Flughafen BBI : Am Himmel über Berlin bleibt es laut

Auch nach Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg im Juni 2012 müssen Berliner mit Fluglärm leben: Die geplanten Start- und Landerouten führen über die Hauptstadt. Laut wird es in Wannsee.

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Lufthansa-Maschine im Anflug auf Tegel.
Lufthansa-Maschine im Anflug auf Tegel.Foto: ddp

Am Himmel über Berlin bleibt es laut – auch nach der Inbetriebnahme des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg in Schönefeld voraussichtlich am 3. Juni 2012. Einige der neuen Routen für die Flugzeuge von und zum Flughafen „Willy Brandt“ führen nämlich über die Stadt. Im Norden wird es durch die Aufgabe des Betriebs in Tegel dann zwar ruhiger, über dem Zentrum und im Süden jedoch lauter als heute – den meisten Krach gibt es dabei über Wannsee.

Der Lärm sei aber auf jeden Fall geringer als heute beim An- und Abflug in Tegel oder früher in Tempelhof, beruhigt die Deutsche Flugsicherung (DFS), die die Routenmodelle ausgearbeitet hat. Festgelegt werden sie erst nach einem komplizierten Prozedere. Nach dem DFS-Konzept sollen die Flugzeuge in Wannsee die besonders laute Startphase zwar schon hinter sich haben, aber trotzdem noch verhältnismäßig niedrig fliegen. Über der Stadt sind sie dann weiter gestiegen, so dass dort der Lärm geringer sein wird. Bei wolkenfreiem Himmel sind die Maschinen auch dort auf jeden Fall zu sehen. Und Experten verweisen darauf, dass man „Fluglärm mehr sieht als hört“, das heißt, subjektiv wird der Lärm bei Sicht auf das Flugzeug stärker empfunden als er tatsächlich ist.

Theoretisch könnten die Lotsen die Maschinen auch weiträumig um Berlin herum leiten; über weniger dicht besiedeltes Gebiet. „Doch bei der Planung von Routen müssen wir auch unserem gesetzlichen Auftrag folgen“,sagt der Sprecher der Berliner Lotsen, Stefan Jaekel. Einzelheiten zu den Routen nannte er nicht. Das Luftverkehrsgesetz schreibe aber vor, den Verkehr nicht nur sicher und geordnet, sondern auch „flüssig“ und möglichst umweltfreundlich“ abzuwickeln. Gegen Umwege würden Passagiere und Fluggesellschaften protestieren.

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Starts und Landungen sollen grundsätzlich gegen den Wind stattfinden. Da im Berliner Raum der Wind vorwiegend aus Westen bläst, würden auf der Nordbahn startende Maschinen nur Richtung Osten über die Stadt brummen. Hier ist der Verkehr derzeit noch relativ gering, die Hauptrouten führen nach Westen und Süden. Erfolgt der Start aber bei Ostwind, geht es auch Richtung Westen und Süden von der Nordbahn aus über die Stadt.

Im Flughafenbereich führt die Westroute nach den bisherigen Plänen der Flugsicherung in Zukunft an Blankenfelde vorbei, das derzeit noch überflogen wird. Dagegen wird es über Rangsdorf, Königs Wusterhausen oder Zeuthen wohl deutlich mehr Verkehr geben. Auch bei Teltow liegt die Route künftig näher an der Stadt.

Die Flugsicherung hat ihre Pläne am Montag der Fluglärmkommission für Schönefeld vorgestellt. Dort haben der Bürgerverein Brandenburg-Berlin und die Schutzgemeinschaft der Umlandgemeinden ein eigenes Konzept präsentiert, das der Gutachter Dieter Faulenbach da Costa erstellt hat. Er will durch einen „geknickten Anflug“, der Siedlungsgebiete meidet, sowie mit einem steileren Anflugwinkel erreichen, dass die Zahl der Lärmbetroffenen sinkt. Beide Verfahren sind am Montag für den Flughafen Frankfurt (Main) getestet worden. Sollten sie eingeführt werden, würde man dies auch für Schönefeld prüfen, sagte Jaekel. Festgelegt werden die Routen endgültig vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, das sich zuvor mit dem Justizministerium und dem Umweltbundesamt abstimmt.

Wäre der Flughafen, wie auch erwogen, rund 40 Kilometer südlich von Berlin in Sperenberg gebaut worden, wäre die Stadt vom Fluglärm verschont geblieben. Den Standort Schönefeld hatten damals der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen mit Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (beide CDU) gegen den ursprünglichen Willen von Brandenburgs damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) durchgesetzt.

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