Flughafen BBI : In den Sand gesetzt

Die BBI-Baustelle wächst zusehends. Ostern konnten sich hier Neugierige umschauen. Für zwei Euro gab's einen Film plus Überblick vom Aussichtsturm, für acht eine Busrundfahrt über die Baustelle und für 55 Euro den siebenminütigen Helikopterflug über den Wald aus Kränen.

Stefan Jacobs
BBI
Mondlandschaft. Die noch vorhandene Landebahn in Schönefeld wird auch künftig genutzt. Zwei Kilometer südlich entsteht zurzeit für...Foto: Uwe Steinert

Schönefeld - Die Orientierung ist schon weg, bevor man da ist. Immer wieder knickt die Baustraße vor provisorischen Zäunen ab, unterquert halbfertige Brücken, kreuzt Straßen, die keine Karte kennt. Über den Sandbergen ringsum flirrt die Luft. Bis sich schließlich eine Staubfläche auftut, auf der ein junger Mensch in Warnweste mit den Armen rudert: „Parkense lieber hinten bei den Bäumen, sonst wird Ihr Auto gesandstrahlt, wenn der Helikopter landet!“

Bei den Bäumen – die einzigen hier – parken schon viele. Die meisten ahnen wohl nicht, dass sie im Zentrum des inzwischen umgesiedelten Dorfes Diepensee stehen und die Bäume einst dem Friedhof Schatten spendeten. Jetzt befinden sie sich in der Mitte des künftigen Flughafens BBI. Zu Ostern wollte die Flughafengesellschaft auf die größte Baustelle der Region aufmerksam machen und hat deshalb zum Besuch geladen: Für zwei Euro gibt’s einen Film plus Überblick vom Aussichtsturm, für acht eine Busrundfahrt über die Baustelle und für 55 Euro den siebenminütigen Helikopterflug über den Wald aus Kränen, der hinter den Sandbergen reglos in den Himmel ragt.

Werktags arbeiten hier 2000 Leute, spricht Manfred Mikoleit ins Mikrofon des komplett besetzten Baustellenbusses. „Demnächst werden es 4000 sein. Dann wird in drei Schichten gearbeitet.“ Erst vor wenigen Tagen hatte die brandenburgische Arbeitsministerin Dagmar Ziegler mitgeteilt, dass flächendeckende Arbeitsschutzkontrollen auf einer so großen Baustelle unmöglich seien, man aber im vergangenen Jahr immerhin 218 Mal aktiv wurde und im März auch einen „Präventionsstützpunkt“ eingerichtet habe.

Während vor dem Busfenster die bunten Stahlstützen des Terminal-Rohbaus wie ein Riesenmikado in der Sonne leuchten, lässt Mikoleit ein Zahlengewitter niederprasseln: „3,5 Millionen Tonnen stellt das Betonwerk dort hinten her. Sechs Güterzüge voll Kies, Zement oder Splitt pro Tag. Das vermeidet 600 000 Lkw-Fahrten, also 500 pro Tag. Ach, der Haufen hier rechts ist übrigens die geschredderte alte Nordbahn.“ Mikoleit redet von Rüttelstopfsäulen, Fluggastbrücken und Gepäckförderanlagen und kann kaum schnell genug sprechen, obwohl der Bus nur mit Tempo 20 über die Baustelle schaukelt. Hin und wieder schnauft ein Passagier leise. Es ist ja auch eine Herausforderung fürs Ausflüglerauge, den Verbleib der ersten Milliarde Euros zu erkennen, da sie überwiegend in den Sand gesetzt worden ist. Vor allem in Gestalt des sechsgleisigen Bahnhofs in doppelter ICE-Länge, der sich zwar ganz nahe beim Bus, aber unter einer gut zwei Meter dicken Betondecke befindet. Aus der wachsen jetzt die Stützen fürs Terminal, sodass der Flughafen aus der Mondlandschaft ringsum herauszuragen beginnt. In einem Jahr soll Richtfest sein, bereits ab dem Sommer baut die Bahn Gleise und Technik in den Tunnelrohling ein.

Im Spätsommer sollen auch die Nachtflugregelungen vorgelegt werden, deren Überarbeitung das Bundesverwaltungsgericht verlangt hatte. Vor allem um die „Nachtrandzeiten“, also 22 Uhr bis Mitternacht sowie morgens zwischen fünf und sechs, wird wohl erneut vor Gericht gestritten werden. Denn ganz so menschenleer, wie es von hier aus scheint, ist die Umgebung des Flughafens keineswegs.

Man ahnt es zumindest, wenn man den Aussichtsturm erklimmt, dessen Besuch Mikoleit zum Abschluss empfiehlt. Aus 32 Metern Höhe reicht der Blick über frühlingsfrisch grüne Wiesen und rote Ziegeldächer bis zu den Müggelbergen im Osten und dem Berliner Stadtzentrum im Norden. Der Fernsehturm sieht sogar ziemlich nahe aus. Wahrscheinlich war diese Erkenntnis auch das, worauf es der Flughafengesellschaft bei ihrer Osterparty ankam: BBI ist nicht jwd, sondern direkt am Rande der Stadt.

Der Busfahrer ist startbereit für die nächste Tour, wieder sind alle Plätze belegt. „Gestern habe ich 250 Leute gefahren, und mein Kollege ebenso viele“, sagt er. Und die Blondine, die ein paar Schritte weiter die Hubschraubertickets verkauft, schaut in ihre Liste: „16 Mal sind wir heute schon geflogen, und für die nächsten drei Stunden ist alles ausgebucht.“ Wer diesmal nicht mitkam oder den Flugpreis noch zusammensparen muss, hat am ersten Maiwochenende die nächste Chance. Dann dürfte die Wüste von Schönefeld schon wieder etwas mehr nach Flughafen aussehen als jetzt.

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