Flughafen-Schließung. : Tempelhof bleibt Zentralflughafen

Abschied von Tempelhof? Nicht ganz. In 24 Tagen schließt der City-Airport. Der Schriftzug an der Haupthalle wird aber nicht demontiert.

Christian van Lessen

Tempelhof bleibt „Zentralflughafen“, davon ist jedenfalls Manuela Damianakis überzeugt, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Über den hohen schmalen Fenstern des Hauptgebäudes bleibt der Schriftzug erhalten, versichert sie, schränkt aber gleich ein: „Das ist meine persönliche Meinung.“ Zu einer offiziellen Aussage hat sich die Behörde noch nicht durchgerungen, sie hat sich mit dem Thema eigentlich noch gar nicht beschäftigt. Das Nachdenken über die Zukunft des Geländes ist drängender. Manuela Damianakis sagt, der Schriftzug „bleibt integriert“, was auch immer kommen mag – und so dürfte die Zukunft des Zentralflughafens vorerst gerettet sein.

Die Flughafengesellschaft hat dazu gar keine Meinung: Mit dem Namen habe allein die Senatsverwaltung zu tun. In Schönefeld gibt es übrigens auch den Schriftzug „Zentralflughafen“. In Tempelhof aber hat sich der klare, nachts leuchtende schnörkellose Schriftzug mit den Großbuchstaben eingeprägt, wird auch immer wieder gern in Filmen verwendet. Ist das ein Grund, ihn zu retten? Auf dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Deutschlandradios an der Kufsteiner Straße in Schöneberg blieb die markante Rias-Aufschrift erhalten. Auch die Flughafengebäude stehen unter Denkmalschutz, und eine Nachfrage im Landesdenkmalamt ergibt, dass „Zubehör und Ausstattung“ – dazu zählt der Schriftzug – geschützt sind. Veränderungen müssten von der Behörde genehmigt werden.

Auch scheint der Schriftzug seit Jahrzehnten mit der Fassade geradezu verwachsen. Als die große Abfertigungshalle, von den Nazis nie fertiggestellt, 1962 ihren Betrieb aufnahm, wurde der Schriftzug am jetzigen Platz angebracht. „Zentralflughafen“ hieß der Vorgänger-Flughafen schon 1923, als er die Konzession vom Verkehrsministerium erhielt mit dem Zusatz: „Tempelhofer Feld“. Das „Zentral“ bezog sich damals nicht auf die Lage des Geländes mitten in der Stadt, sondern aufs Ziel, zentraler deutscher Flughafen zu werden. Die Nazis hatten gar die Idee eines „Weltflughafens“.

Anfang der fünfziger Jahre, als der zivile Flugbetrieb wieder aufgenommen wurde, begann der „Zentralflughafen“ zum West-Berliner Begriff zu werden. Der Name passte zum gewaltigen Bau, er prangte über zig Millionen von Passagieren. Mit dem Niedergang des Flughafens wirkte der Name fast rührend. Er bleibt großspurig, auch wenn er eine leere Hülle ziert.Christian van Lessen

Countdown für Tempelhof – unsere tägliche Serie bis zum 30. Oktober. Morgen lesen Sie: Flughafen zu, Mieten rauf?

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