Flughafen : "Unsere Zukunft liegt in Tempelhof"

Die Firma Grün Berlin und ihr neuer Chef Christoph Schmidt sollen aus Tempelhof einen Garten machen. Der 40-Jährige will Bauflächen zusammen mit Freiflächen entwickeln - und die Internationale Gartenschau nach Berlin holen.

Matthias Oloew
Schmidt Foto: Stuttmann
Christoph Schmidt. -Foto: Stuttmann

Bisher war die Aufgabe klar umrissen: Die Grün Berlin GmbH baute 30 Plätze und Parks, und pflegt vor allem den Britzer Garten, die Gärten der Welt in Marzahn und das Schöneberger Südgelände. Nun kommt auf die landeseigene Gesellschaft ein neue Aufgabe zu. Christoph Schmidt, ihr neuer Geschäftsführer, sagt es so: „Unsere Zukunft liegt in Tempelhof.“

Im Oktober trat der 40-Jährige die Nachfolge von Hendrik Gottfriedsen an, der in den Ruhestand wechselte. Mit Schmidt an der Spitze wird Grün Berlin zum Dienstleister für das Land bei der Entwicklung der Freiflächen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens. Das Ziel hat er vor Augen: „Das Wiesenmeer ist nicht genug“, sagt Schmidt, „denn das ist ja schon da.“

Er will in Tempelhof die Flächen, die auch künftig nicht bebaut werden sollen, weiterentwickeln und dabei auch ungewöhnliche Wege gehen. „Freiraumplanung ist auch Stadtplanung“, sagt er, was heißen soll: In Tempelhof soll beides zusammen gedacht und umgesetzt werden. Schmidt will die Trennung zwischen Stadt- und Landschaftsplaner aufheben, die dazu führte, dass die einen den Masterplan vorlegen, um dann die anderen heranzulassen, nicht selten mit der Attitüde: So, nun rollt mal euren grünen Teppich aus.

Mit dem neuen Denken will Schmidt nicht nur Synergien zwischen den Planern nutzen, sondern geht noch einen Schritt weiter: Er will die Investoren von vornherein an den Tisch holen. Erfahrungen mit dieser Planungskultur hat er für die Hamburger Hafencity gemacht. Dort verkaufte das Land einem Projektentwickler ein sechs Hektar großes Areal mit der Maßgabe, nicht nur Gebäudeensemble, sondern auch die Freiflächen zusammen mit der Verwaltung und der Hafen-City GmbH zu planen, zu entwickeln und außerdem – das ist das wirklich Neue – die fertigen Freiflächen später zu betreiben.

Einfach war das Procedere nicht. Ein Jahr dauerten die Verhandlungen, der entsprechende Vertrag fasst 1000 Seiten. Am Ende hatten alle etwas davon: Hamburg eine entwickelte Fläche, der Investor Mitsprache bei der Planung und die Bewohner stets gut gepflegte Grünanlagen.

Christoph Schmidt, der in Berlin Stadt- und Landschaftsplanung studierte, glaubt, dass dieses Hamburger Modell auch in Tempelhof funktioniert. Die Bauflächen zusammen mit den Freiflächen zu entwickeln und die strikte Trennung zwischen privat und öffentlich aufzuheben, bedeute nicht, dass die künftigen Bewohner auf einen klassischen Vorgarten verzichten müssen. Aber Schmidt verspricht sich einen Qualitätsschub, wenn beides zusammen gedacht und geplant und so Teil eines Gesamtkonzepts wird. Ein wichtiges Instrument ist für ihn die Bewerbung um eine Internationale Gartenschau (IGA) in Tempelhof, die Berlin 2017 ausrichten will. Voraussetzung ist allerdings: „Die IGA darf nicht nur eine Blümchenschau werden“, sagt Schmidt. Sie solle Tempelhof weiterentwickeln, aber umgekehrt soll sich auch die IGA in Tempelhof reformieren und weiterentwickeln. Schmidt: „Die IGA soll dazu beitragen, dem ehemaligen Flughafen ein neues Image zu geben, ohne dem Terminalgebäude die Schau zu stehlen.“

Jenseits von Tempelhof gibt es für den Grün-Berlin-Chef außerdem viel zu tun. Die Bauarbeiten für den Park am Gleisdreieck haben begonnen. Darüber hinaus soll der Pankepark hinter dem künftigen Dienstsitz des Bundesnachrichtendienstes entwickelt, sollen die Konzepte für die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße umgesetzt werden. Und dann gibt es noch die drei Gärten. Schmidt will sie nicht aus den Augen verlieren.

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