Flughafen Tempelhof : Ein weites Feld

Die SPD wirbt für eine Nachnutzung des Flughafens Tempelhof. Die Opposition kritisiert Ideenlosigkeit und Halbwahrheiten.

Rainer W. During
Flughafen Tempelhof
Ideen gesucht. Was soll aus dem Flughafen-Areal werden? -Foto: ddp

Mit ihrer Kampagne gegen den Flughafen Tempelhof ist die SPD-Abgeordnetenhausfraktion bei Opposition und Befürwortern des City-Airports auf herbe Kritik gestoßen. In einer an die Neuköllner und Tempelhofer Haushalte verteilten Infozeitung bezeichnet Fraktionschef Michael Müller die Tempelhof-Freunde als „absolut verantwortungslos“. Er wirft ihnen vor, 40 000 Arbeitsplätze am BBI sowie Milliardenaufträge für Unternehmen aus der Region zu gefährden. Man werde „kein russisches Roulette mit der Zukunft Berlins spielen“, so der Politiker. „Bei einem Weiterbetrieb müssen laufend Steuergelder dafür aufgebracht werden, auch bei der jetzt ins Spiel gebrachten Nutzung durch einen Investor“, so Müller. Tempelhof koste „Jahr für Jahr Steuergelder“ und die ins Gespräch gebrachten Investoren würden allesamt auf öffentliche Gelder spekulieren. Und wenn sich die Bahn als staatliches Unternehmen engagiere, investiere sie Steuergelder, sagte SPD-Sprecher Thorsten Metter.

Die SPD verbreite „Un- und Halbwahrheiten“, kritisierte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT), Andreas Peter. Auch für Henry Charrabé sind die Argumente der SPD „nicht nachvollziehbar“. Er ist Bevollmächtigter von Central European Development (CED), die das Flughafengebäude für 350 Millionen Dollar in ein Klinikzentrum umbauen will. „Wir machen solche Geschäfte, um damit profitabel zu sein“, hatte in der vergangenen Woche bereits Bahn-Vorstand Wolf-Dieter Siebert erklärt. Das Unternehmen hat aber den Plan für einen eingeschränkten Flugbetrieb aufgegeben.

Auf einer Fläche „so groß wie der Central Park in New York“ böten sich zahlreiche Möglichkeiten für Freizeit, Sport und Erholung im Grünen, meint die SPD indessen zur Nachnutzung des Areals. Am Ostrand stellt man sich eine lockere Wohnbebauung vor, die durch Grünflächen und Nachbarschaftsgärten mit dem Sommerbad Neukölln und dem Werner-Seelenbinder-Sportpark verbunden wird. Am Columbiadamm könnte unter Einbeziehung der Friedhöfe eine Parkanlage als Verbindung zur Hasenheide entstehen, im Süden an der Autobahn weitere Gewerbebauten. Am Tempelhofer Damm schließlich schlägt die SPD Bürohäuser vor. In das denkmalgeschützte Flughafengebäude sollen neue Nutzer einziehen. Die Frage, wer das sein könnte, bleibt offen. Bisher haben außer der vom Senat abgewiesenen CED alle Kandidaten einschließlich des Innenministeriums abgewinkt.

Die SPD-Kampagne zeige die Hilflosigkeit gegenüber dem Mehrheitswillen der Berliner, den Flughafen zu erhalten, sagte CDU-Fraktionschef Friedhelm Pflüger. „Wir brauchen keine neuen Parks, sondern neue Investitionen in neue Arbeitsplätze für mehr Menschen.“ Den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit forderte Pflüger auf, gemeinsam mit dem Land Brandenburg eine Änderung des Landesentwicklungsplanes zu prüfen. Diese hätte laut Gutachten des Finanzministeriums keine Auswirkungen auf den BBI. „Abenteuerlich“ nannte der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Klaus-Peter von Lüdeke, die SPD-Vorschläge. In Berlin gebe es einen erheblichen Leerstand an Wohnungen und Büros. Und die Parkanlage sei nicht zu finanzieren.

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