Entschädigung : S-Bahn verkauft Monatskarten jetzt billiger – an alle

Belohnung fürs Durchhalten im Chaos: Auf Dezember-Marken gibt es von der S-Bahn jetzt 15 Euro Rabatt. 25.000 Stammkunden wurden schon entschädigt. Wer jedoch auch aus Wut sein Abo gekündigt hat, geht leer aus.

Klaus Kurpjuweit

Fahrkarten für Bahnen und Busse werden einen Monat lang billiger. Die S-Bahn verkauft jetzt Tickets für Dezember an ihren Schaltern und Automaten mit einem Rabatt in Höhe von 15 Euro. Die BVG folgt aus technischen Gründen erst am 16. November. Der Rabatt gehört zum Entschädigungsprogramm der S-Bahn, das am 8. Oktober begonnen hat. Mehr als 25 000 Stammkunden, die ihre Jahreskarten bar gezahlt hatten, haben sich seither nach Angaben der Bahn einen Monatsbetrag an den Schaltern erstatten lassen. Abonnenten müssen bis Dezember warten. In diesem Monat wird ihnen nichts abgebucht. Aber nur, wenn ihr Vertrag auch für Dezember gilt.

Wer sein Abo vorher aufgegeben hat, wird nicht entschädigt, obwohl die S-Bahn seit Juni ihr Angebot drastisch eingeschränkt hat. Die S-Bahn wollte so erreichen, dass möglichst wenig Kunden abspringen. Die Folge: Fahrgäste, die seit dem Sommer lange auf Züge warten und sich in volle Wagen quetschen mussten und jetzt kein Abo mehr haben, gehen leer aus. Neukunden, die die Erschwernisse der vergangenen Monate dagegen gar nicht ertragen mussten, kommen in den Genuss der Freifahrt im Dezember, wenn sie ihren Vertrag bis zum 10. November abschließen.

BVG und S-Bahn werben inzwischen sogar mit diesen Folgen des Desasters und preisen das Angebot für neue Kunden so an: „Zwölf Monate fahren, aber nur neun Monate bezahlen.“ Normalerweise reduziert sich der Abo-Preis nur um zwei Monatsbeträge.

Kunden, die bereits ein Dezember-Ticket zum vollen Preis gekauft haben oder noch kaufen, können es sofort an den Schaltern der S-Bahn umtauschen und erhalten ebenfalls 15 Euro zurück. Wer es jetzt nicht schafft, kann sich das Geld auch noch im Januar gegen Vorlage der Dezember-Marke zurückholen. Die Regelungen gelten für Umweltkarten, das Berlin-Ticket S, das 10-Uhr-Monatsticket sowie Azubi- und Schülertickets und Geschwisterkarten – egal, bei welchem Verkehrsbetrieb sie gekauft worden sind.

Freifahrten im Dezember erhalten auch Studenten mit dem Semesterticket; im Dezember gültige gleitende Monatskarten gelten sieben Tage länger, und Einzelfahrausweise werden an den Adventswochenenden zu Tageskarten.

Mit kleinen Schritten steuert die S-Bahn unterdessen in Richtung Normalbetrieb. Vom heutigen Montag an will sie weitere Fahrzeuge einsetzen. Allerdings erhöht sich die Zahl der verfügbaren Viertelzüge, die aus zwei Wagen bestehen, dieses Mal nur um zehn auf dann insgesamt 350. Im Normalbetrieb sind in Spitzenzeiten 552 erforderlich.

Etwas verbessern kann die S-Bahn ihr Angebot auf der S 1 (Potsdam–Oranienburg) zwischen Anhalter Bahnhof und Frohnau. Auf diesem Abschnitt sind die Bahnen derzeit nur alle 20 Minuten unterwegs. Im Regelfahrplan ist ein Zehn-Minuten-Verkehr festgelegt. Von montags bis freitags gibt es nun zunächst zwei zusätzliche Fahrten in der morgendlichen Hauptverkehrszeit, wobei die Bahnen fünf Minuten vor den üblichen Zügen in Frohnau um 7.24 Uhr und 7.44 Uhr abfahren. Im Anhalter Bahnhof starten die Züge Richtung Frohnau um 6.36 Uhr und 6.56 Uhr. Ansonsten bleibt es auf dem Nordabschnitt der S 1 aber beim unattraktiven 20-Minuten-Verkehr.

Mehr Platz gibt es zudem in den Bahnen der S 3 ( Erkner–Westkreuz), weil die S-Bahn hier nun wieder Züge mit acht statt mit sechs Wagen einsetzen kann.

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