Entschädigung : Auf Kosten der S-Bahn

Die Berliner S-Bahn will ihre Fahrgäste erneut entschädigen. Wie soll das konkret ablaufen?

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70 Millionen Euro will Bahn-Chef Rüdiger Grube aufbringen, um die Fahrgäste der Berliner S-Bahn zu entschädigen, doppelt so viel wie im vergangenen Dezember. Betrieb nach Fahrplan wird es aber frühestens Ende 2010 geben. Und ein normaler Betrieb mit der vollen Wagenzahl ist erst im kommenden Jahr möglich.

Wer bekommt eine Entschädigung?

Wichtig ist: Entschädigt werden – wie bereits im vergangenen Dezember – alle Fahrgäste in Berlin und im Umland, egal, ob sie mit der S-Bahn fahren oder nicht. Es spielt auch keine Rolle, bei welchem Verkehrsbetrieb der Fahrschein oder die Monatskarte gekauft worden ist.

Wie sehen die Modalitäten aus?

Auch hier orientiert sich die Bahn an den Regeln aus dem vergangenen Jahr. Abonnenten und Inhaber von Jahreskarten sowie Studenten in Berlin, Potsdam und Wildau können zwei Monate lang gratis fahren. Den „Nulltarif“ solle es möglichst schnell geben, kündigte Grube an. Vielleicht schon im März. Wer sich den Betrag für Zeitkarten vom Konto abbuchen lässt, erhält den Monatsbetrag zwei Mal gutgeschrieben; wer sich die Karten am Schalter gekauft hat, erhält dort bei Vorlage der Marken jeweils 15 Euro in bar. Dies gilt auch für das Sozialticket. Bei gleitenden Monatskarten verlängert sich die Gültigkeit um zwei Wochen. Zudem sollen an mehreren Wochenenden Einzelfahrscheine wieder zu Tageskarten werden. Termine stehen noch nicht fest. Denkbar seien Wochenenden zu Ostern, Pfingsten oder am Tag der Deutschen Einheit, sagte Grube.

Haben sich die Regelungen im vergangenen Jahr bewährt?

Im Großen und Ganzen schon. Allerdings wurde für die Aktion am Wochenende mit dem Einzelfahrschein als Tageskarte kaum geworben. An Automaten fehlte der Hinweis, und selbst am Schalter wurden Kunden für Hin- und Rückfahrten Einzelkarten verkauft, obwohl das an diesen Tagen nicht nötig war. Schwierig war es, beim Semesterticket der Studenten eine Lösung zu finden, die es bei mehreren Universitäten bis heute nicht gibt. Hier will Bahn-Chef Grube jetzt selbst eingreifen.

Warum ist der Normalfahrplan erst Ende 2010 möglich?

Die S-Bahn muss ihre 1000 Wagen der neuesten Baureihe 481 nach dem Bruch eines Rades im vergangenen Mai weiter aufwändig untersuchen, was lange Aufenthalte in den Werkstätten erfordert. Zudem sind in den vergangenen Wochen alle Fahrzeuge komplett durchgeprüft worden, um weitere Schwachstellen aufzudecken. Inzwischen hat man für jedes Fahrzeug einen detaillierten Reparaturplan ausgearbeitet, so dass man weiß, wie lange die Züge in den Werkstätten sein müssen.

Warum hat die S-Bahn ihr Einsatz-Konzept geändert?

Bisher setzte die S-Bahn reparierte Züge gleich wieder im Normalbetrieb ein. Dadurch schwankte täglich die Zahl der einsetzbaren Fahrzeuge, was es oft schwierig machte, selbst den Notfahrplan einzuhalten. Jetzt will die S-Bahn fertig untersuchte Züge zunächst als Reserve verwenden und nur zu festgelegten Terminen in den Fahrgastbetrieb bringen. Stufenweise soll so die Zahl der einsetzbaren Fahrzeuge erhöht werden – von 634 Wagen am gestrigen Donnerstag auf exakt 1002 im Dezember. Für einen Normalbetrieb sind in Spitzenzeiten 1100 Wagen erforderlich. Insgesamt besitzt die S-Bahn 1260 Wagen.

Warum fehlen der S-Bahn Wagen?

Die S-Bahn hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Wagen verschrottet, um Kosten bei der Wartung zu sparen. Daher waren schon vor der jetzigen Krise seit Jahren selbst auf dem nachfragestarken Ring die Züge nur mit sechs statt acht Wagen unterwegs. Nun werden 40 bereits abgestellte Wagen wieder instandgesetzt – von Fremdfirmen, da der S-Bahn die Kapazitäten in den eigenen Werkstätten fehlen. Auch aufwändige Regeluntersuchungen müssen inzwischen in Dessau und Wittenberge vorgenommen werden, obwohl die S-Bahn die vor vier Jahren geschlossene Werkstatt Friedrichsfelde – in kleinem Umfang – wieder in Betrieb genommen hat.

Warum bestellt die S-Bahn keine neuen Züge?

Das Berliner S-Bahn-System ist technisch einmalig auf der Welt. Hier können nur speziell konstruierte Fahrzeuge eingesetzt werden. Da die Bahn nicht weiß, ob sie nach dem Auslaufen des Verkehrsvertrags Ende 2017 noch im gesamten Netz fahren darf, bestellt sie keine neuen Züge. Ob der Ring und die Strecken Richtung Schöneweide, Schönefeld und Königs- Wusterhausen ausgeschrieben werden, will der Senat in einem Jahr entscheiden.

Hat das Gipfeltreffen am Donnerstag Fortschritte gebracht?

Sicher nicht. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete das Treffen mit dem Bahn-Chef auch nur als normales Gespräch. Kontakte gebe es auch ohne feste Termine. Ihre Entscheidungen auch zur Entschädigung hatte die Bahn schon vorher getroffen.

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