Fahrradbeauftragter : Neuer Verkehrsplaner mit Trittkraft

Der TU-Forscher Arvid Krenz ist neuer Fahrradbeauftragter des Senats. Zwei Dinge liegen ihm besonders am Herzen: Sicherheit und zügiges Vorankommen.

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Sattelfest. Arvid Krenz will mehr Berliner aufs Rad bringen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Sattelfest. Arvid Krenz will mehr Berliner aufs Rad bringen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Na, heute mal nicht mit dem Auto hier?“, ruft ein Kollege zu Arvid Krenz zu, als der gerade für die Fotografin mit seinem Fahrrad posiert. Krenz kann guten Gewissens darüber lachen: Er hat gar kein Auto. Zwar leiht er sich manchmal eins, aber er radelt täglich die zehn Kilometer von Steglitz zu seiner Arbeitsstelle an der Technischen Universität und zurück. Krenz ist Verkehrsplaner an der TU. Er forscht mit seinen Studenten zur Akzeptanz von Radfahrstreifen in Mittellage. Letzteres umfasst etwa die Frage, ob sich ein Durchschnittsradler an der Kreuzung wirklich auf eine Radspur zwischen abbiegende und geradeaus fahrende Autos traut oder doch lieber verbotenerweise auf dem Gehweg fährt.

Das alles lässt auf maximale Kompetenz des 33-Jährigen hoffen, der zum neuen Fahrradbeauftragten des Senats ernannt worden ist. Laut Vertrag soll er Berater und kritischer Begleiter für die Berliner Radverkehrspolitik sein. Zwei Dinge liegen ihm besonders am Herzen: Sicherheit und zügiges Vorankommen. „Als Pragmatiker brauche ich ein schnelles Netz“, sagt Krenz. Nichts gegen die Tangenten und Spangen genannten Routen, die der Senat sukzessive herrichten lässt. Aber Krenz findet diese Art Netz zu weitmaschig und unübersichtlich: Die eigentlich attraktiven Routen, die vor allem über Nebenstraßen und Parkwege verlaufen, seien schwer zu finden. Als Ergänzung will Krenz deshalb die Radler auf die schnellen Verbindungen holen – und das sind in vielen Fällen die Hauptverkehrsstraßen. Unter denen gibt es aus Sicht von Krenz hoffnungslose Fälle wie die Potsdamer Straße, der wohl nur ein Komplettumbau hilft. Viele Defizite seien aber mit relativ geringem Aufwand zu beseitigen: Unübersichtliche Kreuzungen, im Nichts endende Radwege, zugeparkte Auf- und Abfahrten. „Wenn die Infrastruktur stimmt, kommt der Rest von selbst“, sagt Krenz und meint damit die aktuell 13 Prozent Radverkehrsanteil: „Da ist noch viel Luft nach oben.“

Um in höhere Regionen vorzudringen, will er die Leute auch nicht zu ihrem Glück zwingen: Wenn sich viele auf den – nach der Statistik weit gefährlicheren – Radwegen neben dem Gehweg subjektiv sicher fühlten, müsse man sie nicht auf Fahrradspuren auf der Straße zwingen. „Die konventionellen Radwege müssen nicht zwangsläufig unsicherer sein“, sagt Krenz. „Aber bei ihrer Planung kann man mehr falsch machen als bei Radspuren.“

Der Verkehrsplaner wird besonders deutlich, wenn es um die ewige Frage von Gut und Böse geht, die Auto- und Radfahrer entzweit. Krenz teilt keine Adjektive aus, sondern sagt beispielsweise: „Wer sein Auto falsch vor der Kreuzung parkt, denkt nicht daran, dass er wichtige Sichtbeziehungen verhindert. Und wer auf der linken Seite radelt, vergisst, dass er an der nächsten Einmündung auf einen Autofahrer trifft, der nicht mit ihm rechnet.“

In dieselbe Rubrik fallen für Krenz auch die ständig zugeparkten Fahrradspuren auf der Straße: Der Fluch des Radlers über den Falschparker zählt für Krenz weniger als die objektive Gefährdung durch notwendige Ausweichmanöver. Solche Dinge will sich Krenz genauer anschauen. In der Unfallkommission aus Polizei und Verkehrsexperten der Verwaltung sitzt er schon. Im Radlerclub ADFC ist er ebenfalls Mitglied. Als nächstes will er sich mit Verkehrsstaatssektretärin Maria Krautzberger und mit den Tiefbauamtsleitern der Bezirke treffen. Mit denen wird er reichlich zu tun haben, denn zu seinem Job gehört auch die Weitergabe von konkreten Problemen. Die können ihm unter fahrradbeauftragter@senstadt.berlin.de gemailt werden. So wird er bald genau erfahren, wie es aus Radlersicht um die Stadt bestellt ist. Stefan Jacobs

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