Flughafen Schönefeld : Bauen ohne Geld

Die Arbeiten am Flughafen Schönefeld laufen auf Hochtouren. Die Finanzierung mit den Banken steht aber weiter aus.

Klaus Kurpjuweit
Schoenefeld
Ein Passagierflugzeug über den Kränen der größten Flughafenbaustelle Europas in Schönefeld. -Foto: dpa

Schönefeld - Die Kräne drehen sich fast pausenlos, die Betonmischfahrzeuge rollen unentwegt. Nach der kurzen Frostpause laufen die Ausbauarbeiten auf dem Flughafen in Schönefeld wieder auf Hochtouren. Mitte des Jahres soll bereits die Stahlbaumontage des 48 000 Quadratmeter großen Daches der Terminalhalle beginnen. Aufträge im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro sind bereits vergeben worden. Wie sie finanziert werden, ist allerdings immer noch offen. Der erforderliche Kredit der Banken über 2,4 Milliarden Euro steht weiter aus. Ursprünglich sollten die Verträge bereits Ende 2007 unterschrieben werden.

Wie ernst die Lage ist, zeigt auch der Beschluss, den Vorstand durch einen Finanzfachmann zu ergänzen. Noch hat man aber keinen Kandidaten gefunden. Das Gremium muss dafür nicht aufgebläht werden, denn Ende des vergangenen Jahres ist das fürs Personal zuständige Vorstandsressort aufgegeben worden. Grund: die Flughafengesellschaft hat nach dem Verkauf ihrer Anteile an der Abfertigungsfirma Globe Ground die für das Installieren eines Personalvorstands vorgeschriebene Zahl der Mitarbeiter unterschritten.

Bisher seien alle Rechnungen für den Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) pünktlich bezahlt worden, heißt es bei der Flughafengesellschaft. Auch derzeit gebe es hier keine Probleme. Noch kann die Flughafengesellschaft von einem Kredit in Höhe von 350 Millionen Euro „leben“, der ihr Mitte 2006 von einem internationalen Konsortium unter Führung der Commerzbank gewährt worden war.

Zudem liegt die Flughafengesellschaft bei ihrer Eigenfinanzierung bisher sogar über Plan. 440 Millionen Euro aus dem mit 2,2 Milliarden Euro veranschlagten BBI-Projekt muss der Flughafen selbst aufbringen. Etwa die Hälfte wurde bereits aus den Gewinnen der vergangenen Jahre erwirtschaftet. Auch 2008 hat es wieder ein Plus gegeben. Weniger rosig sind die Aussichten für dieses Jahr. Die Wirtschaftskrise verschont auch die Berliner Flughäfen nicht, die zuletzt in Deutschland stets Spitzenreiter bei den Wachstumszahlen waren. Zuletzt ging es hier aber abwärts. Im Januar lag der Passagierrückgang bei 5,9 Prozent, im Februar sogar bei 8,1 Prozent. Entsprechend gehen auch die Einnahmen zurück. Ob das Ziel, wieder so viele Passagiere wie im vergangenen Jahr abzufertigen, erreicht wird, ist ungewiss. Mit 21,4 Millionen Fluggästen hatte es 2008 ein Rekordjahr gegeben.

Umso dringender ist die Flughafengesellschaft jetzt darauf angewiesen, schnell eine Kreditvereinbarung mit den Banken abzuschließen. Diese zögern aber derzeit noch. Sie warten ab, ob die EU-Kommission genehmigen wird, dass die Gesellschafter – Berlin, Brandenburg und der Bund – für die Kredite vollständig bürgen dürfen. Ursprünglich sollte es nur eine 80-prozentige Bürgschaft geben. Weil die Banken in den Verhandlungen nach Beginn der Wirtschaftskrise aber ihre Zinsforderungen in die Höhe geschraubt hatten, erhöhten die Gesellschafter im Oktober 2008 ihre Bürgschaft auf 100 Prozent. Durch die höhere Sicherheit soll die Zinslast gesenkt werden, weil sich das Risiko für die Banken minimiert. Die EU muss nun prüfen, ob dies eine verbotene Beihilfe ist.

Sollte Brüssel der höheren Bürgschaft aber zustimmen, könne der Kreditvertrag in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden, ist Flughafensprecher Ralf Kunkel überzeugt. Auf dem Bankenmarkt gebe es eine „gute Resonanz.“ Zudem habe die EU in der Vergangenheit ähnliche Vorhaben meist genehmigt – gerade erst wieder in Dresden.

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