Flughafen-Schließung : Entwicklungshelfer für Tempelhof gesucht

In zwei Tagen schließt der Flughafen Tempelhof. Und dann? Das Land lässt Ideen sammeln, wie das riesige Terrain genutzt werden könnte. Eine Internationale Bauausstellung soll die Lösung bringen.

Matthias Oloew
Flughafen Tempelhof
Heute startet das letzte Flugzeug vom historischen Flughafen Berlins. Wir zeigen die Geschichte Tempelhofs in Bildern. -Foto: ddp

Die Entwicklung des Tempelhofer Feldes wird eine Langzeitaufgabe, und eine heiß diskutierte dazu. Die Stadtentwicklungsverwaltung möchte eine Internationale Bauausstellung (IBA) veranstalten. Die könnte 2010 starten – und bis 2020 dauern. Ob es dazu überhaupt kommt, muss der Senat erst entscheiden, denn eine solche Ausstellung kostet Geld. Ende 2009 wird er festlegen, ob die Schau stattfinden und welche Ausrichtung sie haben soll. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sieht in der IBA eine große Chance: „Sie wird uns helfen, dieses riesige Areal im Herzen der Stadt weiterzuentwickeln.“ IBAs gab es schon zwei Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in Berlin. Das Hansaviertel entstand im Rahmen der „Interbau“ und in den achtziger Jahren wurde in den Baulücken von Kreuzberg, Tiergarten und Tegel, die der Krieg hinterlassen hatte, gezeigt, wie sich Blockränder schließen lassen.

„Es geht um eine Metropolen-IBA für Berlin, die Antworten für die kompakte europäische Stadt sucht“, sagte Lüscher – und handelte sich damit prompt Kritik ein. Architekt Hans Kollhoff sagte im Tagesspiegel, was er von der Idee einer Tempelhof-IBA hält: gar nichts. „Wenn ich eine IBA veranstalten will, dann gehe ich damit in die Brachen mitten in der Stadt.“ Sein Beispiel: das Areal an der Heidestraße nördlich des Hauptbahnhofs.

Kern einer Tempelhof-IBA könnte das Feld mit der Parklandschaft und den zukünftigen Baufeldern, aber auch die Aufgabe einer Verflechtung mit den bestehenden Nachbarquartieren in Neukölln und Kreuzberg sein. Um die Grünflächen zu entwickeln, kann sich Lüscher auch eine Kooperation mit einer Internationalen Gartenausstellung vorstellen. Mit beiden Ausstellungen könnten die Ideen ausprobiert werden, die die Verwaltung derzeit mit ihrem Projektaufruf („Call for ideas“) sammelt. Lüscher freut sich über das Interesse: „Wir sehen seit Monaten deutlich, dass diese beeindruckende Immobilie und der Mythos Tempelhof die Phantasie vieler unterschiedlicher Investoren anregt.“ Mit dem Interessenbekundungsverfahren sollen für die Nachnutzung des Flughafengebäudes Partner und Investoren gefunden werden.

Zeitgleich hat die Verwaltung einen städtebaulichen Wettbewerb für das so- genannte Columbiaquartier gestartet. Er soll Ideen liefern für das Baufeld, das als Erstes entwickelt und auf dem in wenigen Jahren schon gebaut werden soll. Zeitgleich sollen Zwischennutzer Leben in den denkmalgeschützten Terminalbau bringen. Einige Ideen wurden da schon lange vor Beginn des Interessenbekundungsverfahrens bekannt: Konzertveranstalter haben ebenso Interesse an den Hangars wie die Bundeswehr mit ihrer Hubschrauber- und Flugzeugsammlung in Gatow. Auch das Alliiertenmuseum in Dahlem könnte sich einen Umzug an den zentralen Ort der Luftbrücke vorstellen.

Und dann sollen unter den mehr als einen Kilometer langen Dächern von Tempelhof vielleicht einmal Filme entstehen – wenn denn die Studios in Babelsberg ihre Ankündigung ernst meinten, dort Ateliers unterzubringen.

„Call for ideas“: Online nimmt die Stadtentwicklungsverwaltung bis zum 5. Januar Vorschläge entgegen. Informationen unter www.projektaufruf-tempelhof.de

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