen lässt. Derzeit sei das Unternehmen nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik.

Der VBB-Chef hofft zudem, dass der neue Bahnchef auch den Fernverkehr voranbringt. Bessere Verbindungen müsse es von Berlin vor allem nach Warschau, Breslau und Stettin geben. Der Verkehr in Berlin und Brandenburg müsse für die Bahn wieder wichtiger werden als zum Beispiel ein Projekt in China.

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