Flughafen-Anbindung : Grüne suchen neue Wege zu BBI

Während die Bahn immer noch grübelt, wie sie den geplante Großflughafen BBI in Schönefeld mit dem Stadtzentrum verbinden hat Grünen-Verkehrspolitikerin Claudia Hämmerling ein Konzept vorgelegt.

Stefan Jacobs

Die gemeinsame Arbeitsgruppe der Bahn mit Flughafengesellschaft und den Landesverwaltungen habe noch keine abschließende Lösung gefunden, hieß es gestern. Grund genug für die Grünen-Verkehrspolitikerin Claudia Hämmerling, mit eigenen Vorschlägen in die Lücke zu stoßen: Sie präsentierte Vorschläge, wie BBI ab 2011 angebunden werden kann, obwohl bis dahin weder die Dresdner Bahn durch Lichtenrade aufgebaut noch das Ostkreuz saniert sein werden. In Lichtenrade kämpft eine Bürgerinitiative gegen den ebenerdigen Neubau von Fernbahngleisen durchs Wohngebiet. Und am Ostkreuz muss wegen des Umbaus nicht nur die aus der Innenstadt nach Schönefeld fahrende S 9 für mehrere Jahre unterbrochen, sondern auch der Regionalverkehr eingeschränkt werden.

Hämmerlings Verkehrskonzept beruht im Wesentlichen auf „Duo-S-Bahnen“, die sowohl auf Fernbahngleisen mit Oberleitung als auch auf S-Bahn-Trassen mit seitlicher Stromschiene fahren können. Solche Züge, wie sie die Bahn in Hamburg einsetzt, will Hämmerling von Nord nach Süd durch die City fahren lassen: Durch Hauptbahnhof und Südkreuz zum Flughafen. Zwar sei dafür allerlei Aufwand nötig, aber unterm Strich wäre dieses Konzept nach Ansicht von Hämmerling trotzdem vergleichsweise günstig: Weil die Duo- Bahn auf bereits vorhandenen Gleisen fahren würde, könnte man sich neue Tunnel für insgesamt 500 Millionen Euro sparen, die bei dem geplanten Bau einer separaten Nord-Süd-S-Bahn fällig wären.

202283_1_xio-image-47bf177ac73c9.heprodimagesgrafics83120080223ber_bbi_bahnanbindung.jpg

Die Bahn will das Konzept nicht gänzlich ausschließen, macht aber auf verschiedene Probleme aufmerksam: Für die Duo-Züge müssten nicht nur Bahnsteige und Technik umgebaut werden, sondern möglicherweise auch ganze Trassen, weil diese Züge schwerer seien als normale S-Bahnen. Durch die Vermischung von Fern- und S-Bahn-Netz würden sich Verspätungen auf beide Bereiche auswirken, und nach Fertigstellung der Dresdner Bahn wären die teuer gekauften Duo- Züge überflüssig. Hämmerling würde diese dann durch den Berliner Osten zum Flughafen führen.

Auch die anderen Wege zum Flughafen will die Grüne neu planen lassen: Die S-Bahn solle nahe der Autobahn zum Terminal fahren, statt die vorgesehene Acht- Kilometer-Schleife über Waßmannsdorf zu nehmen. Dieser Umweg addiert sich laut Hämmerling auf 650 000 gefahrene Kilometer und fünf Millionen Euro Zuschusskosten pro Jahr. Dazu heißt es bei der Bahn aber: „Zu spät, die Bauaufträge sind schon vergeben.“ Jedoch stellt die Grüne auch die östliche, noch nicht genehmigte BBI-Anbindung infrage: Statt eine Schneise durch den Bohnsdorfer Wald zu schlagen und Klagen von Naturschützern zu riskieren, sollten die Gleise ebenfalls an der Autobahn verlaufen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben