Flughafen BBI : Sollen die Flugzeuge um die Stadt herumgeleitet werden?

Die Routen der Maschinen aus Schönefeld sollen direkt über Berlin führen. An den meisten deutschen Flughäfen weichen sie aus. Was denken Sie über die Pläne? Diskutieren Sie mit!

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Auf neuem Kurs. Wenn der alte Flughafen in Schönefeld geschlossen wird, müssen neue Routen für die Starts und Landungen festgelegt werden. Davon hängt ab, wer vom Krach der Triebwerke betroffen sein wird. Mehrere „Luftstraßen“ sollen nach den derzeitigen Plänen auch über das Berliner Stadtgebiet führen. Foto: Mike Wolff
Auf neuem Kurs. Wenn der alte Flughafen in Schönefeld geschlossen wird, müssen neue Routen für die Starts und Landungen festgelegt...

Setzt sich die Deutsche Flugsicherung mit ihren Plänen durch, die Luftstraßen vom und zum neuen Flughafen Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“ in Schönefeld auch über große Teile Berlins zu führen, wäre die Stadt deutschlandweit als einzige derart betroffen. Nicht einmal in Frankfurt/Main, dem verkehrsreichsten Flughafen Deutschlands mit derzeit drei und bald vier Start- oder Landebahnen, führen so viele Routen über die Stadt, wie es die Lotsen in Berlin vorsehen. Noch ist aber in diesem Fall nichts entschieden.

Die Flugsicherung hat die Routen, bei denen, wie berichtet, der Süden Berlins und das Zentrum überflogen werden sollen, so gewählt, um den Verkehr in der Luft „sicher, geordnet und flüssig“ abwickeln zu können. Umwege um die Hauptstadt herum sind dabei nicht vorgesehen.

Da die Maschinen über der Stadt in einer Höhe von mindestens 10 000 Fuß (3 Kilometer) fliegen sollen, seien sie vor allem tagsüber im Verkehrslärm kaum zu hören, argumentiert die Flugsicherung. Über Wannsee allerdings sollen die Flugzeuge nur etwa 8000 Fuß (2,5 Kilometer) hoch sein, so dass es dort lauter würde. In Wannsee hat sich bereits eine Bürgerinitiative gegründet, gestern demonstrierten rund 80 ihrer Mitglieder gegen die umstrittenen Routen.

Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will sich einschalten. Ihr gehe es in erster Linie um die Sicherheit, dann folge der Lärmschutz und erst danach die Wirtschaftlichkeit der Fluglinien, die bei Umwegen mehr Treibstoff verbrauchen. Die Lufthansa hat allerdings bereits signalisiert, dass sie auch um die Stadt herumfliegen würde, falls die Routen doch so gewählt und der Nutzen nachgewiesen werde.

Dass Flüge um Ballungsgebiete herum möglich sind, zeigen die anderen Flughäfen. In Frankfurt / Main führt nur eine Route über s Stadtgebiet, in Hamburg sind es zwar mehrere, Flüge über dem Zentrum werden aber vermieden. Weitgehend überflugsfrei sind Düsseldorf, Leipzig, Köln, Stuttgart und München.

Bei der Klage gegen den Standort Schönefeld vor dem Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2006 waren Flugrouten über dem Stadtgebiet kein Thema. Die Richter argumentierten vielmehr, durch den Flugbetrieb ausschließlich in Schönefeld würden wesentlich weniger Menschen durch Lärm belastet und einer Unfallgefahr ausgesetzt als beim Betrieb der innerstädtischen Flughäfen bisher. Die Flughafengesellschaft verweist darauf, dass 200 000 Berliner vom Krach entlastet würden; etwa 42 000 in der Region hätten dagegen Nachteile.

Überrascht von den Plänen der Flugsicherung wurde man aber nicht nur in Berlin. Auch im Umfeld des Flughafens sollen sich die Routen zum Teil ändern. Profitieren würde dadurch zum Beispiel Blankenfelde, das nicht mehr überflogen würde. Dagegen würde es über Rangsdorf, Königs Wusterhausen oder Zeuthen wohl deutlich mehr Verkehr geben. Auch bei Teltow liegt die vorgesehene Flugroute näher an der Stadt. Dort organisiert die Rathausverwaltung bereits eine Unterschriftensammlung gegen die Pläne. Beim Überfliegen von bewohnten Gebieten gehe es um mehr als nur Lärm, argumentiert der Bürgerverein Brandenburg-Berlin. Auch die Belastung durch Schadstoffe müsse man berücksichtigen.

Die endgültigen Routen legt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung fest, das sich mit dem Bundesjustizministerium und dem Umweltbundesamt abstimmt.

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