Flughafen-Nachnutzung : Tempelhof-Ideen: Blumenmeer und Badesee

Die internationale Gartenschau IGA kommt nach Tempelhof. Anwohner haben noch viel mehr Wünsche, wie eine Umfrage ergab.

Rainer W. During
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Auf einer Wellenlänge. So mancher Anwohner des Tempelhofer Flughafengeländes würde gern mal hier baden gehen. -Fotomontage: Franziska Poreski & Christo Libu[

Lasst Blumen sprechen: Der Flughafen Tempelhof soll Austragungsort der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 201 werden. Am Mittwoch bestätigte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Nachricht, die der Tagesspiegel bereits veröffentlicht hatte. Es war ein Sieg ohne Konkurrenz, weil die Region Aachen ihre Kandidatur am Mittwoch zurückgezogen hatte. Berlin habe ein „hervorragendes Konzept“ abgeliefert, sagte Matthias Schmauder, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, die auch die IGA-Rechte vergibt. Die Gesellschafterversammlung der DBG hatte sich noch gestern in einer Sondersitzung „für die einmalige Chance zur Durchführung der IGA 2017 auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin“ entschieden. Zuvor hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) den Vertrag mit der Gesellschaft unterzeichnet.

Einzelheiten zur IGA im Jahr 2017 sollen in der kommenden Woche vorgestellt werden. Sie wird etwa ein Drittel der Freifläche des ehemaligen Flughafens einnehmen, sagte die Senatsbaudirektorin. Das werden vermutlich viele Anwohner gerne hören: Bei der Bürgerbefragung sprachen sich 61 Prozent der Teilnehmer für Ruhe und Entspannung aus, 65 Prozent für gepflegte Gartenbereiche mit Blumenbeeten und 77 Prozent für eine Gastronomie. „Das ist hervorragend mit der IGA abzudecken“, sagte Lüscher. Festzulegen sei noch, in welchen Bereichen des Geländes die Ausstellung stattfindet und welche Teile davon während der Laufzeit nur gegen Eintrittsgeld zugänglich sein werden.

Teile der IGA bleiben nach Veranstaltungsende dauerhaft erhalten und werden in den Landschaftspark integriert. Auf einer Internetseite konnten schon Vorschläge für das künftige Aussehen gemacht werden. Verwirklicht wurde bereits ein Softball-Spielfeld, im Mai 2010 folgt unweit der Oderstraße ein erlebnisorientierter Jugendspielplatz. Im zweiten Schritt der Bürgerbeteiligung wurden 10 000 Fragebogen verschickt und an die Teilnehmer zweier Bürgerveranstaltungen im Oktober verteilt. Dazu kamen 17 Gruppeninterviews, deren Teilnehmer zu 60 Prozent einen Migrationshintergrund hatten. Mit insgesamt rund 4200 Rückläufen habe man „die ganz breite Bevölkerung“ erreicht, sagte Lüscher. „Wir wissen jetzt sehr detailliert, was die Bürgerinnen und Bürger wollen.“

Danach steht über allem bei 86 Prozent der Befragten der Wunsch nach Sauberkeit, die klare Mehrzahl will den Zaun mit kontrollierten Zugängen behalten. Radfahrer sollen von Passanten getrennt, Hunde nur in abgegrenzten Bereichen erlaubt werden. Zwei Drittel der Teilnehmer sind für Aktionsbereiche mit Spielflächen, und eine große Mehrheit möchte, dass in der Anlage an die Flughafengeschichte erinnert wird.

Großes Interesse gibt es an naturbelassenen Geländeteilen und an einem Badesee mit Liegewiese. Jeder Vierte wäre bereit, eine Baumpatenschaft zu übernehmen oder an Pflegeaktionen teilzunehmen. Jeder Zehnte würde sogar Geld für das Gelände spenden. 50 Prozent der potenziellen Nutzer möchten in dem neuen Park grillen. Zu den weiteren Wünschen gehören ein Hügel zum Rodeln, Bereiche zum Inlineskating, Kilometermarkierungen für Jogger sowie ein Streichelzoo. Und WLAN auf dem Gelände wäre nach Ansicht einiger Befragter auch nicht schlecht. Ein Teilnehmer wünschte sich eine Anlage nach dem Vorbild des New Yorker Central-Parks „mit Biotopen und angestellten Rangern“ und legte gleich seine Bewerbung als Parkwächter bei.

Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung werden jetzt in die Ausschreibung zu dem zweiteiligen Parklandschaftswettbewerb einfließen, den die Stadtentwicklungsverwaltung im Februar startet. Dabei geht es zunächst um einen grünen Masterplan für das gesamte Areal. Bei einem Dialogwochenende im Frühsommer 2010 sollen die Ergebnisse dann vor Ort von den Bürgern mit Landschaftsarchitekten, Preisgericht und Verwaltung diskutiert werden. In der zweiten Phase werden dann ausgewählte Büros konkrete Realisierungsvorschläge ausarbeiten.

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